Kreuzau: Kreuzau: Bürger fühlen sich wohl in der Kommune

Kreuzau: Kreuzau: Bürger fühlen sich wohl in der Kommune

Die Grundversorgung in der Gemeinde Kreuzau ist gewährleistet. Alle Schulformen sind vorhanden. Zahlreiche Allgemein- und Fachmediziner kümmern sich um die Gesundheit ihrer großen und kleinen Patienten. Es gibt etliche Geschäfte, unter ihnen Supermärkte, in denen der tägliche Bedarf gedeckt werden kann.

In fünf Orten können Grundschüler das kleine Einmaleins lernen, in sieben Orten werden die kleinsten Bewohner der Kommune in Kindergärten betreut. In gut 120 Vereinen können die Bewohner von Kreuzau Sport treiben, musizieren oder sonstigen Aktivitäten nachgehen. Der Öffentliche Personennahverkehr ist — zumindest was das Rurtal angeht — auch nicht von schlechten Eltern. Und wer sein Haus verlässt, steht in der Regel nach wenigen Minuten in der freien Natur. So ist es eigentlich kein Wunder, dass sich die Kreuzauer in der Regel in ihrer Kommune wohlfühlen, dass ein Teil von ihnen sagt, es fehlt ihnen in der Kommune an nichts.

Sascha Thüncher, der Vorsitzende der Kreuzauer Interessengemeinschaft, sieht das „Gelbe Viertel“ in Düren als Vorbild. Foto: Franz Sistemich

Ein anderer großer Teil bemängelt dennoch, dass es in Kreuzau zu wenige Geschäfte gibt. Vor allem das Fehlen eines Drogeriemarktes ist Etlichen ein Dorn im Auge. „Wir arbeiten intensiv daran, einen Schlecker-Nachfolger als Zugpferd nach Kreuzau zu holen“, betont der Bürgermeister. Doch Walter Ramm weiß auch, dass es kein einfaches Unterfangen ist: „Auf der grünen Wiese wäre es im Zusammenspiel mit anderen Geschäften wohl kein Problem, aber es geht ja auch darum, die Hauptstraße als Einkaufsstraße zu stärken.“

Wie schwierig das ist, weiß auch Sascha Thüncher. Der 48-Jährige ist seit Anfang des Jahres Vorsitzender der Kreuzauer Interessengemeinschaft (KIG). Die Interessenvertretung von rund 60 Mitgliedern, vornehmlich Einzelhändler, stand vor wenigen Monaten vor dem Problem, einen neuen Vorsitzenden finden zu müssen. Sascha Thüncher ließ sich überreden, für drei Jahre das Amt zu übernehmen. Er sieht auch in Zukunft die Hauptaufgabe der KIG darin, die vier verkaufsoffenen Sonntage — zum Beispiel beim Ortsfest oder beim Nikolausmarkt — attraktiv(er) zu gestalten. Aber: „Mit diesen Sonntagen allein erreicht man keine Nachhaltigkeit, wir müssen mehr tun.“ Doch was?

Schwarz sieht Thüncher, was die Ansiedlung eines Drogeriemarktes angeht: „Es fehlen die geeigneten Räume.“ So dürfte es noch länger dauern, bis ein Zugpferd in den Zentralort kommt. Außerdem stehen potenzielle Geschäftsleute nicht Schlange auf der Suche nach geeigneten Lokalen in Kreuzau. Demzufolge gilt: „Wir müssen etwas am Erscheinungsbild der Hauptstraße tun.“ Thüncher sieht das sogenannte Gelbe Viertel in Düren als ein Vorbild. Rund um die Annakirche dokumentieren die Geschäftsleute mit gelben Figuren ihren Zusammenschluss. Thüncher denkt an Bänke und Pflanzkübel zur Verschönerung, der Bürgermeister bringt auch die Idee ein, einen Teil der Hauptstraße in eine Einbahnstraße zu verwandeln. Doch bei allen Überlegungen zur Attraktivitätssteigerung sieht Thüncher auch eine Gefahr: „Ob die Einzelhändler in Kreuzau, wenn sie ihr Geschäft mal aufgeben, auch Nachfolger finden?“ Zum Beispiel aus der eigenen Familie?

Der Wandel

Der demografische Wandel könnte der Kreuzauer Geschäftswelt zugutekommen. Viele seniorengerechte Wohnungen gibt es in Kreuzau, ihre Bewohner sind Kunden, die nicht unbedingt über das Internet einkaufen: „Dieses Verhalten sollte man auch in Kreuzau berücksichtigen und entsprechende Angebote unterbreiten“, meint Walter Ramm.

Der erste Bürger der Kommune sieht Kreuzau für die Zukunft gerüstet. Zum Beispiel auf dem schulischen Sektor. Gymnasium und Sekundarschule erfreuen sich großer Beliebtheit. Beide Schulformen können vierzügig unterrichten. „Für das Gymnasium wird es wichtig sein, wegen der Differenzierung die Vierzügigkeit auch in den kommenden zehn Jahren zu behalten.“ Die Sekundarschule, in der es keine Kreidetafeln mehr gibt, sondern nur noch elektronische Tafeln, wird auch von Schülern aus anderen Kommunen angenommen. So wird zum Beispiel ein Schulbus eingesetzt, der Orte in der Gemeinde Vettweiß abfährt. Und auch mit der Ausweisung neuer Baugebiete wie in Stockheim, Drove oder Friedenau in Kreuzau will die Kommune ihre Zukunft sichern: „Die Menschen wollen entweder vom platten Land in die Stadt oder aus der Stadt in ländliche Gebiete, aus denen sie schnell ihre Arbeitsplätze erreichen können.“ Kreuzau liegt für den Bürgermeister in diesem zweiten Bereich.

Sieht Walter Ramm für zahlreiche Probleme Kreuzaus eine Lösungsmöglichkeit, so scheint es für eines keines zu geben: die Lkw-Problematik. Wenn ein Spediteur die großen Firmen in Kreuzau oder in Untermaubach anfährt, muss er durch den Zentralort und Winden. Eine Entlastung des generellen Verkehrsproblems könnte eine Verlängerung der „K-Müll“ über die Rur Richtung Niederau sein. Dem stehen aber Umweltschutzinteressen entgegen.

Und auch deshalb wünschen sich die vielen Senioren in Friedenau, dass dort zumindest Tempo 30 eingerichtet wird.

(sis)