Landesjugendorchester zeigt „Don Carlos"

„Don Carlos“ im Haus der Stadt : Die Mächtigen von gestern und heute

Die Inszenierung von Verdis Schiller-Oper „Don Carlos“ des Landesjugendorchester und des „Ensembles Zukunft Kultur“ sucht Antworten auf hochaktuelle Fragen. Die moderne Interpretation mit dem Untertitel „corridors of power“ wurde im Rahmen der interkulturellen Woche im Haus der Stadt aufgeführt.

Wie kommt die Macht an die Macht? Welchen Anteil hat der einzelne an der Festigung dieser „Corridors of power“, zu Deutsch „Schaltzentralen der Macht“? Diese Fragen suchte die Inszenierung von Verdis Schiller-Oper „Don Carlos“ des Landesjugendorchester und des „Ensembles Zukunft Kultur“ zu beantworten. Zu den jungen Musikern des Orchesters gehörten auch der Dürener Cellist Markus Ebber und die Jülicher Bratschistin Henrike Wille.

Den Zuschauer erwartete zunächst ein spektakuläres Bühnenbild: Ein Panzer stand im Vordergrund, dahinter eine Leinwand in Form eines überdimensioniertes Rehs, die im Laufe der Aufführung mit Lichteffekten, Videos und Live-Aufnahmen bespielt wurde. Dies unterstrich zum einen den modernen Bezug des Stückes und schaffte zum anderen ein sehr wandelbares und zuweilen multiperspektivisches Bild. Das Landesjugendorchester fand ebenfalls auf der Bühne Platz und war so immer im Hintergrund sichtbar und eingebunden in das Geschehen.

Die Handlung der Oper spielt am streng katholisch geprägten Spanischen Hof des 16. Jahrhunderts. Don Carlos (Raymond Sepe), Prinz von Spanien, kämpft mit dem Verlust seiner Verlobten Elisabeth von Valois (Kristin Ebner) an seinen Vater den König (Simon Stricker). Nicht ernst genommen vom Vater und schließlich sogar als Gefahr erkannt, bleibt ihm sowohl seine Braut, als auch die Chance in den abtrünnigen Niederlanden zu kämpfen verwehrt. In der modernen Interpretation wird er als Clown porträtiert, der zwar keine Erfolge verzeichnen kann, aber doch Sympathieträger ist.

Der Inquisitor, der am Ende von Verdis Oper als Machtfigur im Hintergrund auftritt, wurde durch zwölf Spitzel ersetzt, die sich durch das Stück woben. Ein Chor übernahm die Rolle der Deputierten, die zwar im Original aus Flandern kommen, hier aber für ihre Heimat stehen, wie Regisseur Bernd Schmitt erklärt: „Hier dringt die Wirklichkeit ins Theater. Diese Menschen wissen, wovon sie erzählen.“

Zusammen mit Sebastian Tewinkel als musikalische Leitung und Birgit Angele als Verantwortliche für Kostüm und Bühne gelang dem renommierten Opernregisseur die Übersetzung in die heutige Zeit ohne Abstriche an Handlung oder Musik. Während Bühnenbild und Kostüme den Zuschauer vielleicht zunächst stutzen ließen, fand sich die Handlung schnell in der modernen Kulisse ein. Tatsächlich regten gerade die Unterschiede zur herkömmlichen Interpretation der Oper zum Nachdenken über die zentralen Themen des Stückes an.

Zur Einordnung und Diskussion bot das Rahmenprogramm der Aufführung außerdem ausreichend Gelegenheit. Bei einem syrischen Buffet konnten sich die Besucher in der Pause und nach dem Stück in Diskussionsrunden austauschen. Das Ziel andere Zielgruppen als nur klassische Opernbesucher in die Aufführung zu locken, haben die Veranstalter erreicht, denn auch einige junge Menschen sowie Familien fanden sich in den voll besetzten Rängen und genossen gemeinsam diese etwas andere Oper.

(km)
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