Düren: Kulinarische Orgelnacht: Ohren- und Gaumenschmaus

Düren : Kulinarische Orgelnacht: Ohren- und Gaumenschmaus

Die Dürener Christuskirche ohne Orgel? Kaum vorstellbar. Doch beim Stimmen des großen Steinmeyer-Instruments fielen Ende des vergangenen Jahres 20 der 4659 Pfeifen unangenehm auf: Sie drohten, aus der Reihe zu fallen, hinunter auf die Orgelbank.

Mittlerweile sind die bis zu 5,5 Meter hohen und 100 Kilogramm schweren Klangkörper saniert, die Orgel erklingt wieder mit allen Registern. Um die ungeplanten Reparaturkosten in Höhe von 50.000 Euro aufbringen zu können, hat der Förderkreis „Musik in der Christuskirche“ eine Spendenaktion gestartet. Teil dieser Aktion war auch die „Kulinarische Orgelnacht“ am Freitagabend, die Genuss für Ohr und Gaumen bot — und gleichzeitig weitere Spenden einwerben sollte.

Harfenistin Giedré Šiaulyté und Kantor Stefan Iseke gestalteten den musikalischen Teil... Foto: Johnen

Bevor Kantor Stefan Iseke und die litauische Harfenistin Giedré Šiaulyté in der Christuskirche im Wechselspiel die abwechslungsreichen musikalischen Gänge servierten, hatten die Mitglieder des Männerkochclubs „Estragon“ schon kräftig in der Lehrküche des benachbarten Gemeindezentrums gewirbelt. Bereits am frühen Nachmittag mussten Harald Linnertz und seine Mitstreiter 25 Kilogramm Spargel und 18 Kilogramm Kartoffeln schälen.

Für das Drei-Gänge-Menü wurde alles frisch zubereitet, die Arbeit geschah ehrenamtlich. Die Mitglieder des Männerkochclubs treffen sich regelmäßig im Gemeindezentrum, tauschen Rezepte aus, experimentieren in der Küche, genießen das gemeinsame Kochen und Essen. Dass sie für die ansonsten einmal im Jahr stattfindende „Kulinarische Orgelnacht“ am Herd stehen, sei Ehrensache. „Dass wir zwei Termine haben, ist eine Premiere“, sagt Harald Linnertz — und sei der Reparatur der Orgel geschuldet.

Als Vorspeise gab es eine köstliche Gazpacho von Erbsen und Kopfsalat, als Hauptgericht Lachsbrisoletten mit Spargel an Estragon-Soße, als Nachspeise ein Cookie-Zitronencreme-Trifle. Die Gerichte waren angepasst an die musikalische Menüfolge. Standen doch Werke der französischen und spanischen Romantik sowie traditionellen irischen und schottischen Weisen, für die Giedré Šiaulyté die große Konzertharfe stehenließ und zur kleineren keltischen Harfe griff, auf der Programmkarte. Der Abend lebte vom Reiz des Wechsels, vom kombinierten Ohren- und Gaumenschmaus. Vom Zuhören in der Kirche und von angeregten Gesprächen an den originell geschmückten Tischen im Gemeindezentrum.

Die Spendenaktion des Förderkreises „Musik in der Christuskirche“ geht weiter. Bisher wurden 23.323 Euro gesammelt. Nach wie vor besteht beispielsweise die Gelegenheit, eine individuelle Orgelführung mit Stefan Iseke (maximal 15 Personen, ab 100 Euro Spende) zu buchen. Auch wer schon immer einmal auf der Steinmeyer-Orgel spielen wollte, kann sich mit einer Spende von mindestens 100 Euro diesen Wunsch für eine Stunde erfüllen.

Auch für einige Prospektpfeifen können noch Patenschaften (1000 Euro) übernommen werden. Informationen zu den Aktionen gibt es unter Telefon 02421/307958. Eine zweite „Kulinarische Orgelnacht“ findet am 25. Juni statt. Die Karten sind vergriffen.

(sj)
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