Kinkelswoche: Von Klimaschutz und Volkshochschul-Kursen

Kinkels Woche : „Ähms“, „Öhs“, Klimaschutz und Erbrecht

Wissen Sie, was Klimaschutz, Hühner und ein Wortlautprotokoll miteinander zu tun haben? Naja, alles ist mir irgendwie in dieser Woche begegnet. Aber lesen Sie selbst!

Die Niederschrift des Langerweher Kulturausschusses, bei der „Äh“, „Öh“ und „Ähm“ gleich mit im Langerweher Mitteilungsblatt veröffenticht wurden, hat – zu Recht – für jede Menge Diskussionen gesorgt. Es ist berechtigt, dass die Betroffene sich eine Entschuldigung wünscht. Und zwar vom Ausschussvorsitzenden und der Protokollantin. Noch besser wäre gewesen, eine Veröffentlichung in der Form hätte es gar nicht erst gegeben. Es wäre Aufgabe des Bürgermeisters gewesen, sie zu verhindern.

Die Stellenanzeige, die Josef Cremer, Pflegedirektor der LVR-Klinik in Düren, entdeckt hatte, war bemerkenswert. Das Universitätsklinikum Wuppertal versprach neuen examinierten Pflegekräften unter anderem 6000 Euro Willkommensbonus. Abwerbprämien zahlen die drei Kreis Dürener Krankenhausträger, also die ctw, das Krankhaus Düren und die LVR-Klinik bisher noch nicht. Josef Cremer ist aber davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es dazu kommt. Der Pflegenotstand ist auch in der Region angekommen. Einig sind sich die Vertreter aller Krankenhäuser, dass der Pflegeberuf in der Gesellschaft eine bessere Wertschätzung verdient. „Es geht nicht nur um waschen und Po abputzen“, hat eine junge Pflegeschülerin es in unserem Gespräch treffend auf den Punkt gebracht. „Bei der Pflege geht es um die medizinische Versorgung der Patienten, aber auch um die soziale Betreuung. Das ist ein sehr komplexer Beruf.“ Dem ist nichts hinzuzufügen, bleibt nur zu hoffen, dass das endlich in den Köpfen von viel mehr Menschen ankommt.

Im Wortlautprotokoll wurden „Ähms“, „Öhs“ und „Ähs“ gleich mit veröffentlicht. Die betroffene Grünen-Politikerin fühlt sich öffentlich vorgeführt. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Der Kreistag hat vor wenigen Wochen die Klimanotlage – und bewusst nicht den Klimanotstand – ausgerufen, und jetzt werden erste Maßnahmen deutlich. Auf dem Kreishaus-Parkplatz gibt es eine Solartankstelle. Und die soll ein erster Bestandteil eines alternativen Tankstellennetzes sein, zu dem in Zukunft beispielsweise auch fünf Wasserstofftankstellen gehören sollen. Es ist gut, dass der Kreis Düren diese Initiative gestartet hat, aber um den Klimaschutz wirklich voranzutreiben, muss sich jeder an die eigene Nase packen – und sein eigenes Verhalten ändern. Zum Beispiel auch das Konsumverhalten. Bei unserer Sommertour zum Hermannshof in Eschweiler über Feld haben Landwirt Wilhelm Püllen und seine Mutter Anneliese den Kindern erklärt, wie gute Hühnerhaltung aussieht, wie viele Eier ein Huhn legt und wie Kartoffeln auf einem großen Acker aussehen. Eins ist sehr schnell deutlich geworden: Bei aller Automatisierung, die es mittlerweile auf dem Betrieb mit 27 Mitarbeitern gibt, muss Vieles immer noch per Hand gemacht werden. Und bis ein Ei in der Pfanne oder eine Kartoffel im Topf landen, haben der Landwirt und seine Kollegen jede Menge Arbeit. Und die gibt es nun mal nicht zum Nulltarif – schon gar nicht, wenn es eben nicht um Massenproduktion geht. Und damit sind wir dann auch wieder beim Thema Klimaschutz angekommen.

Das „Führen eines ordentlichen Haushaltes“ war für den früheren Dürener Oberbürgermeister August Klotz vor 100 Jahren die „Hauptbedingung eines glücklichen Familienlebens“. Und ohne Zweifel gehörten für ihn dazu nicht nur, dass die Hausfrau gut kochen konnte und sehr reinlich war, sondern auch „Sparsamkeit und die Kunst, die Einnahmen richtig zu berechnen und die Ausgaben so gering wie irgend möglich zu gestalten“. Dafür müssten Frauen gut rechnen können und sich mit „modernen Zahlmitteln“ auskennen. Warum ich Ihnen das erzähle? Vor 100 Jahren wurde in Düren die Volkshochschule eröffnet. Und es waren genau diese Themen, die damals auf dem Stundenplan standen. So gesehen ist das VHS-Angebot auch ein Stück Zeitgeschichte. Heute ist das Programm 208 Seiten stark und hat völlig andere Kurse, zum Beispiel „Erbrecht in der Patchworkfamilie“.

Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich wie immer ein schönes Wochenende. Vielleicht haben Sie Lust, mir eine Mail zu schicken. Ich würde mich freuen! Bis nächsten Samstag.

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