Kleinhau: Kleinhau möchte nicht zum „Schlafdorf“ werden

Kleinhau : Kleinhau möchte nicht zum „Schlafdorf“ werden

Wilhelm Schnitzler ist seit 1994 Ortsvorsteher. Als er den Posten damals übernahm, und in den Jahren darauf, war das Leben in dem Hürtgenwalder Ortsteil aktiver als in diesem Jahrzehnt. Wenn in Kleinhau gefeiert wurde, kamen sogar Dürener. Heute gibt es keine Kneipe mehr, den Nikolausumtrunk gibt es seit zwei Jahren nicht mehr, die Schützen feierten ihr Fest 2017 zum vorerst letzten Mal.

Der Aufwand für die einzelnen Vereine wurde zu groß. „Ich will nicht, dass der Ort ein Schlafdorf wird“, sagt Schnitzler und spricht stellvertretend für die fünf Vereine im Ort. Weil das Schützenfest dieses Jahr ausfällt, hat sich das Ortskartell, zu dem alle Vereine gehören, zusammengetan. Sie wollen den Kleinhauern und auch den Bürgern aus den anderen Ortsteilen am Samstag, 25. August, ab 14 Uhr ein Dorf- und Wiesenfest bieten.

Der Hingucker am Samstag: Beim „Clashball“ trägt man aufblasbare Kugeln als Körperschutz, weil rempeln und rammen erlaubt ist. Das Wiesenfest organisieren unter anderem (v.l.): Benjamin Jörres, Adrian Braun (beide MSC Kleinhau), André Oleff (Besenbinderzunft), Harald Hilgers (Nikolausumtrunk), Wilhelm Schnitzler (Ortsvorsteher), Günter Arnold (Brudermeister). Foto: Rose

War sonst immer deutlich, welcher Verein zum Feiern einlädt, wird es erstmals ein Fest von allen. Jeder Verein übernimmt eine Aufgabe auf dem Festplatz an der Schäfergasse, jeder Bürger soll sich angesprochen fühlen. „Die Veranstaltung soll den Rahmen eines normalen Grillfestes sprengen“, betont Schnitzler, und deswegen können die Besucher auch beim sogenannten Clashball Spaß haben.

Bei dieser Variante des Fußballs stülpen sich die Spieler eine aufblasbare Kugel über, nur die Beine schauen heraus — Rempeln und Rammen sind ausdrücklich erlaubt, ohne vom Platz gestellt zu werden. Fünf Teams haben sich bereits angemeldet, am Samstag können sich vor Ort weitere Mannschaften spontan bilden.

Zum Schützenfest kamen immer weniger Besucher — ganz im Gegensatz zu früher, als noch wie im deutlich größeren Vossenack vier Tage gefeiert wurde. Ein neuer Anwärter auf den Schützenkönig fand sich auch nicht. Daher stellt sich die Frage: Wollen die Bürger überhaupt ein Fest im Sommer? „Wir wissen, dass darüber gesprochen wird und gerade bei den 30- bis 40-Jährigen Interesse besteht“, sagt Ortsvorsteher Schnitzler.

Günter Arnold, Brudermeister der Schützen, fügt an: „Selbst wenn das Fest jetzt nicht funktioniert, weil vielleicht das Wetter nicht mitspielt, werden wir auch nächstes Jahr weitermachen.“ Die Kosten tragen alle Vereine über die Kasse des Ortskartells, die Veranstalter hoffen auf mindestens 100 bis 150 Besucher, damit sich das Fest im besten Fall selbst trägt.

„Wenn wir bei plus/minus Null rauskommen, ist alles okay“, sagt Adrian Braun, Vorsitzender des MSC Kleinhau. Das war zum Beispiel bei den vergangenen Schützenfesten nicht mehr der Fall, der Verein machte Verluste. Grund seien auch die immer neuen Auflagen, die jede Organisation einer Veranstaltung aufwendiger machten.

Der Austausch zwischen den Vereinen sei schon immer rege gewesen, das mache die Organisation einfach, betonen die Vertreter. Es scheint auch eine große Motivation für die einzelnen Vereine zu sein, weil sie sich die Arbeit teilen. Der Satz: „Wir hängen an den Veranstaltungen, werden aber langsam müde, weil immer nur die gleichen anpacken“, fällt aus jeder Richtung. Schwarzmalerei komme für die Macher aber mit Blick auf die kommenden Jahre nicht infrage. Die Aufgaben seien im Verbund noch gut zu stemmen.

Am Samstag kommt der Zeitpunkt, an dem sich zeigt, ob der Ort die Arbeit wahrnimmt.

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