Düren: Kleine Zelte, die eine große Wirkung haben

Düren: Kleine Zelte, die eine große Wirkung haben

Ein bisschen verstörend ist es schon. Binnen einer halben Stunden stehen am Samstag Vormittag auf dem Vorplatz des Leopold-Hoesch-Museums in Düren plötzlich 800 Flüchtlingszelte im Miniaturformat.

Sie sehen genau so aus wie die Unterkünfte, die wir alle aus dem Fernsehen kennen. Wie die Zelte aus den Flüchtlingslagern in Syrien, Afrika oder im Westjordanland. „Ich erkläre Düren hiermit zum Klimaflüchtlingslager“, sagt Künstler Hermann Josef Hack, der auf Einladung des „Fördervereins für Menschenrechte Düren“ seine außergewöhnliche Kunst in der Rurstadt präsentiert hat.

„Für mich“, sagt Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann, „steht die Arbeit von Hermann Josef Hack in der Tradition der ‚sozialen Skulpturen‘ von Joseph Beuys.“ Es gehe um Kunst auf einem humanen Level, so Goldmann, Kunst, an der die Menschen sich treffen sollten, um zu diskutieren und nachzudenken.

50 Millionen Flüchtlinge

Heute gibt es nach Schätzungen der Vereinten Nationen weltweit über 50 Millionen Flüchtlinge. Im Jahr 2050 soll sich diese Zahl vervierfacht haben. Zusätzlich zu Kriegen und den bekannten Naturkatastrophen werden die unmittelbaren Folgen des Klimawandels, zum Beispiel Dürre, Wirbelstürme und Flutkatastrophen, die Ärmsten am härtesten treffen. Hermann Josef hack: „Diese Menschen nennt man Klimaflüchtlinge. Natürlich können wir sagen, dass uns die Flüchtlingsproblematik nichts angeht, weil wir in Deutschland nicht direkt betroffen sind. Wir können uns aber auch die moralische Frage stellen, ob es nicht unsere Pflicht ist, den Flüchtlingen zu helfen. Auch in Düren. Sollen wir wirklich Menschen, denen ihre Heimat genommen wurde, wie feindliche Eindringlinge bekämpfen?“ Mit seinem „Mini-Flüchtlingscamp“ schafft Hermann Josef Hack einen Perspektivwechsel. Die Menschen gucken von oben auf die kleinen Zelte, die der Künstler mit Hilfe von Schuhcartons gebaut und gemeinsam mit seinem Assistenten Jan Falkenburg vor dem Leopold-Hosch-Museum postiert hat.

Symbole wie das bekannte Logo von UNHCR, der Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen, lassen keine Zweifel zu, um welche Zelte es sich handelt, trotzdem hat man als Besucher einen gewissen Abstand. Hermann Josef Hack: „Dieser Perspektivwechsel ist mir sehr wichtig. Die Zelte wirken nicht mehr bedrohlich und ermöglichen es den Menschen vielleicht deswegen, ganz anders an die Themen Flüchtlinge und Klimawandel heranzugehen.“

Hermann Josef Hack ist seit sieben Jahren mit seinem Klimaflüchtlingslager auf Tournee und bringt das Thema immer nur für einen Tag auf öffentliche Plätze. Unter anderem war das Kunstprojekt bereits in Berlin, Mumbai, Addis Abeba und Peking zu sehen. Hack: „Die Reaktionen der Menschen sind ganz unterschiedlich. Nur ganz wenige reagieren wirklich negativ oder gar ablehnend.“ Sein Klimaflüchtlingscamp, so Hack, sei eine Momentaufnahme. „Nach dem einen Tag, wo meine Zelte da sind, ist alles wieder wie vorher. Es gibt wieder eine heile Welt. Aber die Menschen haben inne gehalten, und fangen vielleicht an, sich mit dem Thema intensiver auseinander zu setzen.“

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