Zivilcourage und Menschlichkeit: Gedenktafel für Urban Thelen an der Lehrer-Mainz-Straße

Zivilcourage und Menschlichkeit : Gedenktafel für Urban Thelen an der Lehrer-Mainz-Straße

In unserem Nachbarland Polen ist er ein gefeierter Nationalheld, in seiner Heimat Winden jedoch nur einigen ein Begriff. Der gelernte Kaufmann Urban Thelen wurde während des Zweiten Weltkriegs in Polen stationiert, wo er vier Jahre lang in der Militärverwaltung der Provinz Posen arbeitete.

Nun soll ihm auch in seinem Geburtsort Winden gedacht werden. Etwa 50 Bürger der Gemeinde Kreuzau versammelten sich vor der verdeckten Gedenktafel an der Lehrer-Mainz-Straße in Winden, um auf die Enthüllung der Tafel zu warten. Der Kreuzauer Bürgermeister Ingo Esser sowie der Landrat Wolfgang Spelthahn hielten zuvor eine Ansprache, in der Urban Thelen’s Leben und seine Verdienste besonders im Vordergrund standen. Pfarrer Walter Hütten segnete die enthüllte Gedenktafel.

Denn was der junge, gläubige Katholik Urban Thelen für Polen getan hat, ist vielen in Polen noch heute bewusst. In einer Nacht- und Nebelaktion versteckte er im Erzbistum Gnesen die Reliquien des Heiligen Adalberts von Prag vor der Gestapo, die die Reliquien verbrennen und die Kirche entwidmen wollte. Durch seine Verwaltungstätigkeit bei der Militärverwaltung erfuhr er gerade noch rechtzeitig von den Plänen der Gestapo.

Der im 10. Jahrhundert lebende Geistliche Adalbert von Prag gilt als „Missionar Preußens“ und hat vor allem in katholischen Polen eine besondere Rolle inne.

„Urban Thelen war ein Beispiel dafür, dass Zivilcourage und Menschlichkeit, auch in den schwersten Zeiten möglich sind“, betonte Landrat Wolfang Spelthahn in seiner Ansprache. So rettete Urban Thelen nicht nur die bedeutsamen Reliquien in Gnesen, sondern half der Bevölkerung in Polen auch an vielen anderen Stellen. So nutzte er seine Arbeit bei der Verwaltung, um den Polen falsche Papiere auszustellen, die sie vor einem Abtransport ins deutsche Reich schützten.

Neben Bürgermeister Ingo Esser und Landrat Wolfgang Spelthahn kamen auch Gäste aus Polen zur Enthüllung der Gedenktafel. Wieslaw Podraza ist ein polnischer Investor und Gründer der Sanplast-Firmengruppe, zu der auch das Kreuzauer Unternehmen „Hoesch Design“ gehört. Geschäftsführerin Beate Chlosta ist selbst Polin und auf ihre Initiative hin, wurde die Gedenktafel erst ermöglicht. Erst in Kreuzau erfuhr sie, dass der polnische Nationalheld Urban Thelen von dort stammte. Als Wieslaw Podraza davon erfuhr, erklärte er sich bereit, die Gedenktafel zu stiften. Auch der Investor und Stifter aus Polen hält eine kurze Ansprache. Seine Assistentin übersetzt in die deutsche Sprache. „Urban Thelen steht dafür, dass Menschen, Menschen bleiben.“

(tj)
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