Geländerallye im Maßstab 1:10: Die Jagd nach dem Jade-Einhorn in Schlagstein

Geländerallye im Maßstab 1:10 : Die Jagd nach dem Jade-Einhorn in Schlagstein

Mitten im Himalaya bleibt der Geländewagen liegen. Die Differentialsperre ist beschädigt, ein Reparaturversuch vor Ort scheitert. Auch wenn der technische Defekt real ist, dürfte Fahrer Thomas Paul ziemlich froh sein, dass er gerade einen Geländewagen im Maßstab 1:10 gesteuert hat und die Expedition durch Asien rund um Schlagstein stattfand. Hier ist Rettung immer in Reichweite.

Thomas Paul ist einer der Teilnehmer der „SHERPA-Trophy“, einer mehrtägigen Ausfahrt mit ferngesteuerten Wagen, die am Wochenende rund um den beschaulichen Eifelort stattfand. Dass er die Mittagspause auf dem Engelsblick damit verbringt, eine Reserveachse einzubauen, anstatt den Blick ins Rurtal schweifen zu lassen, war so nicht geplant. Aber er und sein Teamkamerad sind deutlich entspannter als sie es bei einem vergleichbaren Unfall im Hochgebirge gewesen wären.

Nach etwa 30 Minuten kann es für das Team weitergehen – die Strecke führt sie zu einer alten Jade-Mine, wo sie Hinweise auf den Verbleib eines verschollenen Abenteurers erhoffen.

Komplexe Geschichte

Kein Scherz: Hinter der Geländefahrt steckt eine komplexe Geschichte, deren Handlungsstränge sich wie ein Mosaik erst Stück für Stück während der Trophy zusammensetzen. 15 Fahrer in sieben Teams haben sich der Herausforderung gestellt, die Strecke zu meistern und Licht ins Dunkle der Rahmenhandlung zu bringen, Hinweise zu finden und Puzzlesteine richtig anzuordnen. „Wer hier an den Start geht, ist wirklich in Asien unterwegs“, bringt es Teilnehmer Michael Backes auf den Punkt.

Die Planung ging bis ins kleinste Detail: Selbst die „Fahrer“ der Wagen, selbst nur Modelle, hatten Ausweispapiere. Foto: ZVA/Stephan Johnen

Auch wenn die Geländewagen nur ein Zehntel der Originalgröße aufweisen sind die Prüfungen kein bisschen einfacher – und die Rahmengeschichte ist wie eine perfekte Illusion, die die Trophy-Teilnehmer auf eine Fantasiereise gehen lässt. Immer auf der Suche nach der Lösung des Rätsels, immer auf der Suche nach dem Jade-Einhorn.

Mit viel Liebe zum Detail und verrückten Einfällen haben Ilja Schwarzer und seine sechs Mitstreiter vom Organisationsteam in monatelanger Arbeit die Expedition vorbereitet, die Strecke präpariert und sich Fahr- und Geschicklichkeitsprüfungen ausgedacht, ganze Modellstädte gebastelt und die Fäden der Hintergrundgeschichte immer enger gesponnen.

Orientierung an Tannenzapfen

Zu den Prüfungen zählt beispielsweise eine nächtliche Fahrt ohne Scheinwerfer, Orientierung bieten nur Tannenzapfen, deren Markierungen mit UV-Licht erkennbar sind.

An einem anderen Streckenabschnitt musste der Fahrer seinen Geländewagen ohne Sicht steuern – gelenkt über die Ansagen des Teamkameraden per Funk.

Eingefleischter Modell- und Rollenspielfan: Michael Backes hat Hunderte Stunden in seinen russischen UAZ 3909 gesteckt. Foto: ZVA/Stephan Johnen

Die Idee hinter der Trophy ist einfach: Alle Aufgaben und die Rahmenhandlung werden aus Sicht der Modellwagen-Fahrer gesehen. Ebenfalls „nur“ Figuren aus Plastik, haben diese Ausweispapiere, müssen Prüfungen bestehen und mit Miniatursägen und funktionstüchtigen Modell-Seilwinden Hindernisse beseitigen und Bäume zersägen. Was zählt, sind neben Können auch Teamwork und Einfallsreichtum. Wie im richtigen Leben, nur um neun Zehntel geschrumpft.

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