Kreis Düren: Landtagwahl: AfD-Einbruch in traditionelle SPD-Bezirke

Kreis Düren: Landtagwahl: AfD-Einbruch in traditionelle SPD-Bezirke

Mit 7,24 Prozent der Zweitstimmen im Wahlkreis Düren I und 7,83 Prozent im Wahlkreis Düren II hat die AfD in etwa das Ergebnis erreicht, das sie mit 7,4 Prozent auch auf Landesebene erzielt hat. Aber es gibt Ausreißer. Zum Beispiel in der Gemeinde Nörvenich, wo die AfD im Stimmbezirk Nörvenich-Süd auf 17,45 Prozent bei den Zweitstimmen gekommen ist.

„Das ist für uns ein überraschendes Ergebnis“, sagt Nörvenichs Beigeordneter Michael Reutter. Eine Erklärung für das Ergebnis hat er nicht: „Das ist ein reines Wohngebiet und völlig unproblematisch. Mittendrin gibt es eine Kita, für uns als Verwaltung stellen sich da keine Probleme.“

Ähnlich ratlos ist auch der Niederzierer Bürgermeister Hermann Heuser. In gleich mehreren Wahlbezirken liegt die AfD bei Werten zwischen 11 und 13 Prozent, vor allem im Bereich Huchem-Stammeln, Ellen und Oberzier. Heuser: „Wir wissen, dass es in Huchem-Stammeln strukturell sozial-schwächere Bereiche gibt. Gerade in diesen Stimmbezirken ist man der Wahl aber eher ferngeblieben.“

Heuser sieht eine ganz andere Auffälligkeit: „In all diesen Stimmbezirken haben wir Neubaugebiete, in denen Bürger aus den ehemaligen GUS-Staaten leben. Ich weiß nicht, inwieweit die AfD beispielsweise gezielt bei den Russland-Deutschen um Stimmen geworben hat.“

So wie Michael Reutter in Nörvenich will sich auch Heuser mit den Ergebnissen auseinandersetzen: „Mich erschrecken diese Zahlen“, sagt der Niederzierer Bürgermeister. Vielleicht müssen wir auch im Sozialausschuss beraten, inwieweit wir unsere Anstrengungen im Bereich Prävention und Integration verstärken müssen.“

Eine genaue Analyse dürfte sich auch im Bereich der Stadt Düren lohnen: Zwischen 13 und 15,5 Prozent der Stimmen hat die AfD im Grüngürtel bekommen, in Düren-Ost jenseits der Kölner Landstraße gar 19,03 Prozent. Fast jeder fünfte Wähler hat hier für die rechtspopulistische Partei gestimmt, die CDU hatte gerade mal vier Prozent mehr. SPD-Chef Cem Timirci stammt selbst aus dem Grüngürtel.

Es ist das Kerngebiet der Sozialdemokraten, hier sitzen eigentlich ihre Stammwähler, hier hatte die SPD früher keine Probleme 60 Prozent der Stimmen zu holen. Die Zeiten sind längst vorbei. „Wir haben bei den Hausbesuchen und auch bei unserem Wahlkampfabschlussfest im Grüngürtel schon von Wählern gehört, dass sie enttäuscht von ihrer SPD sind und aus Protest die AfD wählen wollten“, gesteht Timirci.

Natürlich geht er davon aus, dass nach der Agenda 2010 die unklare Positionierung der Partei auf Bundesebene hier eine Rolle spielt. „Ich würde mir da ein klareres Profil wünschen“, sagt Timirci, der aber auch weiß, dass die Dürener Genossen ebenfalls „klare Kante“ zeigen müssen.

Wie schwer der Partei das fällt, macht er an einem kleinen Beispiel deutlich: „Es gibt zum Beispiel viele positive Reaktionen auf das neue City-Ticket. Aber kaum jemandem ist klar, dass wir das initiiert haben“, sagt Timirci. Erfolge verkaufen ist das eine, bis zum Wähler überhaupt durchzudringen das ganz andere Problem. CDU-Chef Thomas Floßdorf, der früher seinen Wahlbezirk im Grüngürtel hatte, formuliert es so: „Wir müssen versuchen, die Menschen wieder zu erreichen, und das noch so, dass sie uns auch verstehen.“

Auch ihm fällt die Erklärung, warum die AfD in diesen Stimmbezirken so stark geworden ist, schwer. „Es sind Stadtteile, in denen die Menschen teilweise ein geringeres Einkommen haben. Vielleicht herrscht da die Angst vor, zu den Verlieren zu zählen oder abgehängt zu werden.“

Gleichzeitig sagt Floßdorf aber auch, dass man genau dies in der Vergangenheit bereits im Blick gehabt habe: „Wir haben diese Wohnquartiere aufgewertet. Es gibt die Stadtteilvertretung vor Ort, es gibt die Hausaufgabenhilfe — es ist also nicht so, als ob wir uns gar nicht kümmern würden.“

Vielleicht, sagt Floßdorf, spielt eine Rolle, dass die Parteien vor Ort nicht mehr direkt präsent seien. Er selbst hat diese Erfahrung gemacht, als er aus dem Grüngürtel weggezogen ist: „Du hast uns ja auch vergessen“, habe er da zu hören bekommen. Und: „Die Menschen müssen vor Ort ein Gesicht haben“, sagt er, jemand, der für die Bürger direkter Ansprechpartner ist. Seine Erkenntnis: „Wir müssen zu den Bürgern gehen und nicht darauf warten, dass die zu uns kommen.“

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