Kirchenchor führt im Jubiläumsjahr die "Carmina Burana" auf

Zum Chorjubiläum die „Carmina Burana“ : Kantorei wird 100 Jahre alt

Eine Art Gründungsurkunde gibt es nicht. „Alle Unterlagen sind im 2. Weltkrieg durch ein Feuer zerstört worden“, sagt Kirchenmusiker Stefan Iseke. Trotzdem ist überliefert, dass der Kirchenchor der Evangelischen Gemeinde zu Düren vor 100 Jahren am 19. Januar gegründet worden ist.

Den Geburtstag feiert die Dürener Kantorei mit besonderen musikalischen Aufführungen. Schon in den frühen 1890er Jahren hatte es in der Evangelischen Gemeinde einen Kirchenchor gegeben, der sich aber im ersten Weltkrieg mangels Männerstimmen auflöste. „Die Männer wurden alle in den Krieg geschickt“, sagt Iseke. „Zwischendurch gab es nur einen Kriegsfrauenchor.“ 

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Chor dann unter der Leitung des Lehrers August Fachinger neu gegründet und ist seitdem – abgesehen von einer kurzen Unterbrechung im 2. Weltkrieg – kontinuierlich tätig.

Iseke: „Wir fühlen uns heute als wichtiger Bestandteil des Dürener Kulturlebens“, betont Iseke. Ein Bestandteil, der eben auch „weit über die Gemeindegrenzen hinaus“ wirke, wie Jochen Hoffmann vom Förderkreis „Musik in der Christuskirche“ ergänzt. Iseke ist seit 2004 als Kantor in Düren tätig, hat in dieser Zeit unter anderem die beiden großen Passionen und das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach aufgeführt, sich Wolfgang Amadeus Mozart gewidmet und auch weniger bekannter Chorwerke angenommen.

„Natürlich ist die Kirchenmusik auch Teil der Verkündigung“, sagt Iseke, der an sich und seinen Chor einen hohen Anspruch stellt. Das wird auch bei der Auswahl der drei großen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr deutlich. In einem Kantaten-Gottesdienst am Sonntag, 20. Januar, 10 Uhr in der Christuskirche wird die Bach-Kantate „Gott, der Herr, ist Sohn und Schild“ aufgeführt.

Begleitet von einem 22-köpfigen Orchester und zwei Solisten wird der 60-köpfige Erwachsenenchor „seinem Dank für Gottes bleibende Treue“ Ausdruck verleihen. Am Sonntag, 19. Mai, folgt dann die Kantate „Feuermusik“ des Komponisten Daniel Stickan. Vor mehr als zehn Jahren hatte Iseke einen Kinder- und Jugendchor neben dem Erwachsenenchor initiiert – bei dieser Gelegenheit werden alle drei Chöre gemeinsam vortragen.

„Fast schon frivol

Den Schluss- und Höhepunkt wird dann am Sonntag, 22. September, um 18 Uhr in der Christuskirche die Aufführung der „Carmina Burana“ von Carl Orff darstellen. Iseke: „Es mag verblüffen, dass ein evangelischer Chor so ein weltliches, fast schon frivoles Stück aufführt.“ Erst recht, wenn der erklärte Schwerpunkt die Klassik ist.

Für Iseke ist das aber kein Widerspruch: „Wir sind offen, haben auch schon eine Tango-Messe gesungen. Die Stilistik hat nicht mit fromm oder nicht zu tun.“ Eine Herausforderung wird die „Carmina Burana“ allemal, weil man sie in einer Fassung für zwei Flügel und Schlagwerk präsentiert. „Für ein Orchester wäre die Kirche zu klein, zumal wir von der Kantorei Aachen Südwest unterstützt werden.“

Mehr als 120 Sänger werden dann in der Christuskirche zu hören sein. „Unsere Fassung wird insbesondere das Perkussive der ‚Carmina Burana‘ zum Ausdruck bringen und den Stimmen der beiden Chöre mehr Raum bieten“, sagt Iseke. Aber auch inhaltlich wird man sich dem Werk nähern: Am 11. September gibt es die Möglichkeit, sich von dem Musikkritiker unserer Zeitung, Pedro Obiera, und Iseke in das wohl bekannteste Chorwerk des 20. Jahrhunderts einführen zu lassen. Zu dem Konzert können sich weitere erfahrene Chorsänger bei Iseke melden (02421/307958, orgelwolf.dn@t-online.de). „Es gibt bestimmt Sänger in anderen Chören, die sonst keine Chance hätten, die ‚Carmina Burana’ zu singen“, vermutet Hoffmann, der sich ebenfalls freuen würde, wenn der Kirchenchor dauerhaft Verstärkung finden würde.

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