Ein Jahr nach Vorfällen am Schlachthof Düren: „Kundenverhalten kein bisschen verändert“

Ein Jahr nach Vorfällen am Schlachthof Düren : „Kundenverhalten kein bisschen verändert“

Ein gutes Jahr ist vergangen, seitdem die skandalösen Zustände am Dürener Schlachthof öffentlich geworden sind. Die Forderung nach drastischen Konsequenzen war vor allem von Tierschützern groß, und die Debatte um den Fleischkonsum begann von vorne.

Denn es ist nun einmal so, dass die Gier nach viel und billigem Fleisch aus Supermärkten und Fastfood-Restaurants Einfluss auf die Abläufe in einem Schlachthof wie dem an der Veldener Straße hat.

Geht man der Frage nach, ob die damals öffentlich gewordene mitunter miserable Situation für Tier und Mensch einen Einfluss auf das Kaufverhalten der Bürger hatte, ist Bernd Ungermann ein Ansprechpartner. Er steht wöchentlich mit seinem „Hühnerdieb“-Wagen auf dem Dürener Markt und verkauft Geflügel-, Rind- und Wildfleisch.

Seit 17 Jahren führt er das Geschäft. Seine Meinung ist eindeutig: „Das Kundenverhalten hat sich nach dem Skandal kein bisschen verändert.“ Seiner Meinung nach seien viele Händler und Metzgereien förmlich gezwungen, auf „Billigfleisch“ zu setzen – ansonsten sehe die geschäftliche Zukunft düster aus.

Quasi nur Stammkunden

Rein theoretisch könnten Händler wie der Dürener Ungermann, die ihr Fleisch nicht von Großschlachthöfen beziehen, sondern nach eigener Aussage von hochzertifizierten Lieferanten aus Deutschland (gerade bei Hähnchen) und etwa auch Irland (Rind), von einem geänderten Konsumverhalten der Bürger profitieren.

Vorausgesetzt, diese würden tiefer in die Tasche greifen und auf bessere Qualität setzen. Beispiel: Ein Kilo mariniertes Hühnerbrustfilet kostet bei Ungermann 13,90 Euro, im Supermarkt und Discounter ist die Nicht-Bio-Ware um die Hälfte oder mehr günstiger. „Wir haben zu 98 Prozent Stammkunden, nach dem Skandal ist keiner dazu gekommen. Im Gegenteil: Es werden eher weniger Kunden, weil Fleisch im Supermarkt billiger ist. Die Achtung vor dem Lebensmittel fehlt heutzutage“, betont Ungermann.

Ähnliche Worte hört man aus der Metzgerei Rey am Dürener Kaiserplatz. Bei den Kunden sei der Schlachthof – wenn überhaupt – nur in den ersten Tagen vereinzelt Thema gewesen. Wie Wochenmarktbeschicker Bernd Ungermann sagt auch eine dortige Mitarbeiterin aus jahrelanger Erfahrung, dass sich das Konsumverhalten für die Metzgereien eher negativ verändert habe: „Das Fleisch im Supermarkt ist nicht nur günstiger, dort fragt auch niemand, wo es herkommt.“

Metzgerei-Inhaber Alexander Lieven fahre zur Auswahl der Schweine und Rinder persönlich zu den regionalen Produzenten. Hoffnung, dass sich das Konsumverhalten in der Gesellschaft doch vielleicht ändert, hat die Fachfrau nicht – vor allem, weil selbst ein lokaler Skandal dies offensichtlich auch nicht auslösen kann.

Eine (nicht repräsentative) Umfrage auf den Facebook- und Internetseiten unserer Zeitung zeichnet ein geteiltes Bild. Während in dem sozialen Netzwerk bei der für 24 Stunden erreichbaren Umfrage von 205 Personen 148 angeklickt haben, dass sich ihr Fleischkonsum nicht geändert habe, schlug das Pendel auf den Internetseiten anders aus. Dort haben 170 von 221 Personen angegeben, ihr Konsum habe sich nach dem Schlachthof-Skandal geändert – das sind 77 Prozent.

(cro)
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