1. Lokales
  2. Düren

Kinkels Woche: Online-Kolumne mit Rück- und Ausblicken

Kinkels Woche : Turnschuhe von Profisportlern, eine berührende Begegnung und selbst gebastelte Schutzengel

Rivalisierende Sportvereine, mintfarbene Turnschuhe und selbstgebastelte Figuren mit Flügeln und Haaren aus gelber Wolle – die Woche in der Lokalredaktion war wieder sehr abwechslungsreich. Aber lesen Sie selbst!

Die Lage im Testosteron-Zimmer war in dieser Woche kurze Zeit, sagen wir einmal, kritisch. Warum ist schnell erklärt: Der eine Kollege ist Fan von Borussia Mönchengladbach, der andere Anhänger des 1. FC Köln. Das äußert sich in den Kaffeetassen der beiden Herren und kann durchaus für Zündstoff sorgen.

Vor allen Dingen dann, wenn die beiden Fußball-Experten gemeinsam Sonntagsdienst haben, und ihre Clubs beide am Wochenende spielen. Wenn dann auch noch die eine Mannschaft 4:0 gewinnt und die andere 1:3 verliert...

 Köln, Gladbach – und in der MItte ein Statement gegen frühes Aufstehen.
Köln, Gladbach – und in der MItte ein Statement gegen frühes Aufstehen. Foto: Sandra Kinkel

Kurz gesagt: Schön war das nicht. Das ist bei Volleyball-Fans schon anders. Stefan Kriebs von den „Moskitos“, dem Fanclub der Powervolleys war am Mittwoch beim „Spiel der Spiele“ nicht nur mit einem Schal seines Vereins, sondern auch mit einem der Gegner, also der Berlin Recycling Volleys, „bewaffnet“. Noch mehr Fairness geht kaum.

Und wo wir gerade schon einmal beim Thema Volleyball sind: Die Turnschuhe der Dürener Spieler sind, ich möchte sagen, gewagt. Ich habe durchaus selbst eine große Affinität zu Schuhen und deren Kauf (und nerve meine Kollegen manchmal damit, wie lange ich mir schon keine neuen gekauft habe), aber die Turnschuhe so mancher Powervolleys sind selbst für eine ausgewiesene Schuhliebhaberin wie mich gewöhnungsbedürftig. Florian Lacassie beispielsweise trägt solche aus weißem Lack mit Blau und Gelb abgesetzt.

Tim Broshog setzt auf das Modell „Keine Angst vor den Achtzigern“ in knalligem Rot, Blau und Gelb. Und gegen die neuen mintfarbenen, knöchelhohen Schuhe von Kapitän Michael Andrei (in Schuhgröße 49,5) sind die glänzend-petrolblauen von Björn Andrae wirklich harmlos. Es kann für diese modischen Entgleisungen nur eine Erklärung geben: Die Gegner lassen sich davon ablenken. Wenn’s hilft und die Powervolleys am Sonntag den Einzug ins Halbfinale schaffen, soll es mir Recht sein. Viel Glück!

 Mintgrün oder im Stil der 80er Jahre – dann doch am liebsten blau und glänzend.
Mintgrün oder im Stil der 80er Jahre – dann doch am liebsten blau und glänzend. Foto: grafik

Riesiges Glück hatten auch die Leute, die am vergangen Samstag aus einem brennenden Haus an der Monschauer Straße gerettet wurden. Ein Polizist war zufällig an dem Gebäude vorbeigekommen und hatte das Feuer bemerkt. Er evakuierte das Geschäft und alarmierte die Feuerwehr – und sorgte so dafür, dass nur Sachschaden entstand, was alleine schon katastrophal ist.

