Kreuzau: Wolfgang Breuer bringt Jazz nach Ulan Bator

Buch „Jazzharmonielehre“ : Wolfgang Breuer bringt den Jazz nach Ulan Bator

Als vor einigen Wochen bei Wolfgang Breuer in Kreuzau ein kleines Päckchen eintrudelte, war er ziemlich verblüfft. Post aus der Mongolei bekommt man nicht alle Tage. Inhalt des Pakets: das Buch „Jazzharmonielehre“, das Breuer im Jahr 2009 veröffentlicht hat – allerdings übersetzt ins Mongolische.

„Mein Verlag hatte mich vor Monaten angeschrieben, dass es eine Anfrage zu den Urheberrechten aus der Mongolei gab“, erinnert sich Breuer. Mehr wusste er nicht – bis er eben besagtes Päckchen mit den zwei Belegexemplaren erhielt und beim Blättern in seinem Standardwerk über das Grundlagenwissen zur Jazzharmonielehre das Emblem des Goethe-Instituts entdeckt hat.

Breuer hat als Professor an der Musikhochschule in Köln gelehrt. „Natürlich gab es schon damals viele Standardwerke zur Jazzharmonielehre, vorwiegend aus den USA. Ich wollte aber immer nach meiner eigenen Zusammenstellung unterrichten. Daraus ist dann 2009 dieses Buch inklusive einer CD entstanden“, erzählt er. Das ist insbesondere für Studenten im 1. und 2. Semester geeignet, aber zum Beispiel auch für Lehrer an Musikschulen.

„Kleiner Meilenstein“

Dass es nun ausgerechnet in der Mongolei veröffentlicht wurde, hat Breuer dann doch überrascht. Also hat er das Goethe-Institut, für das er selbst schon mehrfach gearbeitet hat, in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, direkt angeschrieben, um mehr zu erfahren, wie es denn zu dieser Veröffentlichung gekommen ist.

„Die haben mir sehr freundlich geantwortet und erzählt, dass sie sich seit vier Jahren mit dem ‚Goethe Musiklabor Ulan Bator‘ im Jazzbereich engagieren und mit dem Staatlichen Konservatorium zusammenarbeiten. Die Übersetzung der ‚Jazzharmonielehre‘ war ein kleiner Meilenstein, weil Jazz-Fachbücher in dieser Qualität bisher nicht auf dem mongolischen Buchmarkt erhältlich waren. Entsprechend haben wir die Veröffentlichung gemeinsam mit den Studierenden mit einem Konzert gefeiert“, heißt es in dem Brief des Goethe-Instituts an Wolfgang Breuer weiter.

Und so trägt die vom Goethe-Institut unterstützte Übersetzung mit dazu bei, dass der Ausbildungszweig Jazzmusik, der am Staatlichen Konservatorium in Ulan Bator auch als Bachelor-Studiengang angeboten wird, nun auf ein Standardwerk von Wolfgang Breuer zurückgreifen kann. Welche Bedeutung diese Übersetzung hat, wird auch noch an einem anderen Beispiel deutlich. Das Goethe-Institut fördert jedes Jahr nur sehr wenige Übersetzungen, und so findet sich das Buch von Breuer in einer Reihe mit Werken von Erich Kästner, Heinrich von Kleist oder Stefan Zweig.

Bald als Gastdozent?

In der Zwischenzeit hat Wolfgang Breuer auch sein Nachfolgebuch fertiggestellt. „Ging es im ersten Buch wesentlich um die Vermittlung der Theorie und das Grundlagenwissen, stehen im neuen Buch die Übungen im Vordergrund“, erklärt er. Und natürlich hat er direkt auch ein Exemplar nach Ulan Bator geschickt. Wer weiß, vielleicht wird es ja zu einer weiteren Übersetzung kommen oder der frühere Hochschulprofessor als Gastdozent eingeladen. Dagegen sträuben würde er sich vermutlich nicht...

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