Kreis Düren: Tierschutzverein für naturnahe Gärten

Pflege vor dem Winter : „Polierte Gärten sind kein Tierschutz“

In diesen Tagen sind Geräusche aus Gärten zu hören, die Jürgen Plinz auf die Palme bringen. Das Röhren und Knattern von Laubbläsern und -saugern kann der Dürener überhaupt nicht leiden, weil sie „ganze Insektenpopulationen platt machen“.

Plinz sitzt im Vorstand des Kreisdürener Tierschutzvereins. Und zu Beginn des Herbstes will er noch mal deutlich machen, wie der Mensch mit sein Gewohnheiten dafür sorgt, dass viele Tiere, besonders Vögel und Insekten, aus den Städten verschwinden. „Polierte Gärten sind kein Tierschutz“, sagt Plinz. „Man muss nicht immer alles zurückschneiden und entsorgen. Den Garten sauber halten, aber gleichzeitig ein Vogelhaus aufstellen, ist ein Widerspruch.“

Plinz möchte, dass Gartenbesitzer wieder mehr naturnah denken. Denn wer weniger aufräumt, auch irgendwo mal Laub und Totholz liegen lässt, tut mehr für die Natur. Außerdem betont der Tierschützer, dass nicht jede Hecke und jeder Baum direkt am Herbstanfang gestutzt werden müsse: „Im Januar und Februar geht das auch, wenn sie leer sind, also keine Blätter mehr haben und sich keine Tiere mehr drin befinden.“ Warum das Ökosystem ansonsten immer mehr leidet, ist schnell erklärt: Totholz, Reisig, ein kleiner Komposthaufen und Laub sind Schutz und Nahrungsquelle für Insekten. Je mehr Kleintiere es gibt, desto besser ist das für die heimischen Vögel, denn deren Anzahl ist laut Plinz „radikal zurückgegangen“. Welche Folgen es hat, wenn Schutz und Nahrung im Herbst und Winter fehlen, zeigt sich ab dem kommenden Frühjahr. Überspitzt könnte man also sagen, dass das Röhren und Knattern das Singen der Vögel nicht übertönt, sondern langfristig ersetzt. Davor warnt auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Um den Grünschnitt im öffentlichen Raum kümmert sich der Dürener Service Betrieb (DSB). Überall da, wo Bäume und Büsche den Verkehr beeinflussen könnten, wird im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht stark beschnitten. Für Parks und die übrigen Bereiche gelten individuelle Schnittpläne, punktuell kann der von Plinz geforderte Tierschutz also mehr im Fokus stehen.

Wie in jedem Jahr appelliert der Tierschutzverein jetzt erneut, besonders Igel und Eichhörnchen nicht selbst zu versorgen und aufzupäppeln, wenn sie schwach und krank wirken. Jürgen Plinz rät, zunächst nasses Katzenfutter auszulegen und dann abzuwarten und sich gegebenenfalls bei offensichtlichen Verletzungen an Tierarzt und Tierheim zu wenden.

Jürgen Plinz ist stellvertretender Vorsitzender des Tierschutzvereins für den Kreis Düren. Foto: ZVA/Carsten Rose

Etwas Gutes tun

Einfache Tipps, um den Kleintieren im heimischen Garten etwas Gutes zu tun, hat Plinz ebenfalls parat. Reste aus Brotkörben sind ideal für Vögel, ebenfalls kleingeschnittene Äpfel zum Beispiel für Amseln, und generell genügend Wasserstellen (im Winter warm, also frostfrei). Leute, die keinen naturnahen Garten wollen, aber Vögeln helfen möchten, könnten ein Insektenhotel anlegen, die es auch im Baumarkt gibt. Bei künstlichen Futterstellen speziell in den „polierten Gärten“ weist Jürgen Plinz daraufhin, dass „Tiere die Futtersuche verlernen könnten, wenn man ihnen stetig die natürlichen Stellen nimmt“.

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