Die rund 170, zum größten Teil ehrenamtlichen Einsatzkräfte haben bei den Löscharbeiten ihr Leben riskiert, um Schlimmeres zu verhindern, um dafür zu sorgen, dass die Flammen nicht auf die Nachbargebäude übergreifen. Umso schlimmer, dass die Wehrmänner auch noch gegen Gaffer und Handy-Filmer kämpfen mussten. Und die waren auch noch uneinsichtig. Sich entschuldigen und einfach weggehen? Fehlanzeige! Das wäre vermutlich zu einfach. Eher das Gegenteil war der Fall, und die Sensationslüsternen haben auch noch rumgemeckert. Zum Fremdschämen, wirklich.

Auch die Feuerwehr hat vielerorts Nachwuchssorgen. Deswegen gibt es immer mehr Kinderfeuerwehren für die ganz Kleinen im Kreis Düren. Bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Nörvenich gab es von den Nachwuchs-Blauröcken für die „alten Hasen“ eine tolle Überraschung: Die Kinder hatten Schutzengel für ihre erwachsenen Vorbilder gebastelt – und offenbar schon viel mehr verstanden, als die Gaffer von der Monschauer Straße jemals kapieren werden.

 Die Jungen und Mädchen der Nörvenicher Kinderfeuerwehr haben Schutzengel für die erwachsenen Feuerwehrleute gebastelt.
Die Jungen und Mädchen der Nörvenicher Kinderfeuerwehr haben Schutzengel für die erwachsenen Feuerwehrleute gebastelt. Foto: Peter Berndgen

In dieser Woche habe ich Hans-Werner Kohl getroffen, und es war eine dieser Begegnungen, die mich wirklich nachhaltig beeindruckt haben. In Kohls Leben ist nicht immer alles glatt gelaufen, und nach dem Tod seiner Mutter ist es völlig aus den Fugen geraten. Kohl konnte irgendwann die Miete nicht mehr bezahlen und musste in die Notschlafstelle ziehen.

Drei Dinge haben mich in dem Zusammenhang so bewegt und auch nachdenklich gemacht: Erstens: Kohl ist dankbar für seinen Schlafplatz in einem Dreibettzimmer. Zweitens: Er hat von einem türkischen Imbiss in Düren erzählt, in dem Menschen wie er sich bis 15 Uhr aufhalten und für fünf Euro gut und reichhaltig essen können. Und Drittens: Es gibt Menschen, die in der Notunterkunft leben und jeden Tag von dort Vollzeit arbeiten gehen – so miserabel ist der Wohnungsmarkt in Düren. Das zu ändern, sollte sich die Politik – auch die in Stadt und Kreis Düren – unbedingt auf ihre Agenda schreiben.

Falls Sie am Wochenende noch nichts vorhaben – der Sonntag wird sportlich. In Kreuzau startet das Radrennen „Rund um Düren“, in der Rurstadt findet zum 34. Mal der Stadtlauf statt. Und einer hat wahrhaftig noch nicht einen einzigen davon verpasst, auch dann nicht als der Dürener Lauf noch ein Silvesterlauf war: Peter Borsdorff.

Anfangs ging es ihm um läuferische Höchstleistungen und einen Platz auf dem Siegertreppchen, heute will er am Ende seiner Fünf-Kilometer-Runde möglichst viel zu tragen und ein volle Spendendose haben. Diesmal läuft Borsdorff für ein kleines Mädchen mit einer schwerkranken Mutter. Die beiden sollen ein Auto bekommen, damit sie mobil werden. „Pitter“ ist unterwegs – und das ist auch eine Höchstleistung.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch erzählen, wie Professor Herbert Schmidt darauf reagiert hat, dass ich mich am vergangenen Samstag über seine 167,5 Zentimeter Körpergröße lustig gemacht habe. „Es ist ausgesprochen vorteilhaft, nicht zu groß zu sein“, schreibt er. „Wenn es brenzlig wird, kann man sich relativ gut, und ohne gesehen zu werden, aus dem Staub machen.“

Ich freue mich auch auf Ihre Anregungen und Kritik – bitte schreiben Sie mir ganz viele Mails. Eine gute Woche und bis nächsten Samstag!