Untermaubacher entwickelt Messgerät für Müdigkeit am Auge

Untermaubach : Die Müdigkeit am Auge messbar machen

„Wir sind weltweit die erste Gruppe, die Müdigkeit messen kann“, sagt Johannes Junggeburth. Der 62-jährige Untermaubacher ist Geschäftsführer eines Forschungsprojektes namens „i-ris“, im Rahmen dessen er ein Verfahren entwickelt, um am Auge messen zu können, wie müde eine Person ist.

Seine Ermüdungsmessung sei in dieser Qualität weltweit einmalig, ist Junggeburth überzeugt. Neben der Müdigkeit soll aber auch der Einfluss von Medikamenten, Drogen oder Alkohol erkannt werden.

Der Messung zugrunde liegt der so genannte Pupillenlichtreflex. Er steuert den Durchmesser der Pupille in Abhängigkeit zur Intensität des Lichts, das auf das Auge trifft. Genau wie der Kniesehnenreflex ist der Pupillenlichtreflex nicht vom Menschen beeinflussbar. Die Konzentrationsfähigkeit korreliere mit der Art, wie schnell und wie stark die Pupille auf Reize wie einen Lichtblitz reagiere, erklärt Junggeburth. So lasse sich unter anderem die Müdigkeit messen. Dafür nimmt der von seinem Team entwickelte Apparat 1000 Bilder pro Sekunde vom Auge auf. „So können wir innerhalb von fünf Sekunden feststellen, ob jemand noch ans Steuer oder ins Cockpit darf“, sagt der Untermaubacher.

Er selbst sieht sich nicht als Wissenschaftler, sondern eher als Techniker, kommt ursprünglich aus dem Bereich der Farbbildverarbeitung. Als Junggeburth vor 20 Jahren anfing, sich mit dieser Messmethode auseinanderzusetzen, waren die Kameras längst nicht gut genug für diesen Zweck. Heute macht sein Messgerät die 1000 Bilder pro Sekunde sogar im Dunkeln.

Bei allem technischen Fortschritt bleibt aber noch einiges zu tun. Als nächstes gehen Junggeburth und sein Team mit dem Messgerät in Pilotuntersuchungen. Dabei steht vor allem die Frage im Vordergrund, ob das Verfahren auf die breite Masse anwendbar ist, und welche Probleme sich dabei ergeben. Langfristig soll der „i-ris Check“ bei der Polizei, bei Spediteuren oder Fluglinien zum Einsatz kommen. „Bei der Polizei haben wir gute Karten, weil die Becher-Pinkelei keiner will“, meint Junggeburth mit Blick auf den Drogen-Vortest, für den eine Urinprobe nötig ist. Junggeburths Fernziel ist aber ein anderes: Er möchte über die Messung an der Iris Krankheiten, die wie Alzheimer, Demenz und Parkinson Nervenzellen im Gehirn betreffen, erkennen und die Wirksamkeit von entsprechenden Medikamenten testen können. (wel)

Mehr von Aachener Nachrichten