Düren: Krankenhaus Düren will Kernkompetenzen stärken

Düren: Krankenhaus Düren will Kernkompetenzen stärken

Die Krankenhäuser in der Region sehen sich zunehmend einem starken Wettbewerb ausgesetzt. Die Vorstellung, dass es auch in zehn oder 20 Jahren noch fünf Krankenhäuser im Kreis Düren geben wird — drei allein in der Kreisstadt — ist eher unwahrscheinlich, allein schon aus demografischen Gründen.

Wenn jetzt am Krankenhaus Düren für 7,5 Millionen Euro zwei neue Ärztehäuser gebaut werden, geht es deshalb auch um die Aufwertung des Standortes, um die Stärkung der Kernkompetenzen. Und das alles, ohne selbst Geld aus dem laufenden Etat für die Investitionen aufbringen zu müssen.

Kernkompetenz Nummer 1: Die Pathologie, der eine immer größere Bedeutung zukommt. Sie soll in einer der beiden drei- beziehungsweise vierstöckigen Zwillingsbauten untergebracht werden. Das Institut von Prof. Dr. Bernd Klosterhalfen versorgt nahezu alle Krankenhäuser der Region. Deutlich wird das an den Zahlen. „Hatten wir vor 15 oder 20 Jahren noch zehn bis 20.000 histologische Untersuchungen, sind es heute rund 100.000 Untersuchungen im Jahr“, macht Krankenhaus-Geschäftsführer Dr. Gereon Blum die gewachsene Bedeutung der Abteilung deutlich.

Blum: „Chemotherapien können heute punktgenau auf eine Tumorerkrankung ausgerichtet werden. Wir begleiten die Patienten dabei von der Diagnostik bis zur Nachsorge.“ Hat der Pathologe früher erst nach einer OP geschaut, ob ein Tumor bösartig war oder nicht, kann er heute beispielsweise während eines Eingriffs sagen, ob alle betroffenen Gewebepartien entfernt wurden. Gerade um diese wichtige Verknüpfung von Pathologen und Onkologen noch effektiver zu gestalten, wird im zweiten Ärztehaus ein Tumorzentrum eingerichtet werden.

Krankenhaus-Sprecher Christoph Lammertz: „Bisher war die onkologische Abteilung im Untergeschoss untergebracht. Im neuen Ärztehaus im Park wird es für die Patienten deutlich komfortabler und vor allem auch größer sein.“ Hinzu kommen die kurzen Wege, von denen neben den Patienten insbesondere auch die Ärzte profitieren. „Von der Pathologie bis zur Strahlentherapie haben wir dann alles an einem Ort konzentriert“, erklärt Geschäftsführer Blum.

Eine öffentliche Apotheke und Räume für weitere niedergelassene Ärzte, zum Beispiel für internistische Fachpraxen, runden das Angebot ab. Die Idee die dahinter steht: Die Fachärzte können auf die Einrichtung des Krankenhauses zurückgreifen, zum Beispiel die volldigitalisierte Röntgenabteilung, und müssen die notwendigen Geräte nicht selbst anschaffen. Umgekehrt sichert sich das Krankenhaus so Patienten und Einnahmen — ganz so, wie das mit der vorhandenen Dialysepraxis schon funktioniert. Blum: „Salopp gesagt ist das eine Facharztpraxis mit einem Krankenhaus hintendran und wir können als Krankenhaus umgekehrt mit der Dialysepraxis punkten.“

Zum 1. April 2015 soll die neue Pathologie fertiggestellt sein, das Tumorzentrum wird zum 1. Juli folgen. In einem weiteren Schritt soll dann das jetzige Gebäude der Pathologie zu einem Fort- und Weiterbildungszentrum umgebaut werden — als neues Jörg-Hoppe-Institut, in Erinnerung an den 2011 verstorbenen Präsidenten der Bundesärztekammer, der mehr als 20 Jahre die Pathologie in Düren gleitet hat.

Schon jetzt ist das Krankenhaus Düren mit seinen rund 1150 Beschäftigten einer der größten Ausbilder in der Region: 200 Ausbildungsplätze gibt es bereits, in akademischen, wie vor allem in nicht-akademischen Berufen. Kooperiert wird unter anderem mit dem DRK, um Notfallsanitäter auszubilden, aber auch mit Beschäftigungsgesellschaften wie Lowtec. Die Angebote sollen mit dem neuen Institut noch einmal deutlich ausgeweitet werden. Das Ziel sind bis zu 300 Ausbildungsplätze insgesamt. Gereon Blum: „Wir werden dann keinen Fachkräftemangel haben.“

Im Weiterbildungsbereich speziell für die Ärzte geht Blum von 100 bis 120 Veranstaltungen im Jahr aus. Krankenhaus-Sprecher Christoph Lammertz: „Die können dann gebündelt in einem Institut organisiert werden und nicht mehr wie bisher jeweils einzeln von den Sekretärinnen der Chefärzte.“ Hier will man sich als Kooperationspartner auch den Landschaftsverband Rheinland mit an Bord holen.