Landwirte starten Patenprogramm für Blühstreifen

Paten für blühende Vielfalt gesucht : Aktion „Vielfaltaktivist“ soll Nahrung für Insekten schaffen

Heinrich Esser (29) aus Kelz und Thomas Neisse (25) aus Erftstadt verdienen ihr Geld mit der Landwirtschaft. Mit Ackerbau. Auf ihren Böden wachsen neben Getreide, Zuckerrüben und Kartoffeln auch Kürbisse, Erdbeeren, Gemüse und Zwischenfrüchte. Jetzt haben sie die Aktion „Vielfaltaktivist“ gestartet, so sollen mehr Blumen an die Ränder ihrer Äcker kommen. Mit der Aktion stellen sie sich auch der Kritik an der Landwirtschaft.

Die beiden haben oft Kontakt mit ihren Kunden, die Diskussionen um die Landwirtschaft, über Dünger und Pflanzenschutzmittel ziehen nicht an ihnen vorbei. „Die Kritik betrifft den Verlust der Artenvielfalt, das Bienensterben oder das getrübte Landschaftsbild, ausgelöst durch zu enge Fruchtfolgen, Monokulturen oder Pestizide“, erklärt Heinrich Esser. Die beiden Junglandwirte wollen den Dialog mit dem Verbraucher – auch, weil beide Seiten jeden Tag voneinander leben.

Esser und Neisse wollen sich der Diskussion stellen, wollen auf der einen Seite zeigen, dass sie auch in der konventionellen Landwirtschaft mit Blühstreifen und Vertragsnaturschutz (siehe Infokasten) schon viel für die Umwelt tun, dass sie auf vielfältige Fruchtfolgen setzen und Dünger so sparsam wie möglich einsetzen (auch, weil er teuer ist). Sie möchten den Menschen aber auch erklären, wie sie arbeiten und um Verständnis werben, dass ihr Handeln in der Landwirtschaft auch wirtschaftlich sinnvoll sein muss.

Um etwas Gutes für die Natur und das Image der Landwirtschaft zu tun, haben die beiden Ackerbauern schon in der Vergangenheit Blühstreifen am Rande ihrer Felder eingesät. Seit dem Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern zur Rettung der Bienen ist das Thema aber drängender geworden. In Süddeutschland haben die ersten Landwirte begonnen, Paten für Blühstreifen auf Ackerflächen zu suchen und solche Flächen im Internet zu versteigern. Diesem Vorbild folgen die beiden Junglandwirte und haben die Aktion „Vielfaltaktivist“ samt Internetseite www.vielfaltaktivist.de ins Leben gerufen.

Thomas Neisse (l.) und Heinrich Esser vergeben Patenschaften für Blühstreifen auf ihren Äckern.                  . Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

„Wir ermöglichen jedem Bürger, aktiv etwas für die Artenvielfalt und Umwelt, gegen das Bienensterben und etwas für das Landschaftsbild zu unternehmen“, erklärt Thomas Neisse. Schließlich hätten viele Menschen zum Beispiel in Städten keine Möglichkeit, selbst Pflanzen als Nahrung für Bienen zu setzen. Die Blühflächen mit heimischen Arten wie Kornblume, Buchweizen, Bienenweide und Sonnenblume werden unter anderem in den Gemeinden Merzenich und Vettweiß angelegt, vorzugsweise an Gewässern und Radwegen, damit sie auch für viele Menschen eine Augenweide werden. Die verschiedenen Pflanzen sollen vor allem Bienen Nahrung bieten. „Aber auch andere Insekten, Vögel und Niederwild finden in den Blühflächen ein Zuhause“, erklären die „Vielfaltaktivisten“.

Bis Mitte April müssen die Samen in die Erde gebracht werden. Für 50 Euro säen die Landwirte 100 Quadratmeter ein, für 600 Quadratmeter haben sich schon Paten gemeldet. „Und natürlich ergänzen wir noch etwas“, sagt Esser. Die bisherigen Blühstreifen würden natürlich auch weiterhin eingesät. „Die Summe von 50 Euro ersetzt nur den entgangenen Ertrag und entschädigt den zusätzlichen Aufwand“, erklären die Junglandwirte.

Die beiden wollen aber nicht, dass es nur bei einer Überweisung  bleibt. In Zusammenarbeit mit der biologischen Station wollen sie – wenn alles blüht – auch zu Spaziergängen mit Informationen einladen. Wenn die Aktion gut ankommt, wollen sie weitere Landwirte mit ins Boot holen.

Wer sich an der Aktion beteiligen will, kann sich per E-Mail an vielfaltaktivist@gmx.de melden.

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