Kleines Herbstkonzert im Töpfereimuseum in Langerwehe

Musikalische Förderung geistig behinderter Menschen : „Kleines Herbstkonzert“ berührt die Zuhörer

„Seit 22 Jahren fangen wir mit dem gleichen Stück an, und hören mit dem gleichen Stück auf“, so Sandra Kinkel eingangs. „Falls Sie eine Zugabe wünschen.“

Natürlich will das Publikum eine Zugabe haben, spendet frenetischen Beifall und freut sich über die vielen neuen Stücke zwischen Beginn und Ende des Konzertes.

Im Töpfereimuseum in Langerwehe sind alle Stühle besetzt, einige sind noch dazu gestellt worden. Und dennoch müssen viele Fans des „kleinen Herbstkonzertes“ stehen. Hier musizieren Michael Hefter, Markus Pütz, Wolfgang Meinhold, Udo Kinkel, Thomas Steiert, Achim Schmolt, Helga Gräfrath, Wiltrud Maaßen, Gaby Wolff, Kirsten Conradi und Manuela Küpker gemeinsam. Die meisten von ihnen sind Gründungsmitglieder des „Vereins zur musikalischen Förderung geistig behinderter Menschen“.

Einmal pro Woche treffen sich die musikbegeisterten Männer und Frauen, um gemeinsam zu musizieren, neue Stücke einzuüben und sich auf das alljährliche Herbstkonzert im Töpfereimuseum vorzubereiten.

Mit „Miniatures“ von Edie Harries haben sie sich im vergangenen Jahr einer besonderen Herausforderung gestellt, „und sich manchmal schwergetan“, wie Kinkel erzählt. Fast alle könnnen Noten lesen, nur zwei, nämlich Michael Hefter und Thomas Steiert, spielen nach Gehör. Allen Musikern auf der Bühne ist die Spielfreude anzumerken, und das Gefühl, in dieser Gruppe gut aufgehoben und individuell unterstützt zu werden. Jeder bekommt die Möglichkeit, sich mit einem Solo oder in einer kleineren Gruppe zu präsentieren.

Bei bekannten Weisen wie „My Bonnie is over the Oceon“ ist das Publikum nicht mehr zu halten und singt mit. „Ich weiß ja jetzt, dass Sie alle singen können“, sagt Kinkel, und bittet auf weitere Gesangseinlagen zu verzichten – im Sinne der Musiker, die dadurch teilweise aus dem Rhythmus gebracht würden.

Kurzweilig und humorvoll führt die Vereinsgründerin durch das anderthalbstündige Konzert. Sie gibt „ihren“ Musikern Hilfe, wo es sein muss, und nimmt sich ansonsten zurück. Kein Wunder, dass es zum Ende des Konzertes einen Blumenstrauß und eine herzliche Umarmung von Musikerin Kirsten Conradi gibt.

Für alle gibt es tosenden Applaus, und bei manchen Zuhörern kullert ein Tränchen der Rührung.

(wey)
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