Langerwehe: Friseursalon Papst seit 100 Jahren im Familienbesitz

Handwerksgeschichte : Friseursalon Papst wird 100 Jahre alt

Es ist ein wirklich außergewöhliches Jubiläum: Der Friseursalon Papst feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen und befindet sich gleichzeitig seit 100 Jahren im Familienbesitz. „Das ist wirklich außergewöhnlich“, sagt auch Uwe Günther, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. „Ein solches Jubiläum gibt es im Kreis Düren höchstens alle zwei Jahre.“

Ute Papsts Großvater Heinz Herger hat den Betrieb 1919 gegründet und gemeinsam mit seiner Frau, die ebenfalls ausgebildete Friseurin war, und einem belgischen Gesellen geführt. „Mein Opa war ein leidenschaftlicher Friseur“, erzählt Ute Papst, die den Betrieb seit 30 Jahren führt, „aber leider ist er mit nur 43 Jahren im Zweiten Weltkrieg gefallen.“

Ute Papsts Onkel, ebenfalls gelernter Friseur, sollte den Betrieb übernehmen. „Er ist aber leider unmittelbar nach seiner Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft mit 29 Jahren gestorben.“ Ute Papsts Oma und ihre Mutter mussten handeln – und haben den Betrieb kurzerhand übernommen. „Mein Vater war gelernter Schlosser. Er hat dann noch eine Friseurlehre und die Meisterprüfung gemacht und dann mit meiner Mutter den Betrieb geführt.“ 

Ute Papst hatte nach dem Abitur zunächst andere Pläne. „Ich habe verschiedene Sachen ausprobiert, aber dann doch gemerkt, dass meine Leidenschaft der Friseurberuf ist. Man hat fast immer nur mit schönen Themen zu tun, und die allermeisten Leute sind zufrieden, wenn wir sie verschönert haben. Außerdem ist Friseur ein sehr kreativer Beruf.“

Ute Papst hat den Salon 1989 von ihren Eltern übernommen. Foto: Papst

Als ihr Großvater angefangen habe, seien nur wenige Menschen zum Friseur gegangen – und das eher selten. „Erst in der Nachkriegszeit hat sich das geändert. In der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs haben sich die Menschen mehr Luxus gegönnt und sind häufiger zum Friseur gegangen.“ Heute, erklärt Papst, gingen Frauen im Schnitt fünfmal im Jahr zum Friseur.

Eine der größten Schwierigkeiten, mit der die Langerweher Unternehmerin, die mittlerweile zwölf Angestellte beschäftigt, zu kämpfen hat, ist der Fachkräftemangel. „Dagegen gibt es nur ein Rezept“, sagt Ute Papst. „Wir bilden selbst aus und bemühen uns, die Azubis von Anfang an, in die Arbeit zu integrieren.“ Es ist Papst wichtig, ihren Mitarbeitern eine Perspektive zu bieten.

„Das geht zum einen damit, dass wir natürlich allen unseren Mitarbeitern den vorgeschriebenen Tariflohn zahlen, darüber hinaus aber auch besondere Leistungen honorieren.“ Darüber hinaus hat Papst Führungskräften in ihrem Unternehmen eigene Verantwortungsbereiche, wie Ausbildung, Make up und Galafrisuren und Qualitätsmanagement im Unternehmen übertragen. Papst: „Darum kümmern sich die betreffenden Mitarbeiter denn auch eigenverantwortlich.“

Hundert Jahre im Familienbesitz: Der Friseursalon Uta Papst aus Langerwehe feiert ein besonderes Jubiläum. Foto: Papst

Außerdem bietet sie regelmäßig Fortbildungen in ihrem Betrieb an. „Natürlich ist auch die Zukunft des Betriebes jetzt schon ein Thema, auch wenn ich noch lange nicht ans Aufhören denke. Trotzdem gehört es zu meiner unternehmerischen Verantwortung, die Zukunft zu planen.“

Eines hat sich in 100 Jahren Friseurgeschichte nicht geändert. „Die Menschen, die zum Friseur kommen, wollen reden“, sagt Ute Papst. Früher sei es häufig so gewesen, dass die Menschen gehofft hätten, die neuesten Geschichten aus dem Dorf zu hören.

„Heute braucht man wirklich eine psychosoziale Kompetenz. Man merkt, dass viele Kunden den ganzen Tag am Computer sitzen und auch einen Großteil ihrer Einkäufe online erledigen. Sie suchen jemanden, der ihnen zuhört und wollen sich mitteilen. Und man muss wirklich zuhören und auch antworten. Ein lapidares’Ja, ja’ zwischendurch reicht nicht.“

Klar, dass Ute Papst sich – genau wie ihr Opa und ihre Eltern – bestens mit den aktuellen Trends auskennt. Aktuell, verrät die Expertin, ist der Bob wieder sehr im Kommen, außerdem gerade und akkurate Linien sowie metallische und glänzende Farben.

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