Kinkels Woche: Von einer Tigerente und einer besonderen Handtasche

Kinkels Woche : Von Enten, dringender Hilfe und einer Handtasche

Können Sie sich vorstellen, dass in der Rur Tigerenten schwimmen? Und dass der Kauf einer kleinen, schwarzen Handtasche durchaus traumatische Folgen haben kann? Mir ist bei der Arbeit in der Dürener Lokalredaktion in dieser Woche Beides begegnet. Aber lesen Sie selbst!

Dass der Vettweißer Tisch nach zehn Jahren vor dem Aus steht, weil der Bus, mit dem die Lebensmittel zu den Bedürftigen gebracht werden, defekt ist, ist schlimm. Die Menschen sind auf die Lebensmittel, die sie jede Woche bekommen, angewiesen. Ihr Einkommen reicht nicht, um in einem normalen Supermarkt einkaufen zu gehen. Auf der anderen Seite hat sich die Finanzmisere aber vermutlich auch schon länger angekündigt. Und die Verantwortlichen des Vettweißer Tisches müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, sich nicht rechtzeitig genug um Sponsoren und Unterstützung bemüht zu haben. Und auch der Gang zum Bundesverband der Tafeln in Berlin ist längst überfällig. Vielleicht war es so, dass der Vettweißer Tisch bei seiner Gründung vor zehn Jahren keine Vettweißer Tafel werden konnte, weil es im nur rund zehn Kilometer entfernten Zülpich bereits eine Tafel gab. Mittlerweile gibt es aber im Kreis Düren beispielsweise die Langerweher Tafel und die Dürener Tafel – auch nur zehn Kilometer voneinander entfernt. Beide profitieren hin und wieder vom Dachverband, der selbst auf seiner Internetseite schreibt, dass er Spender sucht. Wörtlich heißt es da: „Der Dachverband vermittelt überregionale Partner und Förderer für die lokalen Tafeln – vom Lebensmittelspender oder Geldgeber bis zum kostenlosen Dienstleister.“ Die Verantwortlichen des Vettweißer Tisches sollten schnell aktiv werden – und nicht warten, bis vielleicht andere die Initiative ergreifen. Damit den Menschen, die die Lebensmittel so dringend brauchen, auch in Zukunft diese wichtige Hilfe zu Teil werden kann.

Dass Armut mittlerweile ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, haben in dieser Woche auch die Verantwortlichen der „Interessengemeinschaft Seniorenarbeit in der Region Düren/Jülich“ (ISaR) deutlich gemacht. Natürlich verstehen sich die – zum Teil ehrenamtlich – engagierten Männer und Frauen dieses Netzwerkes in erster Linie als Sprachrohr für Senioren. Aber sie wollen eben auch generationsübergreifend arbeiten. „Wer als junger Mensch den Mindestlohn bekommt, landet irgendwann in der Altersarmut“, hat ISaR-Sprecherin Monika Sandjon es auf den Punkt gebracht und damit die Hoffnung verbunden, dass dieses Problem bald auch von der Mitte der Gesellschaft erkannt wird.

Dass es dem Wald auch in unserer Region im Augenblick nicht wirklich gut geht, hat Konrad Hecker im Interview noch einmal bekräftigt. Aber nicht nur den Bäumen machen Hitze und Trockenheit zu schaffen – auch der Weiher an Schloss Burgau, in dem unter anderem Karpfen, Schleien, Hechte und Zander leben, leidet unter dem Klimawandel und wird jetzt ein Fall für das Technische Hilfswerk (THW). Die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen, vor allem aber auch die permanente Fütterung von Enten, Gänsen und Schwänen sind nicht spurlos an dem stehenden Gewässer vorübergegangen und haben das Algenwachstum explodieren lassen. Hinzu kommt ein pH-Wert von 9,5 – bei 10 sterben die Fische. Die Helfer vom THW sollen jetzt mit Hochleistungspumpen kubikmeterweise Frischwasser in den Weiher pumpen. Trotzdem noch einmal die eindringliche Bitte der Verantwortlichen von Stadt und Kreisfischereiverein, Tiere an öffentlichen Wasserflächen nicht zu füttern. Mit der gut gemeinten Nahrungszufuhr werde das ökologische Gleichgewicht gestört.

Das Wasser im Burgauer Weiher ist grasgrün. Überfütterung hat zu einem explosionsartigen Algenwachstum geführt. Foto: ZVA/Jörg Abels

Um das Thema Entenfüttern ging es auch bei unserer letzten Sommertour für dieses Jahr mit Wasserpädagogin Claudia Goormann an die Rur. Die Fachfrau hat den Kindern erklärt, dass das Brot, mit dem sie die Enten füttern, für die Tiere wie Süßigkeiten für den Menschen ist. „Ist doch lecker“, hat ein kleines Mädchen gesagt. Und dann mit den anderen Kindern doch kurz überlegt. „Wenn wir immer nur Süßigkeiten essen, werden wir dick und bekommen Bauchweh“, hat ein Junge erkannt. „Da lassen wir die Enten doch lieber das fressen, was sie im Fluss oder Teich finden. Genau!

In dem Zusammenhang noch etwas Lustiges: Bei der Tour hatte Claudia Goormann die Federn verschiedener Vögel dabei, um sie von den Kindern bestimmen zu lassen. Eine war dunkelgrau (fast schwarz) mit gelben Punkten. „Ente?“, hat ein kleiner Junge gefragt. „Nein“, war die Antwort der Expertin, die natürlich wusste, dass es eine Perlhuhnfeder war. Aber der Knirps hat nicht aufgegeben: „Tigerente?“, lautete sein nächster Vorschlag. Und der war erstens naheliegend, weil Tigerenten natürlich schwarz-gelb sind. Und süß war er obendrein. Tigerenten sind einfach toll, das weiß ich noch aus meiner Kindheit.

Und die liegt schon ziemlich lange zurück – zumindest, wenn man meiner herzallerliebsten Kollegin aus dem Rosa Salon glauben kann. Okay, sie ist 28 Jahre alt und deutlich (16 Jahre) jünger als ich, aber ist das denn ein Grund zu behaupten, ich hätte meinen Mann kurz nach 1974 kennengelernt? Es kommt aber noch schlimmer, obwohl dieser kleine Verwechsler mich schon sehr getroffen hat. Die Kollegin und ich waren gemeinsam in der Stadt, um für die junge (sehr junge) Dame eine Handtasche zu kaufen. In Geschäft Nummer zwei nahm sie ein kleines Täschchen näher in Augenschein, was von mir mit dem Satz „Das ist ja wohl ein bisschen zu omahaft“ kommentiert wurde. Eine weitere Kundin mischte sich ein: „Das ist bei mir und meiner Tochter immer genau umgekehrt. Die sagt immer, die Sachen, die mir gefallen, sind altmodisch.“

Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich wie immer an dieser Stelle ein schönes Wochenende – genießen Sie das schöne Wetter, vielleicht beim Beachvolleyball-Turnier auf dem Schlossplatz in Jülich oder beim Mundartfestival im Willy-Brandt-Park. Für das Konzert mit „Köbes Underground“, der Hausband der Kölner Stunksitzung, gibt es jedenfalls noch eine Abendkasse. Ansonsten freue ich auf Ihre Mails. Bis nächsten Samstag!