Krankenhausträger verhandelt mit drei Partnern

Krankenhausträger im Kreis Düren verhandeln : Drei Partner stehen für die ctw bereit

Drei Träger haben nach Informationen unserer Zeitung ihr Interesse bekundet, künftig als Partner die fünf katholischen Krankenhäuser in Birkesdorf, Lendersdorf, Jülich, Linnich und Prüm zusammen mit der Caritas Trägergesellschaft West (ctw) zu betreiben.

Ende Mai hatte die ctw angekündigt, dass ihre Gesellschafter eine Münchener Unternehmensberatung damit beauftragt haben, Organisationsstrukturen der ctw zu überprüfen und einen strategischen Partner zum Betrieb der Krankenhäuser zu finden.

Bis Ende des Jahres sollte der Prozess abgeschlossen sein. „Wir haben der Unternehmensberatung alle erforderlichen Daten geliefert“, erklärt Kaya Erdem, Sprecher der ctw. Und: „Im Rahmen der strategischen Partnersuche der ctw gibt es konkrete Interessensbekundungen von konfessionellen Unternehmungen.“ Die würden derzeit das vorgelegte Zahlenwerk der Unternehmensberatung prüfen, ergänzt Erdem.

Als ein möglicher Kandidat galt von Anfang an die Stiftung der Cellitinnen, die im Kölner und Wuppertaler Raum bereits mehrere Krankenhäuser betreibt und im Kreis Düren schon mit fünf Seniorenhäusern vertreten ist. Neben den Cellitinnen sollen auch die Stiftung der Alexianerbrüder aus Münster und die Josefs-Gesellschaft aus Köln Interesse bekundet haben. Die Alexianer betreiben in Aachen eine Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, die Josefs-Gesellschaft eine Behinderteneinrichtung in Aachen und das Eduardus-Krankenhaus in Köln.

Zum aktuellen Stand der Verhandlungen schweigt die ctw. Das auch mit dem Verweis darauf, dass es die Gesellschafter der ctw seien, die die Verhandlungen führen würden. Dabei sollen die Verhandlungen durchaus weit gediehen sein. So hat es bereits eine Besichtigung der Häuser gegeben, und nach Informationen unserer Zeitung gibt es zudem eine Präferenz für einen der drei Interessenten. Bis Ende des Monats sollen die Interessenten ein Angebot abgeben, im November wollen die Gesellschafter dann eine Entscheidung treffen, heißt es.

Anders als es die ctw selbst darstellt, gehen Insider inzwischen davon aus, dass die Trägergesellschaft keinen Partner, sondern eher einen Investor sucht, der – vielleicht auch erst mittelfristig – die Krankenhäuser komplett übernimmt. So ist in Gesprächen mit Kennern der Branche eher von „einem Investor“ oder „Käufer“ die Rede, als von einem möglichen Partner. Auch vor diesem Hintergrund macht die Überprüfung der eigenen Organisationsstrukturen unter wirtschaftlichen Aspekten Sinn, weil von den fünf Krankenhäusern der ctw die Standorte in Jülich, Linnich und Prüm eher auf wackeligen Füßen stehen und einen potenziellen Partner oder Investor abschrecken könnten.

Schon 2017 hatte die ctw die Einrichtungen in Linnich und Jülich rechtlich zu einer Einheit verschmolzen: der Katholischen Nord-Kreis Kliniken Linnich und Jülich GmbH. Damals herrschte vor allem die Sorge vor, dass die Linnicher Einrichtung, damals keine GmbH, langfristig nicht rentabel sein könnte und in den Konkurs rutscht – und die ctw mit in die Insolvenz getrieben hätte. Zuletzt hatte allerdings eher das Jülicher Krankenhaus tiefrote Zahlen geschrieben.

Mit einem Mitte Oktober beschlossenem Maßnahmenpaket für die Nordkreis-Kliniken, das unter anderem die Zusammenlegung von Stationen vorsieht, soll die Rentabilität der beiden Einrichtungen deutlich erhöht werden. Ob Abteilungsbereiche verkleinert oder geschlossen und andere Bereiche ausgebaut und weiter spezialisiert werden, ist nach ctw-Aussage noch nicht beschlossen.

Es zeichnet sich aber ab, dass im wahrsten Sinne des Wortes das operative Geschäft künftig ausschließlich in Linnich abgewickelt und die Operationssäle in Jülich komplett geschlossen werden sollen, weil es dort einen hohen Investitionsbedarf gebe. Von rund 6,5 Millionen Euro ist die Rede. Zwar gibt es in der Tat einen Investitionsbedarf, der auch zwingend bis Ende 2019 abgearbeitet werden muss, aber nach Informationen unserer Zeitung ist für den Weiterbetrieb der drei OP-Säle nur eine vergleichsweise geringe Investition nötig. Daraus könnte man schließen, dass es bei den Planungen eher darum geht, den Standort für einen neuen Betreiber wirtschaftlich interessant zu machen. Kaya Erdem, Pressesprecher der ctw, sieht das anders: „Was wir in Jülich tun, hat nichts damit zu tun, dass die ctw einen Partner sucht.“ Das stimmt natürlich insofern, dass auch ohne einen Partner die Krankenhäuser für die ctw rentabel sein müssen. Wie ein Krankenhaus ohne OP allerdings dauerhaft erhalten bleiben kann, dazu liegt ein schlüssiges Konzept bisher noch nicht vor.

Zur Frage der Wirtschaftlichkeit der Standorte passt, dass auch für das Krankenhaus in Prüm erst vor wenigen Tagen eine positive Entwicklung vorhergesagt worden ist – bedingt durch eine Verbesserung der Belegung und eine in Aussicht gestellte höhere Bettenzahl. „Wir sind noch nicht über den Berg, aber es geht in die richtige Richtung“, wird zum Standort Prüm ctw-Sprecher Kaya Erdem auf einer Internetseite zitiert.

Auf den Prüfstein gestellt werden derzeit auch andere Verfahrensabläufe. So zum Beispiel die Laborarbeiten, die bisher von einem externen Dienstleister am Standort der jeweiligen Krankenhäuser erledigt werden. Die Verträge laufen aus, über eine Verlängerung ist noch nicht entschieden, so dass die Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze bangen. Im Gespräch ist allerdings schon ein potenzieller neuer Partner aus Köln, der die Arbeiten auch zentral von Köln aus erledigen würde. Eine Maßnahme, bei der offenbar auch die Kostenreduzierung im Vordergrund steht.

Wenn es beim vorgesehenen Zeitplan bleibt und die Gesellschafter noch im November entscheiden, wird es dennoch wohl kaum nach einem Verkauf aussehen – das, sagt ein Insider, würde die Mitarbeiter verschrecken und das Finanzamt erfreuen, weil dann Grunderwerbssteuer für den Investor fällig würde. Da wäre es günstiger, einfach die Gesellschaftsanteile innerhalb der ctw zu übernehmen. Auf die Frage, wie lange die ctw neben einem Partner die Krankenhäuser selbst noch weiter betreiben will, erhält man auch nur eine blumige Antwort. Kaya Erdem: „Einen Ausblick auf das, was danach kommt, werfen wir jetzt nicht, damit die laufenden Gespräche weiterhin im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit der ctw-Einrichtungen fortgeführt werden können.“

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