Niederau: Künstler zeigen ihre Bilder zum Thema „Variationen“ in Niederau

Niederau : Künstler zeigen ihre Bilder zum Thema „Variationen“ in Niederau

Zur Einführung in ihre Ausstellung im Niederauer Marienklosters hatten sich die Künstlerinnen etwas einfallen lassen: Andrea Ruppert, Mitarbeiterin des Seniorenhauses, stellte sich und ihre Kolleginnen vor. Gisela Blümmert erklärte anschließend die Wirkungen von Bildern.

Ein Bild, sagt Blümmert, könne schön sein, ein anderes spiegele die Stimmung wider, ein drittes komme hässlich daher. Bewaffnet mit einem Tabletcomputer, auf dem Fotos mit Werken der Ausstellung waren, demonstriertte Blümmert den Zuschauern, was sie mit den Adjektiven schön, stimmungsvoll und hässlich meinte. So gab sie beispielsweise für die Titulierung eines nicht genehmen Bildes dem Betrachter den Tipp, sich zu fragen, ob das vielleicht etwas mit ihm selbst zu tun habe, wenn ein Gemälde für ihn grässlich erscheine.

Zu Lydia Breuer: Neben einem Großformat hängen von dieser Künstlerin Klein- und Mittelformate in den Fluren des Marienklosters. Breuer liebt das Gegenständliche und Erkennbare. Zurzeit experimentiert sie viel, ähnlich wie ihre beiden Kolleginnen.

Sie malt mit Acryl und Öl, verwendet ein anderes Mal eine Mischtechnik. Mischtechniken und Kollagen sind es auch, die ihre Variationen beleben. Da wird die Skyline einer Großstadt verfremdet, Menschen ohne Gesichter starren von einem Balkon auf die vielen Fenster. Tänzerinnen, eingefroren, beleben das Ganze nicht wirklich.

Ideen und Schaffensdrang

Andrea Ruppert bekennt, dass sie voller Ideen und voller Schaffensdrang sei. „Alles, was mir in die Hände kommt“, sagt sie, „muss ich malerisch verwerten.“ Und dazu gehören neben den eigentlichen Farben Kaffeesatz, Vogelsand, Sand und vieles mehr — nicht zu vergessen die Wachsmalstifte. „Ich will ausprobieren und experimentieren“, erklärt sie. Dazu gehören zum Beispiel die Variationen am Meer von Santa Barbara in Kalifornien und in Bafeur in der Normandie. Eine Herausforderung für den Betrachter ist das Gemälde „Die Leere“. Dunkles Meeresblau, ohne Strukturen und Bewegung, werden manchen Besucher schlucken lassen.

Auch Gisela Blümmert mutet den Betrachtern einiger ihrer Bilder viel zu. Eine ganze Reihe DIN-A4-Formate hängt nebeneinander. Ausgangsbild ist ein „unordentlich“ gewachsener Wald. Bei den folgenden Bildern nehmen die Baumstämme stramme Haltung an, formieren sich, wechseln immer wieder die Farben, werden zu Alleen, von denen nur noch gerade Pinselstriche übrigbleiben — ein Lehrpfad, wie man aus der erkennbaren Realität etwas Abstraktes macht, das nur noch das Wesentliche beinhaltet.

In einem Bild, das einen Wald zeigt, verstecken sich Menschen, die glauben unsichtbar zu sein. Eine starke politische Aussage macht Gisela Blümmert mit dem Gemälde, das bei näherem Hinschauen zahllose Kreuze im Mittelmeer erkennen lässt. Auf dem Wasser erkämpft sich ein Flüchtlingsboot seinen Weg nach Europa. In der Ferne ziehen drei Segeljachten ihre Kreise.

Zu sehen sind die Kunstwerke bis Donnerstag, 20. September. Die Öffnungszeiten des Seniorenheims in Niederau, Kreuzauer Straße 211, sind täglich von 8 bis 19.30 Uhr.

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