Landgericht: Stadt Nideggen auf 30.000 Euro verklagt

Stadt Nideggen verklagt : Ein Mountainbiker stürzt im Wald und fordert nun 30.000 Euro

Das Landgericht Aachen beschäftigt sich mit der Frage, ob die Stadt Nideggen für einen schweren Mountainbike-Unfall im Juli 2017 haften muss. Der Verunglückte Daniel K. leidet noch heute unter Folgen.

Unter dem Unfall im Sommer 2017 auf dem Wanderweg Hasenacker in Nideggen leidet Daniel K. noch heute. Er ist schwer mit dem Mountainbike gestürzt, musste per Hubschrauber ins Aachener Klinikum geflogen werden, in Kopf und Rücken hat er noch Metallschrauben und -platten.

Dieser Unfall wird seit Dienstag vor der Zivilkammer am Aachener Landgericht verhandelt, denn Daniel K. verklagt die Stadt Nideggen auf mehr als 30.000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz. Es ist kein alltäglicher Fall, aber für die südlichen Kommunen des Kreises Düren ein höchst interessanter: Die Eifelwälder sind bei Mountainbikern gefragt, Unfälle wie die des Nideggeners könnten sich wiederholen.

Daniel K. ist der Meinung, dass die Stadt Nideggen Schuld an seinem Unfall trägt, weil sie Baumstämme zur Hangsicherung quer über den Weg hat legen lassen. Der Mountainbiker gibt an, er habe die Gefahr erstens nicht frühzeitig erkennen können, und zweitens sei diese Konstruktion eine Art Sprungschanze vor einem steilen Abhang gewesen, was eben dazu beigetragen habe, dass er trotz Schrittgeschwindigkeit so schwer gestürzt sei. Sogar sein Helm war gebrochen.

Richter Uwe Meiendresch beschäftigt sich nun mit der Frage: Hat Daniel K. diese Stelle wirklich nicht sehen können? Denn die Antwort auf jene Frage ist maßgebend dafür, ob die Hangsicherung als sogenannte „atypische Gefahr“ angesehen werden kann. Im juristischen Sinne sind das „von Menschenhand geschaffene Gefahren, mit denen auch ein vorsichtiger und aufmerksamer Waldbesucher nicht rechnen kann“, erklärte Meiendresch. Der Richter machte auch klar: „Haftungsfragen für den Wald sind sehr komplex.“

Ein Schild weist darauf hin, dass Radfahren abseits der Wege verboten ist. Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Auf dem Wanderweg Hasenacker rund um die Jugendherberge und in den Nideggener Wäldern an sich wimmelt es von ähnlichen Stellen. Der Boden ist felsig, es gibt etliche steile Abhänge. Damit sie keine Gefahr für Wanderer sind, geht der Eifelverein die Strecken regelmäßig ab, berichtete ein Mitarbeiter des städtischen Bauamtes. Wenn Stellen entschärft werden müssen, würden Eifelverein und Stadt eng zusammenarbeiten. So war es auch an besagter Unfallstelle, wo die Baumstämme befestigt wurden, damit sie für Wanderer eine Art Treppe sind. Nach dem Unfall hat die Stadt die Stämme teilweise entfernt.

Mit zwei Freunden unterwegs

An jenem Sommertag, dem 29. Juli 2017, war Daniel K. mit zwei Freunden in dem Wald unterwegs. Die wurden in der Verhandlung am Dienstag jedoch nicht als Zeugen geladen. Richter Meiendresch versuchte ziemlich schnell, beide Parteien zu einem Vergleich zu bewegen. Die Summe soll „weit unter der Hälfte“ der Summe liegen, die Daniel K. einzuklagen versucht.

Auch nur eher am Rande hat Meiendresch die Frage angerissen, ob die drei Männer überhaupt auf dem Waldweg hätten fahren dürfen. Denn eingangs des Wanderweges steht ein Schild, auf dem steht, dass es verboten ist, abseits der Fahrwege und Straßen Rad zu fahren. Es müsste also erst geklärt werden, wie man „Fahrweg“ definiert und ob der Waldweg in diese Kategorie gehört.

Diese Foto zeigt die Unfallstelle unmittelbar nach dem Unfall, als Vertreter der Stadt Nideggen sich den Ort angeschaut haben. Foto: Stadt Nideggen

In den Ausführungen des Richters war mehrfach zu hören, dass er versucht habe, die Akten „mit Empathie“ zu lesen. Denn Daniel K. lag nach seinem Unfall zwei Wochen im Krankenhaus, danach verbrachte er mehrere Monate in der Reha, er kann nur noch eingeschränkt als Industriemechaniker arbeiten. Außerdem befürchtet er, dass er nicht, wie eigentlich geplant, befördert wird.

Beide Parteien haben zwei Wochen Zeit, über eine gütliche Einigung nachzudenken. Richter Meiendresch sei bewusst, dass dies eine Ausnahme sei – denn Kommunen als Beklagte neigten ungern dazu, weil ihnen der Versicherungsbund im Rücken stehe. Die Entscheidung soll Mitte Januar fallen.

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