Kreuzau: Militärgelände Thum wird abgerissen

Abriss startet im Januar : Die Natur übernimmt das ehemalige Thumer Militärgelände

Das ehemalige Militärgelände bei Thum wird ab dem 7. Januar abgerissen und in die Drover Heide eingegliedert. Von den mehr als 20 Gebäuden bleiben nur drei Bunker, in denen Fledermäuse brüten können. Thomas Härtel von der NRW-Stiftung findet diesen Schritt etwas schade.

Denn gerne würde er den Wachturm als größtes Gebäude der ehemaligen Nike-Raketenstation aus „historischen Gründen“ erhalten. „Es ist uns aber leider zu gefährlich, mehr stehen zu lassen als die Bunker, weil immer wieder Personen das Gelände unerlaubt betreten haben“, erklärt Härtel von der NRW-Stiftung, die Eigentümerin des Areals ist und haftet, wenn Personen etwas auf dem Gelände passiert, das auch mal ein Truppenübungsplatz gewesen ist. Noch sind einsturzgefährdete Gebäude und Stacheldraht sichtbare Risiken.

Thomas Härtel ist bei der NRW-Stiftung in Düsseldorf mit zuständig für den Naturschutz und betreut das Projekt in Thum. Von den 637 Hektar Fläche ist jedoch nur ein minimaler Teil bebaut: Straßen und Gebäude machen 1,3 Hektar aus. Die Gesamtfläche entspricht ziemlich genau der von Thum, das Gelände liegt nordöstlich des Ortes der Gemeinde Kreuzau. Die neuen Flächen sollen teilweise natürlich zuwachsen, andere werden bewaldet und zur Weide für einen Landwirt.

Bis März müssen aus Artenschutzgründen die Gebäude abgerissen werden, erklärt Thomas Härtel. Alle weiteren Arbeiten sollen bis spätestens April beendet sein. Die Kosten liegen laut Härtel „im guten sechsstelligen Bereich“.

Da das Gelände ein Wald wird, werden alle Zäune entfernt – das Gebiet wird frei zugänglich für Spaziergänger. Ungebetene Gäste hatte die ehemalige Raketenstation in der Vergangenheit genug, obwohl der Hauptzugang gegenüber des Thumer Sportplatzes immer wieder mit schweren Schlössern verriegelt worden war.

Verriegelung zwecklos: Das Tor zum ehemaligen Militärgelände wurde in der Vergangenheit häufig professionell aufgebrochen. Foto: ZVA/Carsten Rose

„Die wurden immer mit roher Gewalt aufgebrochen“, betont Thomas Härtel. „Wir haben auch mal einen Erdhaufen vor das Tor geschoben, aber auch der wurde fachmännisch beseitigt.“ Aus diesem Grund sagt Thomas Härtel auch, dass die drei Bunker, die erhalten bleiben sollen, mit Steinen aufgefüllt werden. „Wenn wir die nur zumauern, dann werden die sowieso wieder aufgebrochen.“

Härtel sei selbst oft vor Ort gewesen und habe abgelagerten Bauschutt und sonstigen Müll gesehen. „Wir hoffen, dass wir das mit dem Abriss in Zukunft eindämmen können.“ Gerade im Sommer sei das Gelände ein Treffpunkt für Jugendgruppen, Grillpartys und Motorradfahrer. Ein Bürger, der regelmäßig mit seinen Hunden im Wald unterwegs ist, berichtete am Dienstag auch von regelmäßigen Treffs der Neonazi-Szene.

Bleibt als historisches Denkmal nicht erhalten: ein Wachturm der ehemaligen Raketenstation. Foto: ZVA/Carsten Rose

Der Polizei Aachen, bei der Meldungen und Anzeigen zu diesem Sachgebiet eingehen, sind jedoch keinerlei Hinweise aktenkundig, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Die Dürener Polizei hatte seit Mai zehn Einsätze dort. Vorkommnisse wie Sachbeschädigung, die „typisch für einen Jugendtreffpunkt sind“. Drei Brandstiftungen gehörten davor zu den schweren Delikten.

All das soll ab dem kommenden Jahr nicht mehr vorkommen, betont Thomas Härtel. „Der Ort soll für solche Dinge unattraktiv werden.“