Düren: Kirche: Vertrauen zurückgewinnen

Düren: Kirche: Vertrauen zurückgewinnen

Die Arbeit an der Basis ist es, die Peter Maas, Pfarrgemeinderat von St. Lukas, stärkt, wo er sich gerne engagiert. „Die Kirche vor Ort ist für mich eine ganz andere Ebene als die hierarchische Struktur alter Männer.”

Die Diskussion um Fälle sexueller Gewalt gegen Minderjährige in katholischen Einrichtungen ist natürlich längst an der Basis angekommen. Frustration und Empörung sind groß.

„Hier wurde nach dem Motto abwehren und warten gehandelt. Man hat vieles unter den Teppich gekehrt, in der Hoffnung, es kommt nichts raus. Das ist unerträglich”, bewertet Regionaldekan Hans-Otto von Danwitz die Vorkommnisse.

Hoher moralischer Anspruch

Dass der Papst inzwischen dazu aufgefordert hat, keine weiteren Straftaten zu vertuschen, sieht von Danwitz positiv. Dass er es explizit für die katholischen Iren, nicht für die Katholische Kirche in Deutschland formuliert hat, lässt Maas eher verzweifeln: „Da fehlt es offenbar an Flexibilität. Aber gerade von einer Institution mit so einem hohen moralischen Anspruch müsste man das eigentlich einfordern können.” In St. Lukas versucht man offen mit dem Thema umzugehen. Maas: „Unsere Priester sprechen das auf der Kanzel an.”

Dass der Umgang mit diesem Thema nicht immer ganz leicht ist, belegt ein Fall, den von Danwitz jetzt während einer Erstkommunionfeier erlebt hat. Die Kinder einer Gastfamilie hatten während des Gottesdienstes mit Nintendo-Geräten gespielt und die Messe gestört. Als die Mutter von einem Pfarrgemeinderat daraufhin angesprochen wurde, habe sie, so von Danwitz, mit den Worten „So lange ihr hier Missbrauch unterstützt, habt ihr mir nichts zu sagen” reagiert. „Das ist natürlich ungehörig, zeigt aber auch, wie groß der Vertrauensverlust ist, den die Kirche hier erlitten hat”, sagt von Danwitz.

Der Regionaldekan ist bekannt dafür, sich kritische Positionen bewahrt zu haben. Er hofft, dass der Skandal - ähnlich wie bei der Vernachlässigung von Kindern - eine neue Aufmerksamkeit schafft, die den Opfern dient. Zumal 95 Prozent der Missbrauchsfälle in Deutschland in den Familien passieren würden, wie Maas ergänzt. Eine neue Aufmerksamkeit könne gerade diesen Opfern helfen. Und die innerkirchliche Prävention? „Die setzt eine Änderung beim Umgang mit der Sexualität voraus. Ich hoffe sehr, dass diese Krise auch in höheren Etagen zu einem Umdenken führt - auch mit Blick auf das Zölibat”, sagt von Danwitz und erntet bei seinem Pfarrgemeinderat Zustimmung. Die Frage, wie Kirche überhaupt mit dem Thema Sexualität umgehe, gehöre dringend auf den Prüfstand, sind sich Maas und von Danwitz einig. Maas: „Wir Gläubigen würden von einem Pfarrer, der in einer Partnerschaft lebt, nur profitieren.”

Und der Regionaldekan ist sich sicher: „Das wird nicht mehr aufzuhalten sein.” Maas sieht die einzelnen Pfarrgemeinden vor Ort schon viel weiter, als die von ihm eingangs zitierte „hierarchische Struktur alter Männer”. Wenn der 45-jährige Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck wie jüngst in einer Fernsehsendung Homosexualität als „Sünde” und „widernatürlich” bezeichne, dann verzweifelt auch Maas an seiner Kirche. Aber: „Wenn wir hier vor Ort weiter arbeiten, wenn wir vom Glauben überzeugt sind, kann man auch Vertrauen zurückgewinnen”, ist sich Maas sicher.

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