Wasserstoff-Erlebniswelt: Kreis Düren setzt Impuls für die Energiewende

Wasserstoff-Erlebniswelt : Kreis Düren setzt Impuls für die Energiewende

Im Norden des Kreises, wahrscheinlich bei Aldenhoven, soll in drei Jahren eine sogenannte „Wasserstoff-Erlebniswelt“ entstehen. Also eine Art informativer Freizeitpark rund um das chemische Element mit dem Symbol „H“.

Dieser Park soll den Bürgern „die Angst vor dem Stoff nehmen“ und „die Öffentlichkeit sensibilisieren“, erklärt Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) das Vorhaben. Denn Wasserstoff soll in Zukunft im und für den Kreis Düren das sein, was die Braunkohle heute ist: Joblieferant und ein Produkt, das  Strom für Fahrzeuge liefert.

Die Vision des Kreises Düren ist es, dass der Öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) auf Straße und Schiene künftig rein elektro- und wasserstoffbetrieben ist. Nebenbei möchte der Kreis als öffentliche Hand auch private Unternehmen davon überzeugen, ihre großen Fahrzeugflotten auszutauschen. „Wir möchten Aufbruchsstimmung erzeugen“, betont der Landrat.

Ein großer Vorteil für den öffentlichen Verkehr sei die Ladezeit von wenigen Minuten, sagt Stefan Küppers vom Energieversorger Westnetz, der die Vision mit  Martin Robinius (Forschungszentrum Jülich) und eben Landrat Spelthahn im Kreishaus vorgestellt hat. Nach 2030 sollen große Teile des Wasserstoffbedarfs in der Region produziert werden – eine Antwort auf den drohenden Strukturwandel.

Vier Köpfe der Vision: Dr. Martin Robinius (FZJ), Walter Weinberger (Kreis Düren), Landrat Wolfgang Spelthahn, Dr. Stefan Küppers (Westnetz). Foto: ZVA/Carsten Rose

Vor allem auf den Langstrecken und auf der Schiene soll Wasserstoff die Antriebstechnik der Zukunft sein als Ergänzung zu den bereits bekannten Elektromotoren, die innerstädtisch genutzt werden sollen. „Die ganze Infrastruktur zu elektrifizieren wäre viel zu teuer. Wir wollen auch weiter schauen“, sagt Spelthahn. „Deswegen setzen wir auf Wasserstoff, der eine bessere Reichweite hat, was gerade für die Strecken in unserem ländlichen Raum von Vorteil ist.“

Spelthahn denkt auch an Schnellbusse zwischen Düren und Aachen beziehungsweise Euskirchen. Die Reaktivierung der Bördebahn zwischen Düren und Euskirchen und der Lückenschluss im Schienennetz zwischen Linnich und Baal sind für den Kreis weitere Projekte.

Der Kreis möchte sukzessive Busse des eigenen Unternehmens (Kreisbahn) und Züge der Rurtalbahn, an der er Anteile hält, austauschen, denn umrüsten sei zu teuer. Pro Jahr sollen es fünf bis zehn Busse sein, 2030 soll der gesamte ÖPNV emissionsfrei sein, denn die Brennstoffzelle dieser Fahrzeuge stößt Wasser aus und keine Abgase. Der Stoff mit dem „H“ sei zudem weder gefährlicher („Wasserstoff entweicht kontrolliert“) noch teurer als Diesel und Benzin und „relativ schnell wirtschaftlich“, sagen die Experten Robinius und Küppers.

Die Initiatoren unterstreichen, dass sie sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt hätten. Von ihrem Erfolg seien sie aber überzeugt – ganz egal, ob sie im März den Zuschlag  als Modellregion bekommen. „Wir haben eine Blaupause geschaffen“, betont Martin Robinius, auf der könne man aufbauen. Im besten Fall hoffen sie, dass der Kreis als lokaler, regionaler Impulsgeber auch die Entscheider auf Bundesebene und die deutsche Wirtschaft erreiche.

Deutschland als Land und Wirtschaftsmotor solle den Anschluss im weltweiten Vergleich nicht verlieren. „Vielleicht hilft der Kreis Düren mit seiner Vision“, sagte Martin Robinius.

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