Kontroverse, aber offene Debatte mit Europa-Politiker Manfred Weber

Klima bis Brexit : Kontroverse, aber sehr offene Debatte mit Europapolitiker Manfred Weber

Manfred Weber stellt sich Schüler-Fragen

Eins hat CSU-Politiker Manfred Weber (46), Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei, sehr deutlich gemacht: „Europa kann nur funktionieren, wenn die derzeit noch 28 Mitgliedsstaaten alle bereit sind, Kompromisse einzugehen.

Leider gibt es aber im Augenblick vermehrt Kräfte, die ein Europa des Miteinanders in Frage stellen. Das zu verhindern, muss unser vorrangiges Ziel sein“, sagte der Christsoziale.

Weber war auf Einladung der Mediengruppe der Rheinische Post zu Gast im Verlagshaus in Düsseldorf, um sich den Fragen von 150 Schülern aus acht nordrhein-westfälischen Kommunen zu stellen. Auf Initiative unserer Zeitung waren jeweils zehn junge Leute des Mädchengymnasiums Jülich, der Europaschule Langerwehe und des Gymnasiums Kreuzau mit von der Partie.

„Ich finde Politik grundsätzlich interessant“, sagt Jonas Weber (17) aus Nideggen. „Und Europa ist für uns alle wichtig. Vor allem für junge Leute, weil es Freiheit und Frieden bedeutet.“ Auch für Manfred Weber ist das Europa 2019 „das beste Europa, in dem wir jemals leben durften“. Seine Generation sei die erste, die in der gesamten EU in Frieden und Freiheit leben könne. „Mein Großvater hat den Zweiten Weltkrieg erlebt, mein Vater den Kalten Krieg. Natürlich ist die EU nicht perfekt, und natürlich wird viel gestritten. Aber Ringen und Streiten sind in der Politik normal“, betonte der Politiker.

Auch Jugendliche aus Kreuzau, Langerwehe und Jülich diskutierten mit Manfred Weber. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Flüchtlingskrise, Datenschutzgrundverordnung, Urheberrechtsschutz im Internet, Brexit, Klimaschutz, aber auch die lange Zeit geltende Gurkenverodnung, die sich mit der erlaubten Krümmung des Gemüses beschäftigt hat – die jungen Leute hatten sich mit vielen Europathemen kritisch auseinandergesetzt und scheuten sich nicht, Weber ihre Fragen zu stellen. „Natürlich ist Klimaschutz wichtig“, betonte Weber. „Und wir brauchen auch unbedingt eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes.“

Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, die anderen Probleme und Themen zu sehen. „In Deutschland werde ich immer auf das Thema Klimaschutz angesprochen“, erklärte Weber. „Wenn ich mit jungen Leuten in Italien diskutiere, werde ich niemals darauf angesprochen, sehr wohl aber auf die große Arbeitslosigkeit. Und das müssen wir eben auch ernst nehmen.“ Ohne wirksamen Klimaschutz, konterte ein Junge, bräuchte sich bald niemand mehr Gedanken um Arbeitslosigkeit zu machen. „Weil die Welt einfach kaputt geht. Und dagegen müssen wir unbedingt etwas unternehmen.“

Auch bezüglich des strittigen Artikels 13 der EU-Urheberrechtsreform gingen die Meinungen zwischen Spitzenkandidat und Schülern deutlich auseinander. „Wir brauchen Urheberrechtsschutz und gleichzeitig Meinungsfreiheit im Netz“, sagte Weber. „Werte, die in der realen Welt richtig sind, müssen auch in der digitalen Welt gelten.“ Europa sei ein Kontinent mit wenigen Rohstoffen. „Es ist die Kreativität der Menschen, die uns stark macht. Und die müssen wir schützen.“ Die Jugendlichen befürchten dagegen einen nicht zu akzeptierenden Eingriff in die Meinungsfreiheit.

Manfred Weber diskutierte mit 150 Schülern aus NRW. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

„Sie haben doch gesehen, wie viele Jugenliche wegen Artikel 13 auf die Straße gegangen sind“, sagte ein Schüler. „Trotzdem haben Sie dafür gestimmt. Brauchen Sie die Jungen als Wähler nicht?“ Von Politikern, konterte Weber, müsse man erwarten können, dass sie eine Meinung hätten und diese gradlinig verträten. Weber: „Über diese Meinung kann man im positiven Sinne auch streiten. Aber am Ende wird nur die Partei, die Sie selbst gegründet haben, zu 100 Prozent ihre Meinung vertreten. Im Normalfall müssen Sie nach dem besten Gesamtpaket suchen.“

Am Ende hatte Weber die jungen Leute trotz allem überzeugt, zumindest haben viele Schüler zugestimmt, als sie gefragt wurden, ob der EVP-Mann auf sie glaubwürdig gewirkt hat. „Auf jeden Fall war er ehrlich“, sagte Noah Rosarius (18) nach der Fragerunde, in der der Europapolitiker keine Antwort schuldig geblieben ist. „Mich hat verwundert, wie offen er war“, ergänzte der Schüler. „Das war gut.“ Stefanie Klein aus Jülich nannte den EVP-Spitzenkandidaten „ehrlich und transparent“. Sie habe ihm seine Worte „total abgenommen.“

Klein: „Mir machen der Brexit und rechte Strömungen innerhalb der EU Angst. Meine Eltern kommen aus Rumänien. Und es tut mir weh, wie sehr die Menschen aus Osteuropa von gewissen Parteien schlecht gemacht werden. Wir brauchen Demokraten in der EU.“ Bei allen Schwierigkeiten zeigte sich Weber zum Schluss optimistisch. „Wir haben doch in Europa alle Möglichkeiten, die Probleme zu lösen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das schaffen.“

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