Kreis-SPD nominiert Lauterbach/Scheer, gibt aber keine Wahlempfehlung

SPD-Kreisverband Düren-Jülich : Eine Nominierung, aber keine Wahlempfehlung

Mit der offiziellen Nominierung hat die Kreis-SPD zwar dem gebürtigen Oberzierer Karl Lauterbach und seiner Bundestagskollegin Nina Scheer aus Schleswig-Holstein den Weg zur Kandidatur um den SPD-Parteivorsitz geebnet. „Diese Nominierung soll aber ausdrücklich nicht als Wahlempfehlung des Kreisvorstandes verstanden werden“, betont der Kreisvorsitzende Max Dichant, auch wenn Lauterbach/Scheer mit ihrer ablehnenden Haltung zur Großen Koalition dem 27-Jährigen aus dem Herzen gesprochen haben.

„Für welche Kandidatur sich die Mitglieder entscheiden, ist natürlich ihnen überlassen. Es soll eine offene, basisdemokratische Wahl werden“, erklärt Dichant.

Zwei Stunden debattierten rund 60 Genossen mit den beiden Kandidaten, die großen Zuspruch für ihre Positionen mitgenommen haben. „Das einstimmige Votum aus Düren, direkt am Braunkohletagebau, zeigt, dass wir mit der Position nach einer zu beschleunigenden Energiewende und den hierdurch zu gewinnenden zukunftsfesten Arbeitsplätzen überzeugen und breite Zustimmung erfahren,“ stellt Nina Scheer fest, während Karl Lauterbach bemerkt haben will, dass „ein klares Signal in Richtung eines linken Angebots auf breite Zustimmung stößt“. Auch die Bereitschaft, die Große Koalition fortzusetzen, scheine bei den Mitgliedern sehr begrenzt zu sein,

Dass mit der Wahl des oder der neuen Parteivorsitzenden auch eine Entscheidung über die Zukunft der „Groko“ falle, will Max Dichant nicht ausschließen und verweist auf die erklärten Befürworter Olaf Scholz und Boris Pistorius. „Die Mitglieder werden diese Frage mit Sicherheit ab dem 4. September auf den 23 Regionalkonferenzen stellen.“

Die für das Rheinland findet im Übrigen am Sonntag, 29. September, in Troisdorf statt. „Wir werden als Kreisverband eine gemeinsame Fahrt per Bus oder Bahn organisieren, damit sich möglichst viele Mitglieder vor Ort ein Bild von den Kandidaten machen können“, kündigt Dichant an. Und deren Zahl steigt derzeit von Tag zu Tag, auch wenn der Kreisvorsitzende nicht überzeugt ist, dass alle auch die erforderliche Nominierungshürde nehmen werden.

Regionalkonferenz

Für ihn ist jetzt wichtig, dass die Wochen der Personaldebatten endlich zu Ende gehen und mit der Kandidatenvorstellung auf den Regionalkonferenzen wieder Inhalte im Mittelpunkt stehen. „Es geht ja bei der Wahl der neuen Parteispitze nicht darum, einfach nur Personal auszutauschen, sondern um eine inhaltliche Neuausrichtung der Partei“, betont der Kreisvorsitzende.

Wünschen würde sich Dichant, dass auch der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert seinen Hut noch in den Ring wirft. „Er würde sicherlich viele Menschen in der Partei begeistern. Kühnert steht für einen Neuanfang, auch wenn er einige kontroverse Debatten angestoßen hat.“ Stichwort: Verstaatlichung von Firmen.

Eine echte Alternative wäre aus Dichants Sicht auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey gewesen. „Sie ist klar in ihrer Meinung und weiß als ehemalige Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln, wie man Inhalte verständlich erklärt.“ Nachdem die 41-Jährige angesichts der gegen sie erhobenen Plagiatsvorwürfe bei der Doktorarbeit aber verzichtete, hofft Dichant nun, dass sie sich für ein anderes Parteiamt bewerben wird.

„Eine spannende Zeit“, fasst der SPD-Kreisvorsitzende zusammen, an der sich im Übrigen auch noch Neumitglieder beteiligen können. Wer bis zum 16. September in die SPD eingetreten ist, darf an der Wahl der neuen Parteispitze mitwirken. An einen neuerlichen Schulz-Effekt, der auch in den SPD Kreisverband Düren-Jülich rund 50 neue Mitglieder spülte, glaubt Dichant zwar nicht, trotzdem würde er sich wünschen, wenn der eine oder andere die Gelegenheit nutzen würde, um sich aktiv in der Partei zu engagieren.

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