Langerwehe: Kirche auf dem Rymelsberg: Auch die alten Römer waren in Langerwehe

Langerwehe : Kirche auf dem Rymelsberg: Auch die alten Römer waren in Langerwehe

Stammt die Alte Kirche auf dem Rymelsberg in Langerwehe wirklich aus dem Jahr 1157? Oder ist das historische Gotteshaus deutlich älter? Diese Fragen haben Dr. Hans Porschen und Ralpf Becker aus Langerwehe keine Ruhe gelassen.

Die beiden Männer haben Literatur gewälzt und eine sogenannte dendrochronologische Untersuchung in Auftrag gegeben. Und die Ergebnisse sind interessant. Als Ralph Becker, der von sich selbst sagt, dass es für ihn wie ein innerer Trieb sei, die Geschichte seiner Heimat zu erforschen, im Sommer 2017 in der Alten Kirche einen Balken entdeckt hat, der im Rahmen von Sanierungsarbeiten am Dachstuhl ausgetauscht worden war, kam ihm eine Idee. „Wir haben immer gesagt, dass die Alte Kirche im Jahr 1157 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, und dass wir vermuten, dass sie in Wahrheit viel älter ist. Es gab aber keine Beweise. Als ich den Balken gesehen habe, kam mir der Gedanke, ihn professionell untersuchen zu lassen.“

Gemeinsam mit Dr. Dorothee Heinzelmann vom Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes (LVR) und der Universität zu Köln sind insgesamt fünf Proben aus Balken des Turmes und des Chorgestühls der Kirche untersucht worden. Experten haben diese bleistiftgroßen Proben entnommen und dendrochronologisch untersucht. Ralph Becker erklärt, wie das funktioniert: „Die Jahresringe des Holzes haben verschiedene Dicken. Das liegt daran, dass Bäume in nassen Perioden mehr wachsen als in trockenen. An der Universität aus Köln gibt es Referenzbalken aus allen Epochen, mit denen unsere Holzproben verglichen wurden.“ Diese Untersuchung, ergänzt Becker, sei bis auf maximal fünf bis zehn Jahre mehr oder weniger exakt.

Nicht älter als 861 Jahre

Von den Ergebnissen der Balken-Analyse sind Becker und die Verantwortlichen der Alten Kirche ein wenig enttäuscht. Walter Rosarius vom „Verein zur Erhaltung der Alten Kirche“: „Wir hatten gehofft, dass die Untersuchungen unsere Vermutungen, dass die Kirche deutlich älter ist als 861 Jahre, bestätigen. Das ist aber leider nicht der Fall.“ Die untersuchten Proben stammen aus den Jahren 1480 beziehungsweise 1570. Diese Daten können die Geschichtsfreunde aus Langerwehe erklären. Es ist bekannt, dass der Umbau des Gotteshauses zu einer dreischiffigen Hallenkirche im Jahr 1493 beendet war. Im Anschluss wurde der Turm errichtet. „Die untersuchten Balken“, sagt Rosarius, „stammen also nicht aus der Ursprungskirche.“

Parallel zu den Experten der Universität in Köln hat Dr. Hans Porschen, lange Jahre Ortsvorsteher und Geschäftsführer des „Vereins zur Erhaltung der Alten Kirche“, eine umfangreiche Literaturrecherche betrieben — unter anderem in den Archiven des Bistums Aachen. „Ich habe 29 seriöse Quellen ausgewertet, die mit abschließender Sicherheit beweisen, dass es die Alte Kirche 1157 schon gegeben hat.“ Porschen kann belegen, wie die ersten Pfarrer hießen, die in der Alten Kirche Dienst getan haben. „Ohne Kirche hätte es damals in Langerwehe auch keine Priester gegeben. Das Gotteshaus muss da gewesen sein.“

Eine christliche Kultstätte?

Porschen hat auch herausgefunden, wem das Gotteshaus seinerzeit gehört hat. „Die Grafen von Limburg haben bestimmt, wer in Langerwehe Pfarrer wird. Sie haben das Gotteshaus finanziert.“ Genau wie übrigens Kloster Wenau und die Laufenburg. Porschen: „Für die Grafen von Limburg war Langerwehe mit den drei genannten Gebäuden ein wichtiges Gegengewicht zum Grafen von Jülich.“ Auch für die These, dass es schon im siebten Jahrhundert nach Christus da, wo heute die Alte Kirche steht, eine christliche Kultstätte gegeben hat, hat Porschen Belege gefunden. „Es hat im siebten Jahrhundert auch in unserer Gegend Adelsfamilien gegeben, die an ihrem Gut private religiöse Kapellen in primitivster Architektur, also kleine Holzkapellen, unterhalten haben“, sagt Porschen.

In Pier, das dem Tagebau zum Opfer gefallen ist, so Porschen weiter, habe es zudem Gräberfunde gegeben, die eindeutig belegen würden, dass es im siebten Jahrhundert dort schon christliches Brauchtum gegeben habe. „Pier ist von Langerwehe nur wenige Kilometer entfernt. Wir können also davon ausgehen, dass es auch in Langerwehe damals christlichen Glauben gegeben hat.“ Vermutlich waren aber auch schon die alten Römer auf dem Rymeslsberg aktiv. Das belegen Funde von römischen Ziegeln und einem römischen Webgewicht unter der Kirche.

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