Hürtgenwald: Kleinhau: Der Rat gibt Kreuzau einen Korb

Hürtgenwald: Kleinhau: Der Rat gibt Kreuzau einen Korb

Die Katze ist aus dem Sack. Wer sich bisher noch Hoffnungen machte, die Gemeinde Hürtgenwald würde eventuell doch mit Kreuzau und Nideggen zusammen eine Sekundarschule einrichten wollen, der ist nun aller Hoffnungen beraubt.

In Kleinhau hat der Rat mit überwältigender Mehrheit beschlossen, dass „eine Kooperation mit der Gemeinde Simmerath zur Errichtung einer Sekundarschule” angestrebt wird.

Zwei Dutzend Zuschauer hatten sich nach Kleinhau begeben, um vor der Entscheidung noch Bedenken zu äußern und Fragen zu stellen. Tags zuvor noch hatten sich Hürtgenwalder, Kreuzauer und Nideggener Kommunalpolitiker in großer Runde getroffen um auszuloten, wer mit wem eine Schule gründen möchte. Genau von diesem Gespräch gibt es interessanterweise zwei Versionen.

Professor Dr. Reinhard Odoj, Fraktionschef der CDU im Rat, teilte mit, er habe in dem Gespräch „nicht eine einladende Bemerkung gehört”. Er habe den Eindruck, „man nähme uns zwar, aber ungern”. Eine Verhandlung mit Kreuzau auf Augenhöhe sei nicht möglich, er sei enttäuscht und habe die Atmosphäre als „frostig” empfunden.

Ganz anders hatte Reiner Polzenberg (SPD) das Gespräch erlebt, wie er dem Rat mitteilte. „Ich war wohl auf einer anderen Veranstaltung?”, rätselte er. Zumindest die Lehrerschaft von Nideggen und Kreuzau „nimmt uns mit offenen Armen auf”. Von einer ablehnenden Haltung der Kreuzauer Kommunalpolitiker wollte Polzenberg nichts bemerkt haben. Zuvor hatte übrigens Bürgermeister Axel Buch Sozialdemokraten und Grüne verärgert, in dem er meinte, insgesamt vier Ratsmitglieder seien als Lehrer und Eheleute von Lehrern der bestehenden beiden Schulen befangen und sollten sich freiwillig in die Zuschauerbänke verfügen. Das taten die Betroffenen auch, nicht ohne Zweifel an der Richtigkeit der Maßnahme zu bekunden. Einfluss auf die Entscheidung hatte dieser Vorgang aber nicht. Die Mehrheit von CDU und FDP für Simmerath war überzeugend.

Buch äußerte, rein rechtlich könne der Rat nur so etwas wie eine Absichtserklärung aussprechen. Im Düsseldorfer Landtag werde nämlich erst am 21. Oktober ein die Sekundarschule betreffendes Gesetz verabschiedet. Bis dahin bewege man sich quasi im Nebulösen. Dennoch: Letzte Zweifel darüber, was Hürtgenwald will, sind ausgeräumt.

Buch präsentierte zur Sitzung überraschend auch neue Schülerzahlen. Demnach werden mehr Kinder als zuvor bekannt war aus den Gemeinden Hürtgenwald und Simmerath eine Sekundarschule besuchen. Es hätten auf Bitten der Bezirksregierung bestimmte andere Schüler hinzugerechnet werden müssen, so hieß es.

In dem ganzen Verfahren scheint auch das Gymnasium in Vossenack eine wichtige Rolle zu spielen. Dazu muss man wissen: Jede Sekundarschule bietet in Kooperation mit einem vorher festgelegten Gymnasium auch das Abitur an. Das Franziskus-Gymnasium in Vossenack kämpft um jeden Schüler und rechnet sich schlechtere Chancen aus, wenn Kooperations-Gymnasium für die neue Sekundarschule nicht Vossenack, sondern das Gymnasium in Kreuzau würde.

Die Verwaltung stellte in der Sitzung eine Art „Fahrplan” vor, dem zu entnehmen war, was wann bis zum Anmelderverfahren geschehen wird. Aus den Zuschauern kam die Frage nach der Ganztagsbetreuung, die zur Sekundarschule gehört, die aber in Hürtgenwald von 40 Prozent der Eltern abgelehnt wird. In der Tat hat man in ländlichen Gebieten die Kinder gern nachmittags zu Hause. Oft gibt es Mütter und Großeltern, die bei den Hausaufgaben prima helfen können, und es ist hier auch noch wichtig, das Mittagsessen im Kreise der Familie gemeinsam einzunehmen.

Es gebe noch viel Klärungsbedarf, wusste Buch, und er hätte sich gewünscht, man hätte die Sache langsamer angehen können. „Doch eines ist ganz sicher. Spätestens in zwei Jahren haben unsere beiden weiterführenden Schulen nicht mehr genug Schüler.”

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