Kontraste in Ausstellung im Simonskaller Junkerhaus

Die blaue Farbe dominiert : Strotzendes Leben und Sterben

Hat der Besucher einen Überblick gefunden über die neue Ausstellung im Junkerhaus in Simonskall, erkennt er, dass Leo Brenners Ölgemälde mit den Objekten Klaus Kaufmanns zusammengehören.

Sowohl die Bilder als auch die Objekte aus Eisen und Holz erzählen die Geschichte des Lebens, die Geschichte vom strotzenden Leben bis hin zu Vergehen und Sterben.

Wer Brenners Ölgemälde, klein-, mittel- und großformatig, betrachtet, sieht blau. Blau ist Brenners Lieblingsfarbe. „Es ist keineswegs eine kalte Farbe“, entgegnet der Maler einem Gesprächspartner, „sondern Blau ist pralles Leben, ist Symbol für ungeheure Tiefen und Weiten.“ Und Recht behält er. Denn Brenners Beweise leuchten ein. Der Mensch findet das Blau in verschiedenen Nuancen im Meer, Lebensraum für Milliarden Lebewesen. Noch tiefer wird das Blau, taucht man in den Kosmos ein. Astronauten erzählen immer wieder von den verschiedenen Blautönen, von Hell bis ins finstere Blau.

Lässt der Betrachter sich bei einigen Gemälden auf das beherrschende Blau ein, merkt er eine Sogwirkung. Schwarze Farbe dagegen, fährt Brenner fort, ist wie eine Wand, vor der man zurückschreckt.

Ein Gemälde mit dem Titel Käferwege zeigt die Routen von Kriech- und Krabbeltieren auf einem Eukalyptus-Baumstumpf. Ein anderer verrottender Stumpf ist Wiege und Nest für zwei weiße Pilze, für neues Leben. „Während der Baum vergeht“, erklärt Leo Brenner, „gibt er anderen Lebewesen seine Kraft.“

Der zweite Künstler ist Klaus Kaufmann. Ihm gehören die Objekte auf den Ständern im Raum. „Zu mir gehört alles, was rostig ist“, zieht Kaufmann eine Trennungslinie zwischen seinen Objekten und den Gemälden seines Kollegen. Angerostet sind Dinge aus Metall. Hunderte von Nägeln stecken in Holz oder liegen verrostet da nieder. Eine kleine Hacke, natürlich rostig – sie wurde einmal zum Jäten von Unkraut benutzt – ist jetzt ein Schieber, der rostige Nägel vor sich hintreibt. Die Deutung ist recht einfach und politisch. Menschen, Flüchtlinge werden abgeschoben, wenn sie Menschen in Europa oder Amerika nicht passen. „Die große Überfahrt“ – ein kleines Holzschiff mit rostiger Patina bestrichen, gerät in Seenot. Es hat Flüchtlinge aus vieler Herren Länder geladen. Ob es die rettende Küste erreicht, steht nicht geschrieben.

Mit der plakativen Symbolik möchte Kaufmann dem Betrachter Ausschnitte aus dem heutigen Leben vor Augen führen. Er hebt dabei nicht den pädagogischen Zeigefinger, sondern er bietet seine Überlegungen zur politischen Lage an. Besucher sollten bewusst auf die jeweiligen Titel achten, die irgendwo in der Nähe des Objekts zu lesen sind.

Begrüßt wurden die Gäste vom stellvertretenden Vorsitzenden des Kulturvereins „HöhenArt“, Giordano Pagano, und vom derzeitigen Schlüsselverwalter des Junkerhauses, Professor Dr. Reinhard Odoj.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 18. November, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

(bel)
Mehr von Aachener Nachrichten