Kreis Düren: Rur-Scholle wird ausgebaut, neuer Platz bei Stockheim

Lkw-Situation entlang der A4 : Rund 325 neue Stellplätze sollen wildes Parken verhindern

Bei Stockheim soll ein Platz für bis zu 120 Fahrzeuge entstehen. Außerdem wird der A4-Parkplatz Rur-Scholle dieses Jahr erweitert. Ob die Projekte die Situation von Betrieben und Anwohnern im Gewerbegebiet „Im Großen Tal“ verbessern, muss sich aber erst zeigen.

Denn dort ist deutlich zu sehen, dass entlang der A 4 etliche Lkw-Stellplätze fehlen. Besonders merken das Gewerbetreibende am nördlichen Rand nahe der Autobahn, die mitunter auch dort wohnen. Darunter der Geflügelhändler Bernd Ungermann. Seit etwa fünf Jahren werde die Situation immer extremer, sagt er: „Teilweise stehen Lkw hier über das gesamte Wochenende. Die Motoren laufen auch nachts für die Heizung. Und hinzu kommt der ganze Müll, den die Fahrer hinterlassen. Und ihr Geschäft erledigen sie auch an der Straße.“ Damit nicht genug: Regelmäßig würden junge neu gepflanzte Bäume zwischen den Parkplätzen am Straßenrand von den Vieltonnern umgefahren. Und selbst Findlinge würden weggeschoben, die die Stadt dort platziert hat, um Parklücken ausschließlich für Pkw zu schaffen.

Manfred Pecks, Inhaber der gleichnamigen Druckerei an der Otto-Brenner-Straße, erzählt aus jahrelanger Erfahrung, dass dienstags und mittwochs ab 18/19 Uhr die meisten Fernfahrer eine Bleibe in dem Gewerbegebiet suchen. Seine Einfahrt schützt er ebenfalls mit großen Steinen. Auch wenn die Lkw das größte Problem seien, würden auch junge Leute aus der Umgebung gerne abends ihre Runden drehen, ein abgelegenes Plätzchen suchen und ohne ihren Müll verschwinden. Wer am nahe gelegenen Feld mit seinem Hund spazieren geht, sieht oft ein trostloses Bild. Das zeigen auch Fotos, die der Redaktion vorliegen. „Wir sprechen seit Jahren mit der Stadt und dem Dürener Service Betrieb“, betont Pecks. „Wir brauchen hier mehr Kontrollen und andere Verkehrs- und Parkplatzregelungen.“

Christine Käuffer weiß um die Situation. Die Rechtsdezernentin der Stadt Düren bezeichnet die Lage als „eines der größten Probleme, weil es lange bekannt ist“. Auf der anderen Seite der A 4 sei es im Gewerbegebiet Rurbenden auf Niederzierer Gebiet übrigens nicht anders. Käuffer stimmt mit den Unternehmern Ungermann und Pecks aus rein menschlichen Sicht überein: Insbesondere die Fahrer aus osteuropäischen Ländern täten ihnen auch leid, weil sie oft nicht das nötige Geld hätten, um sich private Stellplätze leisten zu können.

Foto: grafik

Was die Kontrollen angeht, betont Käuffer: „Das Ordnungsamt ist regelmäßig dort und wird künftig auch verstärkt vor Ort sein. Aber uns sind oft die Hände gebunden, weil wir gerade die Müllsünder auf frischer Tat ertappen müssen.“ Ein Parkverbot herrscht für Lkw-Fahrer im Großen Tal nicht – das widerspräche ja auch dem Sinn eines Gewerbegebietes. Das Ordnungsamt gehe jedoch verstärkt gegen abgestellte, aber abgemeldete Pkw vor.

Eine Idee, die das Problem der gestrandeten Lkw verringern soll, hat die Dürener Wirtschaftsförderung WIN.DN mit der Gemeinde Kreuzau und den Vereinigten Industrieverbänden erarbeitet. Gemeint ist ein Warte- und Abrufplatz (im Englischen „Pre-Gating“ genannt) für bis zu 120 Lkw, der von regionalen Unternehmen an der Stockheimer Landstraße (B 56) auf Kreuzauer Gebiet favorisiert wird.

Zum einen könnte damit das Problem des wilden Parkens eingeschränkt, zum anderen könnten die Betriebsabläufe in den Firmen optimiert werden. „Die Fahrer müssen schon heute immer häufiger zeitlich aufeinander abgestimmt anliefern und Ware abholen“, erklärt Wirtschaftsförderer Heinz Manheims. Sind sie zu früh dran, müssen sie im Umfeld warten. Die Folgen sind verstärkter Parkplatz-Suchverkehr und Emissionen sowie zugeparkte Straßen vor allem in Gewerbegebieten.

Ein Lkw-Warteplatz mit spezieller Software könnte aber nicht nur ein kontrolliertes Anfahren der Betriebe gewährleisten, es werde sich auch die Zahl der Überfälle auf Lkw reduzieren, ist die Win.DN überzeugt. Ausgestattet mit einer Tankstelle, einem Shop und Sozialräumen sei der Platz zudem ideal für die Einhaltung der Ruhezeiten. Da eine kleine Standgebühr fällig wird, sei es Ziel, direkt mit den Speditionen in Kontakt zu treten und Verträge abzuschließen, betont Manheims. Derzeit wird noch nach einem potenziellen Betreiber gesucht. Ist der gefunden, könnten die Planungen für das mit rund fünf Millonen Euro kalkulierte Projekt intensiviert und 2020 umgesetzt werden.

Wolfgang Stümper ist von dieser Lösung nicht überzeugt. Sein Unternehmen Imdahl liegt unweit der Betriebe von Bernd Ungermann und Manfred Pecks. „Bei uns stranden doch die Lkw, die von der A4 abfahren. Die werden sicherlich nicht Richtung Stockheim fahren, um einen Stellplatz zu suchen“, kritisiert Stümper. Die Situation auf den Parkplätzen im Großen Tal, die nicht auf Lkw-Breite angelegt sind, habe sich seiner Meinung nach mit den Findlingen entschärft. Diese sollen aber, so haben es die Unternehmer gehört, wieder entfernt werden, weil auch Pkw-Fahrer sich daran ihre Fahrzeuge beschädigt hätten.

Ob und welche Maßnahmen künftig getroffen werden, konnte das städtische Tiefbauamt am Dienstag auf Anfrage noch nicht sagen. Denn „ein neuer Vorgang“ sei derzeit „noch in der Prüfung“.

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