Kreis Düren: Lange Tradition: Ett löck niet, et weed jeklappert

Kreis Düren : Lange Tradition: Ett löck niet, et weed jeklappert

„Am Gründonnerstag, fliegen die Kirchenglocken nach Rom, um dort den päpstlichen Segen zu bekommen und Reisbrei zu essen“ — so wurde es früher und so wird es mancherorts auch heute noch den Kindern erzählt. Denn in der Zeit um den Verrat, das Leiden und den Tod Jesu schweigen die Glocken.

Heute fällt das vielen Menschen kaum noch auf, früher waren die Glocken jedoch für die Menschen ein wichtiger Taktgeber am Morgen, am Mittag und am Abend. Außerdem riefen die Glocken zur Messe — eine Erinnerung im Smartphone gab es nicht. Schon seit dem Mittelalter gibt es daher die Tradition des „Klapperns“. Die Dorfjugend — meist die Messdiener — übernahmen mit Klappern und Ratschen die Aufgaben der Glocken. In vielen Orten tun sie es noch heute, in manchen ist dieser Brauch ausgestorben.

Freuen sich schon auf das Klappern: Einige der 50 Messdiener, die in Niederzier, Oberzier und Hambach mit dem Rad unterwegs sind. Foto: Sarah Maria Berners

Jedes Dorf hat seine eigene Tradition. Während in manchen Orten beim Klappern auch Sprüche gerufen wurden, war und ist in anderen nur das bloße Klappern der Holzschlägel zu hören. „In Vettweiß gab es keine Rufe, in Poll wurden aber Sprüche aufgesagt“, erinnert sich Franz Erasmi aus Vettweiß an seine Kindheit. In Poll sei vor Messbeginn gerufen worden: „Zesamme, zesamme in de Herrjotts-kamme, zehoof, zehoof, zehoof.“ Aus der Eifel ist ein etwas flapsigeres Gedicht überliefert: „Lück, Lück kott zesamme, wer zu spiet kütt, muss sich schamme. Maria hat ne Sohn empfange, der hat für ons am Kröx jehange. Und wär er niet jestorve, da wäre mir all verdorve.“

Viele Klappern, mit denen die Kinder heute unterwegs sind, stammen noch aus der Generation ihrer Großväter. Gerufen wird heute nur noch vereinzelt — und wenn dann eher von den erwachsenen Begleitpersonen. Warum diese Tradition ausstirbt, lässt sich nicht so genau sagen — der Zeitgeist und das Verschwinden des Dialekts sind mögliche Ursachen.

Gründonnerstag wird geklappert

Trotzdem hat das Klappern für viele Menschen noch eine Bedeutung — ähnlich wie der Besuch der Sternsinger am Fest der Heiligen drei Könige. In manchen Orten wird schon am Gründonnerstag geklappert, in anderen erst am Karfreitag, manche Messdiener gehen zu Fuß, andere fahren Rad — sogar auf Mopeds im Leerlauf wurde schon geklappert.

Beim Klappern haben wohl alle Generationen unterwegs auch „dr Molli“, also ein bisschen Unfug gemacht. „Besonders lange und laut klapperten wir bei den Leuten, die das nicht so gerne hatten, manchmal sogar so lange, bis diese wütend aus den Häusern kamen“, erinnert sich Heinz Bücker an seine Messdienerzeit Mitte der 50er Jahren in Niederau. Nicht so gerne hatten das „Klappern“ vor allem die evangelischen Mitbürger. Die Niederauer hatten auch „Raspeln“ oder Ratschen. „Die machten einen Höllenlärm“, erinnert sich Bücker.

Für das frühe Aufstehen an den freien Tagen, das Klappern und für das Messedienen im Jahreskreis freuen sich die Messdiener auch über einen Obolus — traditionell gehen sie daher meist am Karsamstag von Haus zu Haus, wünschen ein frohes Osterfest und sammeln Geld, das heute oftmals in eine Gemeinschaftskasse fließt und dann für einen Ausflug genutzt wird.

Früher kamen die Messdiener vom Klappergang schonmal mit bis zu 40 Eiern nach Hause. Heute gibt es nur noch vereinzelt rohe Eier. „Wir hatten immer einen Korb mit Stroh dabei“, erinnert sich Harald Jansen aus Vossenack an seine Messdienerzeit vor über 40 Jahren in Bergstein. Die etwa 18 Messdiener „tauften“ in Zerkall an der Rur ihre Klappern. Zuvor war der Pfarrer der erste, der einen Obolus beitrug. In Poll sagten die Messdiener vor den Türen folgende Worte auf: „He in dem Huus wohnt en joot Frau, die weeß niet, wat se jevven soll. Viel soll se jevve, lang soll se levve.“

Am Karsamstagabend werden die Klappern wieder eingepackt, in der Osternacht kommen die Glocken zurück, die Auferstehung Jesu wird gefeiert.

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