Kreuzau: Reinhard Theisen folgt auf Siegfried Schmühl

Interview mit Reinhard Theisen : „Die Bürger werden stark eingebunden“

Die Stadt Lahnstein in Rheinland-Pfalz und die Gemeinde Kreuzau haben mit knapp unter 20.000 Einwohnern eine ähnliche Struktur. Oberflächlich scheint ein beruflicher Wechsel von der einen in die andere Kommunalverwaltung kein großer Tapetenwechsel zu sein.

Reinhard Theisen sieht das anders. Der 50-Jährige ist seit diesem Monat der Nachfolger von Siegfried Schmühl als Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, in Lahnstein hat er die Finanzabteilung geleitet. Er schwärmt bereits von Kreuzau, und es klingt bei ihm nicht so, als wolle er im ersten Gespräch mit dieser Zeitung seinen neuen Arbeitgeber bewusst über den grünen Klee loben. Was ihn an der Gemeinde positiv überrascht, und warum er schon ein erfahrener Karnevalist ist, hat Reinhard Theisen im Interview mit Carsten Rose erzählt.

Herr Theisen, wie so viele Kommunen in NRW ist die Gemeinde Kreuzau knapp bei Kasse. Wohl erst ab 2021 kann sie sich finanzieller freier bewegen, wenn der Haushaltsausgleich erreicht wird. Warum reizt Sie als Finanzexperte der neue Job?

Reinhard Theisen: Die Stadt Lahnstein ist wie viele andere Kommunen in Rheinland-Pfalz und wie zwei Drittel in NRW viel weiter von einem ausgeglichenen Haushalt entfernt. Von daher bin ich froh, in Kreuzau arbeiten zu dürfen. Außerdem sind meine Aufgaben jetzt in Kreuzau anders: Als Kämmerer konnte ich in Lahnstein nur bedingt gestalten, jetzt leite ich unter anderem den Bereich Wirtschaftsförderung. Mein Bewegungsspielraum ist größer.

Wie ist Ihr erster Eindruck von Kreuzau?

Theisen: Die Infrastruktur ist im Detail verbesserungswürdig, aber generell sehr gut. Als Außenstehender habe ich einen anderen Blick. Ich bin auch angetan vom Ärzteangebot, quasi jeder Fachbereich ist abgedeckt. In Rheinland-Pfalz wäre man über diese Ärztedichte froh. Es gehört auch zur Aufgabe einer Kommune, das zu erhalten.

Gibt es große Unterschiede zur Arbeit für die Stadt Lahnstein?

Theisen: In Kreuzau ist die Struktur des Rates und der Ausschüsse anders. Hier werden Themen in mehreren Gremien diskutiert, wenn es zum Beispiel sowohl den Umwelt- als auch den Entwicklungsausschuss betrifft. In Lahnstein wurde es gebündelt. Auch gibt es dort keine sachkundigen Bürger, in Kreuzau schon. Das kann unter Umständen zu anderen Ergebnissen führen. In Kreuzau werden die Bürger generell stark eingebunden, das finde ich gut. Außerdem habe ich den Eindruck, dass generell die parteipolitische Ansicht zweitrangig ist. Die Sache steht im Vordergrund. Gerade jetzt, wo der Masterplan ansteht, ist das wichtig.

Spielt es für Sie als CDU-Mitglied eine wichtige Rolle, dass der Bürgermeister Christdemokrat ist und die Partei die meisten Sitze im Rat hat?

Theisen: Das ist nicht völlig irrelevant, aber es ist in meinen Augen nicht gut, wenn das Parteibuch die kommunale Arbeit, also meinen Beruf bestimmt. Das ist nicht gut für die Entwicklung eines Ortes.

Warum wechseln Sie mit 50 Jahren überhaupt noch mal Job, Wohnort und Bundesland?

Theisen: Die Themenbereiche haben mich gereizt. Und weil ich mich schon mit vielem in meinen früheren Positionen befasst habe, traue ich mir das zu. Aber es war natürlich schon ein Einschnitt.

Inwiefern genau?

Theisen: Ich bin in Ochtendung, einer Gemeinde mit 5400 Einwohnern bei Lahnstein und Koblenz, aufgewachsen. Dort saß ich lange im Gemeinderat und war auch zehn Jahre Ortsbürgermeister. Es gab keinen Spaziergang, bei dem ich nicht von Bürgern mit ihren Anliegen angesprochen wurde. In den zehn Jahren habe ich auch viele Dinge umgesetzt, in die auch viele Leute eingebunden waren. Das ist, glaube ich, eine gute Voraussetzung für den neuen Job. Ein offener Umgang mit den Bürgern ist sehr wichtig.

Wie steht es um Ihre Vereinsinteressen? Stichwort: Karneval.

Theisen: Ich war bereits elf Jahre Sitzungspräsident, deswegen kenne ich den Karneval. Außerdem war ich in meiner alten Heimat im Schachverein aktiv, und mein Stiefsohn spielt Tischtennis. Ich selbst muss mich in Kreuzau aber noch orientieren.

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