Düren: „Klasse Tour“: Maskentheater fasziniert die Zuschauer

Düren: „Klasse Tour“: Maskentheater fasziniert die Zuschauer

Ton, Silikon, etwas Gips. Das eigentlich Substanzielle, nämlich der Gesichtsausdruck des Schauspielers, erstarrt. Die Künstler sind vermeintlich gefangen in einem einzigen Ausdruck. Es sind Masken hinter denen die Schauspieler des Theater Strahl aus Berlin am Mittwochabend im Haus der Stadt agieren.

Masken, die für die Körper, die sie tragen, zu groß sind. Deren Nasen karikaturartig hervorstehen. „Klasse Tour“ nennt sich das Stück, in dem die Maskierten auftreten. Die eigentliche Handlung erscheint jedoch — zumindest auf den ersten Blick ein wenig fad und ausgereizt.

Es geht um die von zahllosen Schülergenerationen durchgestandene Klassenfahrt mit all ihren obligatorischen Facetten: Rangeleien um den begehrtesten Platz im Zug, um das schönste Zimmer, Wanderungen in der idyllischen Peripherie, kraftzehrende Museumsbesuche, Schmuggeleien von Drogen, traute Zweisamkeit zwischen Schülern. Doch unter der Regie von Michael Vogel kommt die Geschichte in einem völlig neue Gewand daher.

Einfach faszinierend

Einer der Gründe für den Glanz: Mando. Er ist mehrfacher Deutscher Meister im Beatboxen und spielt, beatboxt live den Soundtrack. Das Rauschen an der stürmischen Küste gehört für ihn dabei zu den Aufwärmübungen. Durch sein faszinierendes Können schafft der Künstler einen abwechslungsreichen Rahmen, der durch die Kulisse komplettiert wird.

Im Hintergrund erstreckt sich eine große Leinwand, auf die via Postkartenkarussell verschiedene liebevoll hergerichtete Ansichten projiziert werden. Im Vordergrund sind klar strukturierte, in dunklen Farben gehaltene Bauelemente, die mal als Zug in Erscheinungen treten, dann wieder die Mensa darstellen sollen. Innerhalb dieser Grenzen entspinnt sich eine wahre schauspielerische Meisterleistung. 14 Charaktere sind in dem Stück integriert. 14 Stereotypen, die von nur fünf Schauspielern gemimt werden.

Auf die Gesten kommt es an

Das, was die Akteure auf der Bühne normalerweise durch Mimik und Sprache erschaffen, fällt hier komplett weg. Keine der Figuren tritt als Wortakrobat in Erscheinung. Vielmehr steht die Geste, der Ausdruck des Körpers im Vordergrund.

Es bedarf also einer unheimlichen Fähigkeit, Intention und Gefühle der Charaktere auszudrücken. Und diese Fähigkeit besitzen alle fünf Schauspieler, perfektioniert bis in die Fingerspitzen. Da beginnt man als Zuschauer zuweilen zu fantasieren, Regungen in den Masken zu erkennen.

Insgesamt ist es ein ruhiges Stück. Die spezielle Untermalung durch Mando kommt nur in manchen Szenen zum Zuge. Und trotz dieser Stille, die sich da eigentlich auf der Bühne verbreitet, erscheint das gesamte Werk unglaublich lebendig und geräuschvoll: Das genau ist das Verdienst der brillanten Arbeit des gesamten Ensembles.