Heimbach: Künstler überzeugen mit schwerer Musik

Heimbach : Künstler überzeugen mit schwerer Musik

Darüber, was schöne Musik ist, gehen die Meinungen weit auseinander. Aber Lars Vogt, Pianist und Leiter des Kammermusikfestes „Spannungen“, ist der Meinung, dass Musik auch gar nicht immer schön sein muss, es gar nicht sein darf. Gut ja, aber nicht unbedingt schön im Sinne von gefällig, eingängig.

„In vielen Stücken des russischen Komponisten Schostakowitsch zum Beispiel spielt der Krieg eine große Rolle“, erzählt Vogt. Das transportiere Wahrheit, nicht Schönheit. Gleichwohl sei es hörenswert, bewegend.

Der Macher des Kammermusikfestes hat in diesem Jahr in der Konzertreihe russische Komponisten in den Fokus gerückt. Deren Stücke sind auch vorher schon in Heimbach erklungen, gleichwohl hatte es 2018 eine andere Intensität. „Wir konnten tiefer in eine andere Kultur einsteigen. Wir konnten die westlichen Einflüsse auf russische Komponisten und deren Einfluss auf den Westen darstellen“, erklärt Vogt. Das sei für die 32 Musiker und das klassikbeflissene Publikum interessant gewesen. „Und auch Laien, die vielleicht nicht alles verstehen, haben gewiss gute Erfahrungen mit der Musik gemacht, Impulse erhalten.“ Beim Publikum seien die Stücke jedenfalls gut angekommen, zumal Vogt gleichsam auch auf Abwechslung geachtet habe.

Musiker aus aller Welt haben elf Konzerte gegeben. 5600 Karten wurden für die Musik in dem außergewöhnlichen Konzertsaal neben den alten Wasserkraftturbinen verkauft, mit Ehrengästen & Co. summiert sich die Zuhörerzahl auf gut 6000 — also auf das Niveau der Vorjahre.

Dr. Hans-Joachim Güttler ist völlig begeistert von der Konzertwoche. „Wir waren uns bewusst, dass es spannend wird. Wir hatten einige schwere, sperrige Stücke im Programm. Aber wenn nicht unsere Konzertreihe, welche dann, sollte solche Spannungen anbieten?“ Aus vielen Gesprächen habe er eine positive Resonanz herausgehört.

Pianist tippt richtig

Große Auswirkungen hatte die Fußball-WM laut Güttler nicht. Einzig am Samstagabend sei es leicht spürbar gewesen, dass zeitgleich ein Spiel der deutschen Elf lief.

Lars Vogt hatte das Spiel Deutschland gegen Schweden auf 2:1 getippt — gucken konnte er es freilich nicht. Er stand beim Kammermusikfest „Spannungen“ im Heimbacher Jugendstilkraftwerk auf der Bühne. „Ich habe dann nach dem Konzert hinter der Bühne still gejubelt“, erzählt Vogt.

Bis zum nächsten Jahr ist die Kooperation mit RWE im Jugendstilkraftwerk schon schriftlich unter Dach und Fach, aber die Macher der Reihe sind guter Dinge, dass es auch danach in Heimbach weitergeht.

(smb)
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