Komiker Matthias Jung schildert in Düren die Tücken der Pubertät

Matthias Jung im KOMM : Die Jugend zwischen Rebellieren und Chillen

„Die Jugend von heute!“ – schon vor über 2000 Jahren galt sie als respektlos, faul und verweichlicht. Was passiert, wenn hormonelle und gehirnliche „Bauprozesse“ den niedlichen Nachwuchs in aufmüpfige Teenager verwandelt? Und wie geht man als Eltern am besten damit um? Diese und andere Fragen beleuchtete Autor Matthias Jung aus Mainz in seinem Programm „Chill Mal!“ im Kulturzentrum KOMM in Düren.

Schon im Jahr 300 vor Christus bezeichnete der griechische Philosoph Sokrates die damalige Jugend als „arbeitsscheue Tyrannen mit schlechten Manieren“. Eltern und ihre pubertierenden Kinder – ein Konfliktfeld, wie es älter nicht sein könnte. Mit einer Mischung aus freiem Vortrag, Comedy und Lesung begeisterte Matthias Jung etwa 40 Mütter und Väter. In rund anderthalb Stunden ging der 40-jährige Diplom-Pädagoge, Comedian und Bestseller-Autor der „aufregendsten Zeit im Leben“ auf den Grund und nahm in humorvoller Weise Alltagssituationen im Leben mit Pubertierenden genauer unter die Lupe.

Das unaufgeräumte und stickige Zimmer, in dem „Bettwanzen schlecht Luft kriegen“, sei zum Beispiel einer der Streitpunkte in der Zeit des Heranwachsens. Auch der morgendliche Aufsteh-Marathon führe oft dazu, dass „Mutter um halb Zehn statt eines Knoppers eher nen Schnaps vertragen könnte“. Schulstress, Null-Bock-Einstellung und Gefühlsausbrüche – weder für den Jugendlichen noch für Eltern ist die Pubertät eine einfache Zeit. Viele lustige Beobachtungen las Jung auch aus seinem Buch „Chill Mal - Am Ende der Geduld ist noch viel Pubertät übrig“ vor, das es im Juni vergangenen Jahres auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte.

Zudem ging er auf die wissenschaftlichen Komponenten ein und erklärte, wie der Umbau des Gehirns sowie Hormone dafür sorgen, dass der Jugendliche beginnt, sich auszuprobieren, Grenzen auszutesten und sich oft überfordert fühlt. Das Stammhirn, das für die Emotionen zuständig ist, entwickle sich schneller als der Frontallappen, dem die Steuerung dieser Emotionen obliegt. Dies führe dazu, dass im Teenager-Alter die überschwängliche Gefühlswelt oft Überhand gewinnt und den noch unterentwickelten rationalen Teil verdrängt. Es wird impulsiv und emotional gehandelt, der Jugendliche ist oft verpeilt und auch das Zeitgefühl leidet. Hinzu würden hormonelle Veränderungen kommen, die schnelle Stimmungsschwankungen auslösen, den Schlaf beeinflussen und nicht selten zu Verwirrung und unerklärbaren Frust führen.

Auch wenn der Umgang mit rebellischen Töchtern und Söhnen nicht einfach sei, Jung riet den Eltern zu Gelassenheit. „Es ist ein Prozess des Abnabelns. Was hilft, ist bei Konflikten dem Kind auf Augenhöhe zu begegnen, auch mal Raum zum Diskutieren lassen und versuchen, manche Dinge nicht persönlich zu nehmen.“ In wichtigen Dingen solle man jedoch klare Regeln vereinbaren, dabei kompromissbereit sein und Orientierung bieten. Letzten Endes gelte es, loszulassen. „Die Zeit ist auf unserer Seite. Irgendwann ist man durch und kann zurückblicken. Und das Schöne ist, man war live und in Farbe dabei.“

(nie)
Mehr von Aachener Nachrichten