Kreis Düren: Kreis Düren plant 40,5 neue Stellen

Kreis Düren: Kreis Düren plant 40,5 neue Stellen

Es ist noch gar nicht lange her, dass die Bürgermeister aller Städte und Gemeinden in einem Brief an alle Kreistagsmitglieder „ernsthaften Sparwillen“ vom Kreistag und einen Stellenabbau von zehn Prozent in der Kreisverwaltung forderten. In dieser Woche wurden nun in einer Sondersitzung des Kreistags Pläne vorgestellt, 40,5 zusätzliche Mitarbeiter im Sozialamt, im Jugendamt und in der Job-com einzustellen.

„Gemeinsam erfolgreich — Erarbeitung von Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung“ ist die Präsentation der Beratungsgesellschaft betitelt, die im Kreistag unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Bei zusätzlichen Personalkosten von rund zwei Millionen Euro könnten etwa 5,8 Millionen Euro jährlich eingespart werden. Bessere Betreuung, mehr Hilfsangebote und eine schnellere Vermittlung von Kunden der Job-com sollen unter anderem dazu beitragen. Viel Zeit bleibt der Politik nicht, diese Pläne zu diskutieren. Bereits Dienstag soll im Kreistag ein Beschluss gefasst werden.

Nicht jedes Kreistagsmitglied ist glücklich über diesen Zeitplan. „Die Rechenwege der Gutachter erschließen sich mir nicht“, sagt SPD-Fraktionsmitglied Raoul Pöhler. „Ich habe einen Vortrag gehört, kenne das zugrunde liegende Gutachten aber nicht.“ Dieses sei für September angekündigt. Er verstehe die Hektik nicht. „Es ist prinzipiell schwer, diesen Vorschlag abzulehnen“, sagt SPD-Fraktionschef Josef Johann Schmitz. „Wir stellen schließlich schon seit Jahren Anträge, das Personal in der Jugendhilfe und bei der Job-com zu verstärken. Dafür haben wir kein Gutachten gebraucht. Diese Anträge wurden immer abgelehnt.“ Was die Beratung der Fraktion bringe, zeige sich am Montag. Bei einem interfraktionellen Gespräch seien die Pläne Ende Juni den Fraktionsspitzen vorgestellt worden: „Wir haben aber gefordert, dass alle Kreistagsmitglieder bei einer Sitzung informiert werden.“

Als „typische Landratsgeschichte“ bezeichnet Verena Schloemer, Vorsitzende der Grünen-Fraktion, die kurze Beratungszeit. „Es ist in der Vergangenheit vieles verpasst worden“, bilanziert sie. Der Ansatz jedoch sei richtig. „Es ist ein Problem, das abzulehnen“, sagt sie. Sie wünscht sich aber eine andere, breitere Form der Diskussion. „Wenn etwas sinnvoll ist, sollte man es auch tun“, signalisiert Fraktionsvorsitzender Karl Schavier die Zustimmung der CDU. Der enge Zeitplan müsse eingehalten werden, um die Stellen ausschreiben zu können. „Der Ansatz ist nachvollziehbar“, sagt Axel Buch, Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald, als Sprecher der Bürgermeister im Kreis. Es sei auch kein Widerspruch zur Forderung an den Kreis, Personal abzubauen. „Es gibt an anderen Stellen noch genug Potenzial. Da muss weiterhin etwas geschehen“, fordert Buch.

Grundsätzliche Zustimmung, aber Kritik an der vorgesehenen Befristung der Stellen gibt es von der FDP. „Es wird nicht einfach, das Personal zu finden“, befürchtet Fraktionschef Rudi Frischmuth. Je eher begonnen werde, desto besser.

Die Wunschliste ist lang: Fünf sogenannte Controller sollen beispielsweise strategische Ziele der Arbeit „nachvollziehbar“ formulieren und die geleisteten Hilfen auf ihre Wirksamkeit hin untersuchen. Mit zusätzlichen Stellen im Jugendamt sollen unter anderem die ambulanten Hilfen, der Pflegekinderdienst und der Allgemeine Soziale Dienst ausgebaut werden.

Die Stadt Düren hat einen ähnlichen Schritt bereits gewagt und neues Personal eingestellt. Die Betreuung wurde verbessert, gleichzeitig sanken die Kosten, weil Hilfen früher angeboten werden konnten und die Zahl der teureren Heimunterbringungen sank. Der Großteil der Stellen (21) soll bei der Job-com entstehen. Der Kreis liegt bei der Integrationsquote, die angibt wie viele Leistungsberechtigte in Erwerbstätigkeit integriert wurden und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch längerfristig keine Hilfe mehr benötige, „unterhalb des NRW-Durchschnitts“. Mehr Personal ermögliche es, sich intensiver um die Vermittlung zu kümmern. Bereits innerhalb von anderthalb Jahren sollen bei den Sozialkosten deutliche Einsparungen erzielt werden.

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