Düren: Kurios: Angeklagter spricht nicht mit Anwalt

Düren: Kurios: Angeklagter spricht nicht mit Anwalt

Vor Gericht musste sich am Dienstag ein Mann verantworten, der gleich zu Beginn der Verhandlung schlechte Karten hatte. Der 28-Jährige lehnte es nämlich ab, mit seinem Pflichtverteidiger zu sprechen. Dabei hätte der Angeklagte anwaltliche Hilfe gut gebrauchen können, die Vorwürfe waren schließlich gravierend.

Im September vorigen Jahres wurde in Nähe des Dürener Bahnhofs ein Mann mit einem Messer verletzt. Der Angeklagte habe seinem Opfer eine sieben Zentimeter lange Schnittwunde auf der Brust zugefügt, sagte der Staatsanwalt. Der Mann, dessen Eltern in den Zuschauerbänken Platz genommen hatte, teilte mit, er werde gar nichts sagen. So musste sich das Gericht unter Vorsitz von Dr. Stephan Ebeling auf die Aussagen des Opfers und einer Zeugin verlassen. Und die reichten am Ende aus für eine Verurteilung.

Das Opfer schilderte, wie am 22. September 2012 nachmittags mehrere Betrunkene erst verbal und dann handgreiflich in Streit gerieten. Zwei Frauen hätten schlichten wollen, doch das Durcheinander sei immer größer geworden. „Ich wollte den Mädchen helfen“, sagte der Mann, der damit wohl den Zorn der Streitenden erst recht auf sich zog.

Das Geschrei muss groß gewesen sein, und der 34-Jährige merkte offenbar erst mit einer kleinen Verzögerung, dass er blutete und verletzt war. Wer den Stich ausführte, daran erinnerte er sich nicht mehr. Zwei Tage lang blieb er im Krankenhaus, es gab glücklicherweise keine inneren Verletzungen.

Seine Lebensgefährtin hatte damals die Szene beobachtet. Sie schilderte, dass zunächst „alle gut drauf und betrunken“ gewesen seien. Als aber der Streit entstand, habe sie die Polizei angerufen. In ihrer Nähe hätten Täter und Opfer gestanden, den Stich habe nur der Angeklagte ausführen können.

Die Zeugin musste allerdings zugeben, dass sie weder den Stich selbst noch ein Messer gesehen hatte. Sie lief dem Angeklagten damals in einigem Abstand hinterher und zeigte ihn schließlich den Polizeibeamten. Drei Richter und der Staatsanwalt hielten am Ende den Angeklagten für schuldig. Der wurde übrigens aus der Haft vorgeführt und ist vielfach einschlägig vorbestraft. Schon als Jugendlicher wurde er wegen Diebstahl und Körperverletzung verurteilt.

Das Gericht schickte den Mann am Dienstag für ein Jahr hinter Gitter. „Bei der Aussage der Zeugin stimmte alles“, sagte Ebeling. Auch wenn bei dem Angeklagten kein Messer gefunden wurde, so sei klar: Der Angeklagte habe sein Opfer „mit einem scharfen Gegenstand“ verletzt.