Kreuzau: Sportplätze könnten aufgeben werden

Debatte um Aufgabe von Sportplätzen : Eine Üdinger Bürgerinitiative hat bereits an die 140 Unterstützer

Viele Bürger im 630-Seelen-Ort Üdingen sorgen sich nicht nur rein um ihren Sportplatz. Sollte er, wie aktuell politisch diskutiert wird – in unbestimmter Zeit – zu Bauland werden, sehen sie gar schwarz für das zukünftige Dorfleben. Die SG Rurtal setzt sich mit „sportlichen Argumenten“ ebenfalls für den Erhalt des Platzes in Untermaubach ein.

Dino Sangkavadana hat Urlaub, doch richtig entspannen will er nicht. Es geht im momentan weniger um sich selbst als um das Dorfleben in Üdingen, wo er im Vorstand der Kirmesgesellschaft ist. Die Kirmes findet wie das Maifest und der St. Martinsumzug neben dem Sportplatz statt. Für die Zukunft sieht er die Traditionen in Gefahr, weil die Gemeinde Kreuzau überlegt, den idyllischen Platz an der Rur eventuell aufzugeben und in Bauland umzuwandeln. Das bringt Geld. Wenn das passiert, befürchtet Dino Sangkavadana, stirbt das Vereinsleben, weil es keinen Ausweichplatz gibt – also würde auch der Ort sterben. Der Unternehmensberater will das verhindern. Deswegen hat er am Mittwoch die Bürgerinitiative „Wir für Üdingen“ mitgegründet. Mehr als 60 Bürger seien da gewesen, sagt Sangkavadana, interessiert gar an die 140.

Nächste Woche vor der Festhalle, wenn die Ausschusssitzungen Bau und Umwelt (Dienstag) sowie Sanierung und Entwicklung (Mittwoch), wollen sie die Politik auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Aber nicht polemisch, betont Sangkavadana. Er kritisiert jedoch deutlich, dass die Lokalpolitik gerne die Brauchtumspflege „propagiert“, sie eben diese im 630-Seelen-Ort aber in Gefahr bringen könnte. „Wir werden alle Voraussetzungen für den Verkauf des Grundstückes und die Umwandlung in Bauland prüfen, damit die Diskussion am besten schnell erstickt“, sagt er.

Die Diskussion an sich ist nicht neu. Dass die Gemeinde zu viele Sportplätze unterhält, ist seit Jahren bekannt, die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) empfiehlt der finanziell klammen Kommune daher, fünf Sportplätze aufzugeben. Am Mittwoch, 31. Oktober, 19 Uhr, Festhalle, befasst sich der Sanierungs- und Entwicklungsausschuss erneut mit einer Vorlage der Verwaltung. Zur Debatte stehen nach dem Willen der Politik zunächst die Plätze in Üdingen und Untermaubach, die jeweils die Fußballvereine Sportfreunde Üdingen und Fortuna Maubach nutzen. Sie bilden die SG Rurtal, es liegt also auf den ersten Blick nahe, dass einer der beiden Plätze entbehrlich ist. „Leider schaut die Gemeindeprüfungsanstalt aber nur, wie die Fußballvereine den Platz nutzen“, sagt Sangkavadana, der auch Vater ist. „Der ganze Bereich ist ideal für Familien und der Treffpunkt für Kinder, wo sie ungestört und sicher vor dem Verkehr spielen können.“ Im Idealfall solle keiner der beiden Sportplätze weichen müssen, betont Sangkavadana.

Guido Steg, Dezernent für Kultur, Schule, Soziales und Sport, sagt, dass die Verwaltung selbst überrascht war, als die GPA den Platz in Üdingen „aus eigenem Antrieb“ ins Gespräch gebracht hatte. 1,4 Millionen Euro würde die Gemeinde nach Rechnung der Prüfer für Bauland erlösen. „Die Summe haben wir von uns aus schon widerlegt“, betont Steg – sie soll maximal halb so hoch sein. Das liegt daran, dass die GPA die gesamte Fläche bis zur Rur berechnet hat, jedoch ist das eigentlich potenzielle Bauland viel kleiner. Hinzukommen unter anderem Vorfinanzierungs- und Erschließungskosten. Bei dem Sportplatz in Untermaubach geht es nach Angaben der Verwaltung um eine ähnliche Summe. Stand jetzt sind die beiden Anlagen auch die einzigen, die Baulandpotenzial haben. Die Gemeinde werde weitere Optionen prüfen, um den Sportplatzunterhalt zu verringern.

Dezernent Steg ist auch wichtig deutlich zu machen, dass die Verwaltung keine Alleingänge machen wolle, die Entscheidung bei der Politik liege. „Es ist ein sehr sensibles Thema, das wir sehr sensibel angehen“, sagt Steg. „Ich kann sowohl die Üdinger Bürger als auch die Fußballvereine verstehen. Wir wollen für alle eine gute Lösung finden.“

Führen für die SG Rurtal „sportliche Argumente“ an, um beide Plätze in Untermaubach und Üdingen zu erhalten: Volker Niemann (Vorstand Fortuna Maubach) und sein Pendant von den Sportfreunden Üdingen, Johannes Friederichs. Foto: ZVA/Carsten Rose

Die beiden Fußballvereine der SG Rurtal 1996 ziehen derweil mit „sportlichen Argumenten“ ins Feld, betonen die jeweiligen Vorsitzenden Volker Niemann (Untermaubach) und Johannes Friederichs (Üdingen). „Wir bauen momentan eine Jugendabteilung auf, bilden bereits zehn Trainer aus und wollen ab der kommenden Saison mit mindestens sechs Jugendmannschaften antreten“, sagt Niemann. „Wir sind 100 Prozent davon überzeugt, dass wir beide Plätze brauchen.“ Außerdem sei es wichtig, gerade im und nach dem Winter ausweichen zu können, weil beide Plätze Naturrasen haben. Wenn Üdingen aufgegeben werden sollte, sei die SG als Ganzes in Gefahr. Dass beide Vereine auf die Pflegekostenzuschüsse von der Gemeinde verzichten wollen, hatten sie schon länger angeboten.

Auch wolle die SG generell das Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche im gesamten Rurtal – also die weiteren umliegenden Ortsteile eingeschlossen – verbessern, eine Informationsveranstaltung „folgt zeitnah“. Interessierte Eltern und Kindern können sich aber bereits vorab mit beiden Vereinen in Verbindung setzen.

Mehr von Aachener Nachrichten