Klassik und Jazz: „Baroque and Blue“ begeistert auf Schloss Burgau

Schloss Burgau : „Baroque and Blue“ begeistert mit einer Mischung aus Klassik und Jazz

Als Grenzgänger zwischen klassischer Musik und Jazz sind die Musiker des Quartetts „Baroque and Blue“ bereits seit 2005 weltweit unterwegs. Am Sonntagabend legten sie einen Zwischenstopp auf Schloss Burgau ein.

Auf Einladung von Dürens Musikenthusiasten und -spezialisten des Konzertforums „Capella Villa Duria“ brachten sie mit dem Programm „Classic trifft Swing“ ein atemberaubendes Crossover zwischen klassischer Musik und Jazzmusik auf die Bühne des Konzertsaales.

In diesem Musik-Set treffen Kompositionen des Barock-Komponisten Georg Friedrich Händel auf jazzige Arrangements von George Gershwin, Claude Bolling und Alan Weinberg. Aber auch Händel selbst wird zum Swingen gebracht. In einem Arrangement des slowenischen Pianisten Blaž Pucihar wird aus einer Händel-Sonate in a-Moll ein Fusion-Stück mit dem Titel „A minor swing sonata“.

Der französische Pianist und Komponist Claude Bolling, den das mit Klavier, Flöte, Bass und Perkussion ausgestatte Ensemble ebenfalls im Gepäck hatte, ist bereits seit den 1970er Jahren mit dem Zusammenführen klassischer und jazziger Musik-Konventionen beschäftigt. In seinen Kompositionen verschmelzen Phrasen beider Sparten ineinander und werden zum fulminanten Soundgemälde, das nicht zufällig an Filmmusik erinnert. Bolling komponierte von 1960 bis Ende der 1990er Jahre auch Musik für internationale Kinoproduktionen.

Schon bei George Gershwin, aus dessen Werk Rainer Gepp drei kurze Stücke für Piano auf Schloss Burgau spielte, gab es das Verschmelzen von Klassik und Jazz. Geshwins Klavierstücke „3 Préludes für Klavier solo“, 1926 erstmalig aufgeführt, sind Beispiele der amerikanischen Klassik des frühen 20. Jahrhunderts, die von sich aus Verbindungen mit anderen Sparten – hier mit der Jazzmusik – suchte. Auch bei Gershwin werden die einzelnen Stränge nicht nacheinander, sondern ineinander verschachtelt präsentiert. Rainer Gepp spielte diese Stücke nicht nur virtuos, sondern auch besonders ausdrucks- und gefühlvoll.

Der in Köln und Paris ausgebildete klassische Pianist Gepp kam erstmals durch die Begegnung mit dem Dresdner Bassisten Roger Goldberg mit der Welt des Jazz in Berührung. Goldberg selbst absolvierte sowohl ein klassisches Musikstudium als auch ein Jazz-Studium an der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ in Dresden, wo er von der Klassik zum Rock-Jazz-Pop-Studium wechselte. Beim Konzert auf Schloss Burgau überzeugte Goldberg mit absolut präzisem Spiel und ansteckender Spielfreude. Schlagzeuger Enno Lange swingte und groovte im Zusammenspiel der Musiker und erschuf einen Soundteppich mit Sogwirkung.

Flötistin Christiane Meininger sorgte mit ihren Einsätzen für die kammermusikalische Veredelung der Arrangements. Die Begeisterung der Musiker für das Miteinanderspielen und das Crossover zwischen den Musikwelten war deutlich zu merken und dieser Funke sprang auch auf das Publikum über.

Die vier Ausnahmemusiker haben sich übrigens auf hoher See kennengelernt, auf einem Kreuzfahrtschiff. Damals spielten die beiden klassischen Musiker Gepp und Meininger und die Jazzer Goldberg und Lange noch in getrennten Ensembles. Weil sie sich so sympathisch waren, beschlossen sie, nicht nur zusammen zu spielen, sondern auch ihre Sparten miteinander verschmelzen zu lassen.

Am Anfang gab es wenige, vorgefertigte Arrangements. Mittlerweile komponieren Komponisten aus der ganzen Welt Stücke für sie, wie der Amerikaner Alan Weinberg, dessen „Salsa Suite“ sie interpretierten oder die bekannte australische Komponistin Elena Kats-Chernin, deren für „Baroque and Blue“ komponierten Song „Pink Breasted Robin in a Silvery Light“ sie dem begeisterten Publikum als Zugabe darboten.

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