Kosten für Projekt Eiswiese in Düren steigen auf 11,5 Millionen Euro

Spielplatzboden belastet : Projekt Eiswiese in Düren wird teurer und teurer

Die Entwicklung des Gebiets Eiswiese gleicht einer Altbausanierung: Mit jedem Arbeitsschritt stößt man auf neue Überraschungen, die teuer werden. Jetzt steht fest, dass auch der Boden des Spielplatzes ausgetauscht werden muss, da er nicht nur mit Schadstoffen belastet ist, sondern vermutlich auch Granaten und andere Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg enthält. Damit steigen die Kosten weiter.

Im Dürener Rathaus ist man wahrscheinlich heilfroh, wenn das Projekt fertiggestellt ist. Dies soll im Juli oder August des kommenden Jahres sein, doch sicher ist dies noch nicht. Klar ist nur, dass der Landeszuschuss in Höhe von 2,56 Millionen Euro damit verwirkt ist. Zwar bemüht sich Dürens Bürgermeister Paul Larue weiter, an den Fördertopf zu gelangen, aber die Zusage des Landes ist an eine Frist gebunden: Noch im laufenden Jahr 2019 müssten die Arbeiten abgeschlossen sein. Dies ist nicht mehr zu schaffen.

Die Stadt wird wahrscheinlich die mindestens 11,5 Millionen Euro für das Quartier allein stemmen müssen. Die entsprechenden Beschlüsse wurden im vergangenen Sommer gefasst. Weitere 1,2 Millionen Euro wurden in dieser Woche mit einer sogenannten Dringlichkeitsentscheidung genehmigt, um zeitnah den Boden des Spielplatzgeländes abzutragen. Im Rathaus will man schließlich keine Zeit verlieren. „Schreitet der Bau weiter voran, ist nicht mehr gesichert, dass das Areal des Spielplatzes parallel saniert werden kann“, sagt Helmut Harperscheidt, Leiter des Amtes für Gebäudemanagement der Stadt Düren. Darüber hinaus will man eine Bodensanierung im Sommer wegen der dann höheren Belastung der Anwohner vermeiden. Ursprünglich sollte das Projekt 8,4 Millionen Euro kosten.

Der Boden des Spielplatzes muss bis zu einer Tiefe von etwa drei Meter abgetragen werden. Dabei genügt es nicht, dass ein Bagger die Masse auf einen Kipplaster schaufelt. „Jede Schaufel Erdreich muss von einem Sprengmeister begutachtet werden“, schildert Harperscheidt. Dieses aufwändige Verfahren kostet viel Geld und auch Zeit. Schafft man bei üblichen Erdarbeiten im Schnitt 500 Kubikmeter Boden pro Tag, rechnet man beim Projekt an der Eiswiese mit etwa 150 Kubikmeter. Insgesamt 3000 Kubikmeter müssen nach Haperscheidts Schätzungen abtransportiert werden. Dies entspricht 250 vollbeladenen Kipplastern mit vier Achsen, legt man eine Füllmenge von zwölf Kubikmetern zugrunde.

„Phosphorgranaten gefunden

Die gleiche Sanierung war auch auf dem Baugelände erforderlich geworden. Zwar hatte ein Bodengutachten noch keine verdächtigen Werte geliefert, als die Stadt jedoch zur Gründung der Gebäude selbst Bohrungen vornehmen musste, traf man nicht nur aus Reste des Zweiten Weltkriegs, sondern auch auf eine „schwarze Masse“. Diese stammt wohl von einem Unternehmen, das an der Eiswiese laut Harperscheidt Öl verarbeitet und die Reste dort abgekippt hat. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg habe man dort auch Schutt abgeladen. „Wir haben auch Phosphorgranaten gefunden, die höchstgefährlich sind“, berichtet Harperscheidt. Inzwischen ist der Baugrund hergerichtet. Insgesamt 9000 Kubikmeter Erde mussten entfernt und zum Teil als Sondermüll entsorgt werden. 

Jjetzt kommen weitere 3000 hinzu, denn  die Bodenarbeiten gehen auf dem Spielplatzgelände weiter. „Nach den heutigen Erkenntnissen müssen wir davon ausgehen, dass auch dort der Untergrund betroffen ist“, sagt Harperscheidt. Darum will die Stadtverwaltung kein Risiko eingehen. Die Hochbauarbeiten sollen davon nicht beeinträchtigt werden. Das Areal der Eiswiese soll 23 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen für Flüchtlinge, das neues Verwaltungsgebäude der Arbeiterwohlfahrt, ein zweigruppiger Kindergarten, ein Stadtteilbüro und eine Begegnungsstätte für Jugendliche umfassen. Die Einrichtungen sollen von der Awo betrieben werden. Die Wohneinheiten sind so geplant, dass auch eine spätere Nutzung als Altenwohnungen möglich ist.

Der Bau auf dem Areal hat sich immer wieder verzögert. Zunächst war kein Generalunternehmer zu finden, der den Auftrag übernimmt. Die Gewerke wurden neu aufgeteilt und mussten europaweit ausgeschrieben werden, was Zeit kostete. Anschließend wurde bekannt, dass der Boden stärker belastet war, als zunächst angenommen. Bei der Suche nach einer Firma, die den belasteten Boden aushebt und entsorgt, verstrichen ebenfalls Monate. Die Frist, bei der die Förderzusage des Landes endete, rückte so immer näher und kann inzwischen nicht mehr eingehalten werden. Die Chance, noch über eine Seitentür an einen Zuschuss zu gelangen, wird als „sehr gering“ bezeichnet.

Planmäßig verlief beim Projekt Eiswiese nur der Umzug der Awo, die ihren Verwaltungssitz übergangsweise in die Cornetzhofschule verlegte. Die Rückkehr zur Eiswiese und damit die Eröffnung der neuen Geschäftsstelle ist für den Sommer des nächsten Jahres vorgesehen  — wenn nichts Unvorhergesehens mehr geschieht.

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