Köbes Underground beim 26. Mundartfestival der AG Schnüss

Mundartfestival der AG Schnüss : „Köbes Underground“ begeistert bei seinem ersten Konzert in Düren

Das Experiment ist geglückt. „Köbes Underground“, die legendäre Hausband der Kölner Stunksitzung, trat am Samstag beim 26. Mundartfestival der „AG Schnüss“ zum ersten Mal in der mehr als 30-jährigen Bandgeschichte in Düren auf – und die Menschen im gut besuchten Zirkuszelt waren total begeistert.

„Das hätte ich nicht gedacht“, brachte Stefanie Wagner (27) aus Düren es auf den Punkt. „Ich bin eigentlich nur wegen der ‚Klüngelköpp’ hier. Dass ‚Köbes Underground’ so viel Spaß macht, hat mich total überrascht. Spitzenmäßig.“

Stefanie Wagner hatte Recht. Beide Bands – die „Klüngelköpp“ und „Köbes Underground“ – sorgten für einen unvergesslichen Konzertabend: die einen mit ihren großen Hits wie „Stääne“, „Bella Ciao“, „Us kölschem Holz“ und „Mir sin jedäuf met 4711“, die anderen mit bekannten Melodien, unter anderem von „Rammstein“, Herbert Grönemeyer, Neil Diamiond und Xavier Naidoo, frechen Texten und vielen Kostümen.

„Köbes Underground“ ist der perfekte Dreiklang von Kreativität, bissigem Witz und großer Musikalität. Winni Rau und Ecki Pieper, die beiden Gesichter der Band, und ihre Mitstreiter machten aus Neil Diamonds „Sweet Caroline“ den Vegetarier-Hit „Blutspende-Schwein“, aus „Guantalamera“ wurde der „Graskantenmäher“ und der „Queen“-Hit „We will rock you“ hieß bei Pieper und Co. „Vier Pfund, vier Pfund Rotkohl“.

Schön auch das Lied des syrischen Flüchtlings Yussuf Mali, der an seiner Einbürgerung arbeitet, das deutsche System der Mülltrennung mittlerweile perfektioniert hat, aber an einer Sache immer noch scheitert: „Sandal’n mit Socken drin, Sandal’n mit Socken drin, Sandal’n – und kurze Hose“, ein Song, der ganz wunderbar zur Melodie von „Skandal im Sperrbezirk“ von der „Spider Murphy Gang“ passt.

Unglaublich viele Kostümwechsel

Funktionieren konnten diese manchmal völlig unsinnigen, aber herrlich komischen Parodien nur, weil „Köbes Underground“ eine Band mit hervorragenden Sängern und Musikern ist, denen man Rockmusik genauso abnimmt wie Heavy Metall, die bei Schlagern genauso überzeugen wie bei Karnevalsmusik. Hinzu kommt, dass die Bandmitglieder ganz offensichtlich auch hervorragende Beobachter sind, Stars wie Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer und Jan Delay nahezu perfekt nachmachen können, und auch kein Problem damit haben, sich selbt auf die Schippe zu nehmen.

Frank Reudenbach und die Kölner Band „Klüngelköpp“ eröffneten den Abend im Zirkuszelt. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Neben dem Konzert von „Klüngelköpp“ und „Köbes Underground“ waren auch die beiden anderen Mundartfestival-Tage ein voller Erfolg. Der Freitagabend stand ganz im Zeichen von „Räuber“-Gründunsmitglied Charlie Brand, der neues Ehrenmitglied der „AG Schnüss“ wurde. „Charlie Brand hat sich sehr um die rheinische Mundart verdient gemacht“, betonte „AG Schnüss“-Vorstandsmitglied Gerd Suhr bei der Laudatio. „Er passt perfekt zu uns, wir freuen uns sehr, dass er die Ehrenmitgliedschaft angenommen hat.“

Brand, der sich vor zwei Jahren von der Bühne verabschiedet hat, machte für das Festival im Willy-Brandt-Park eine Ausnahme, kam nochmal auf die Bühne, wagte mit den Zuschauern den Weg zurück zu den Ursprüngen seiner Musik und sang nur mit seiner Ukulele Stücke von Adriana Celentano, aber natürlich auch seine eigenen Hits sowie einige „kölschen Krätzjer“, also jene Lieder, die kleine Geschichten mitten aus dem Leben erzählen. Nach diesen eher ruhigen Momenten mit Charlie Brand rockten die Zuschauer am Freitagabend mit den beiden „AG Schnüss“-Gründungsbands „Echte Fründe“ und „Schweess Fööss“.

Und auch beim Familiensonntag, der am Sonntagabend mit dem Auftritt der Kölner „Domstürmer“ zu Ende ging, fanden viele Mundartfreunde den Weg in den Willy-Brand-Park,die sich sicher auch an den alten Schätzchen der Mitglieder des Dürener Trecker- und Lanz-Vereins erfreuten. „Wir sind sehr zufrieden“, zog „AG-Schüss“-Vorstandsfrau Therese von Slawinski-Langkau ein positives Resümee. „Das Wetter war perfekt, die Bands einfach toll.“

Kein Wunder also, dass an allen drei Festivaltagen mehr als 3000 Besucher zum Mundartfestival gekommen sind. Wer es nicht geschafft hat: Die Planungen für das 27. Festival vom 28. bis 30. August 2020 laufen bereits auf Hochtouren.

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