Düren: Knorrig, kantig, aber die Seele vom Badesee: Hausmeister Gottfried Frinken

Düren : Knorrig, kantig, aber die Seele vom Badesee: Hausmeister Gottfried Frinken

Ihn kennt jeder. Zumindest jeder, der schon einmal Gast des Dürener Badesees war. Ist der See geöffnet, ist Gottfried Frinken da. Meistens sitzt der 67-Jährige aus Derichsweiler am Eingang und passt auf, dass niemand sich den Eintritt erschleicht. „Hallo!“, sagt er in einem solchen Fall nur kurz, nickt Richtung Kasse und schon weiß der Badegast, dass er mal lieber schnell in Sachen Ticketkauf tätig werden sollte.

Frinken bleibt gelassen. Auch wenn jemand so gar nicht verstehen will, dass einmal in den See hüpfen genauso viel kosten soll wie ein stundenlanger Aufenthalt. „Ohne den See kann ich nicht leben“ ist Gottfried Frinkens Credo. Der See ohne ihn? Auch gewöhnungsbedürftig.

Wer eine gute Stunde am Eingang zum See mit ihm plauscht, erhält ein Gefühl dafür, wie wichtig Frinken, der von vielen einfach Gottfried genannt wird, für das „Team Badesee“ ist. Viele Gäste verabschieden sich beim Rausgehen brav bei ihm, lächeln ihn an. Und dann kommt ein junger Mann vorbei, der ihm ein Erdbeereis in die Hand drückt. „Das passiert“ sagt Frinken knapp, nachdem er sich bedankt hat.

Als Heranwachsender wollte Frinken zur See fahren. Dieser Plan wurde allerdings von einem üblen Unfall mit dem Moped durchkreuzt. Im Alter von 17 Jahren ist er „zu schnell um die Kurve gefahren“. Das Ergebnis: eine kaputte Hüfte, zweieinhalb Jahre im Krankenhaus und lange Zeit im Gipsbett. Die Ärzte hatten den Gedanken schon aufgegeben, dass er jemals wieder gehen könnte. Frinken handelte aus, dass er, wenn er es schaffe bis zum Waschbecken zu gehen, nach Hause könne. Dieses Ziel wollte er bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 1970, die in Mexiko stattfand, erreichen. Die wollte er daheim anschauen. Er schaffte es.

Der Unfall hat zwar seine Pläne, nicht aber seine Träume zunichte gemacht. Statt Matrose wurde er Hilfsarbeiter beim Bau oder im Schlachthof und schließlich — mit Unterbrechungen seit 1972 — Hausmeister beim Dürener Badesee. Das hat ja schließlich auch ganz schön viel mit Wasser zu tun. Und die Meere der Welt hat er trotzdem gesehen. Allerdings vom Flugzeug und vom Strand aus.

Reisen im Winter

Seit 1992 unternimmt er im Winter — wenn er gemeinsam mit dem See Ferien macht — Fernreisen und hat bisher, so resümiert er, alle Kontinente mit Ausnahme von Australien bereist. Das käme aber auch noch. Einen Kumpel habe er dort schon, den er auf einer Reise nach Vietnam kennengelernt habe. Den wolle er besuchen. Am besten habe es ihm in Brasilien gefallen. Auch wenn er sich da am Strand komplett verbrannt hatte: „Liegen geblieben“, kommentiert er den Fehler, der zu dicken Brandblasen geführt hatte.

Positiv: Eine Einheimische half ihm und behandelte ihn erfolgreich mit Kräutern. Hilfe erhielt er auch von einem Voodoo-Meister auf Mauritius. Dieser heilenden Begegnung („Dä wor jet am murmele, da blotete dat nit mieh“) war ein unangenehmes Treffen mit einem Stachelrochen vorausgegangen, in dessen Verlauf der Fisch sich bedroht gefühlt und seinen Stachel in Frinkens Fuß geschossen hatte.

Abenteuer erlebt „Schlipp“, so sein Spitzname für Gottfried, auch gerne am Badesee. Kollegen, die beim Bootputzen ins Wasser fallen, Tretboote, die sich festfahren und anderes mehr. Und wenn mal nichts los ist, holt er die große weite Welt nach Düren. Als neulich ein Kind allzu laut herumschrie, konnte es Frinkens mahnende Worte vernehmen: „Hör auf zu schreien, sonst hol ich den Haifisch raus.“ Auf diesen dramatischen und lautstärkeregelnden Effekt folgte dann natürlich ein versöhnliches, auf die aktuelle Sichtung eines solchen Raubfisches im Mittelmeer bezogenes: „Ach nee. Der macht ja im Moment Urlaub auf Mallorca.“