Kreisliag A: SV Kurdistan gewinnt gegen den Türkischen SV mit 3:2

Spitzenspiel der Kreisliga : Der SV Kurdistan schlägt den Türkischen SV

Rund 1000 Zuschauer erleben an der Westkampfbahn die Partie zwischen dem SV Kurdistan und dem Türkischen SV. Das Spitzenspiel in der Kreisliga A ist politisch brisant und sehr emotional – aber immer friedlich.

Ayhan Gündogdu kann seine Tränen kaum zurückhalten, der Mann ist überglücklich: Gerade hat sein Verein, der SV Kurdistan, im Spitzenspiel der Dürener Fußball-Kreisliga A gegen den Türkischen SV den ersten Sieg in der Vereinsgeschichte geholt – und das, obwohl nach einer 2:0-Führung alles nach einem sicheren Sieg des Türkischen SV aussah. „Aber das ist eben Fußball“, sagt Gündogdu, seit gut einem Jahr Sportlicher Leiter beim SV Kurdistan. „Das Spiel ist erst zu Ende, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Bis dahin ist alles möglich. Wir haben die Partie gedreht und am Ende mit 3:2 gewonnen.“

Es war ein besonderes Spiel am Sonntagnachmittag an der Westkampfbahn – wegen der politischen Brisanz, weil es das Derby und gleichzeitig das Spitzenspiel war,  weil gut 1000 Zuschauer gekommen waren –  und weil Döner anstelle von Bratwurst angeboten wurde. „Ich bin einfach heute hier, um ein gutes Fußballspiel zu sehen“, sagte Dirk Müllender aus Düren. „Mit so einem Krimi habe ich allerdings nicht gerechnet, gefällt mir aber.“

Stimmt, die Partie hatte alles, was ein gutes Fußballspiel braucht: fünf Tore, viel Stimmung, jede Menge Emotionen – einzig die drei Platzvereise (zwei für den Türkischen SV und einer für den SV Kurdistan) waren überflüssig. Die Vorstände der beiden Clubs hatten sich im Vorfeld des Spiels verständigt, Zuschauer und auch Ersatzbänke und Trainerteam zu trennen.

Der SV Kurdistan und der Türkische SV lieferten sich eine spannende Partie. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

„Wir wollten kein Risiko eingehen“, sagte Ayhan. „Mit der Trennung wollten wir verhindern, dass irgendwelche Sprüche die Leute provozieren. Und das hat funktioniert.“ Auch Fahnen waren am Nachmittag auf der Westkampfbahn verboten. Und die Fans haben sich an dieses Verbot gehalten. Einzig einige der typischen kurdischen Schals in rot-gelb-grün waren zu sehen. Aber auch ohne Fahnen und Schals feuerten die Fans – beide Mannschaften hatten etwa gleich viele Anhänger mobilisiert – ihre Teams lautstark an. „Es ist spannend das zu sehen“, sagt Arnold Schidlowsky, Vorsitzender der Sportfreunde Düren. „So ein Spiel kann man sich eigentlich nicht entgehen lassen.“

Die Situation im Griff

Je länger die Partie dauerte, desto hitziger, aufgeladener wurde sie und desto lauter wurden die „Türkiye-, Türkiye“-Rufe auf der einen, und die „SV Kurdistan“-Schreie auf der anderen Seite des Platzes. Trotzdem hatte man zu keiner Zeit das Gefühl, dass die Stimmung kippen, die Situation eskalieren würde. „Die Ordner machen einen wirklich guten Job“, sagte Mehmet Doganer, der sich keinem der beiden Lager zuordnen lassen wollte, sondern einfach aus purem Interesse aus Gummersbach zu dem Spiel nach Düren gekommen war.

Und er hatte Recht: Wann immer es auf Seiten der Fans besonders laut wurde, wann immer es dann eben doch den ein oder anderen beleidigenden Kommentar in Richtung Gegner gab, waren sofort mehrere Ordner zur Stelle und beschwichtigten die Gemüter. „Für uns ist diese Niederlage natürlich sehr bitter“, sagte ein sichtlich enttäuschter Muharrem Sekerci, Trainer beim Türkischen SV, nach dem Spiel. „Wir führen 2:0 und gehen dann als Verlierer vom Platz. Vor allem die beiden roten Karten, die wir heute kassiert haben, tun uns sehr, sehr weh.“

Dass die Niederlage noch mehr schmerzt, weil sie gegen den SV Kurdistan passiert ist, wollte der Trainer nicht bestätigen. „Natürlich hat das Spiel eine gewisse politische Brisanz“, sagte er. „Das möchte ich überhaupt nicht leugnen. Aber ich denke, der Sport steht absolut im Mittelpunkt.“ Seine Mannschaft wolle in dieser Saison die Meisterschaft holen und aufsteigen. „Es ist sogar möglich, dass unsere beiden Mannschaften aufsteigen“, sagte Sekerci. „Und das fände ich schön. Das Spiel heute war eine wunderbare Werbung für den Fußball. Ich hätte Lust, diese Konstellation auch in der Bezirksliga zu erleben.“

Und die glücklichen Gewinner? Die feierten drei Tage nach dem kurdischen Neujahrsfest am Sonntag einfach weiter – mit Musik, traditionellen Tänzen und Döner.