Kinderheim St. Josef: Die Ordensfrauen gehen nach 164 Jahren weg

Die Borromäerinnen verlassen das Kinderheim : 164 Jahre waren die Schwestern ohne Pause in Düren im Einsatz

Der Abschied fällt uns sehr schwer, aber wir gehen freiwillig. Und diese Entscheidung war sehr vernünftig.“ Schwester Simona (77) lächelt, aber man merkt der Ordensfrau deutlich an, wie traurig sie trotz aller Vernunft ist.

Am Sonntag geht im Kinderheim St. Josef in Düren, das mittlerweile nur noch Haus St. Josef heißt, eine Ära zu Ende. 164 Jahre, nämlich seit dem 1. Dezember 1855, betreuen Ordensfrauen der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Karl Borromäus die Jungen und Mädchen im Dürener Kinderheim.

„Einzig nach der Zerstörung Dürens während des Zweiten Weltkrieges haben die Borromäerinnen Düren verlassen. Am 10. November 1944 sind die Schwestern mit 100 Kindern nach Erfurt geflohen, nach dem Krieg haben sie zunächst zehn Jahre in Bracht im Kreis Viersen verbracht, bevor sie 1953 wieder zurück nach Düren gekommen sind. Schwester Gerharda (92) hat bis 1992 das Kinderheim geleitet. „Unser Orden hatte immer seine Schwerpunkte in der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Krankenpflege gehabt“, erklärt Schwester Gerharda. „Das war wohl auch der Grund, warum der Dürener Oberpfarrer Vahsen 1855 ausgerechnet Borromäerinnen gebeten hat, im Kinderheim zu arbeiten.“

Zehn Konvente im Kreis Düren

Dass die Borromäerinnen Düren verlassen – am Sonntag werden sie offiziell von Bischof Helmut Dieser in einem Gottesdienst verabschiedet (10.30 Uhr, Klosterkirche Karmel) – ist kein Einzelfall. Heute gibt es im Kreis Düren noch zehn Ordensgemeinschaften. Im vergangenen Jahr wurde der Trappistenkonvent in Mariawald aufgelöst. In Düren gibt es mit den Karmelitinnen, den Eucharistinern, den Cellitinen zur Heiligen Gertrud, den Ursulinen, den Karmeliannerinnen, den Armen Schwestern vom Heiligen Franziskus und den Schwestern vom göttlichen Herzen sieben Gemeinschaften. In Vossenack leben Franziskanermönche und in Jülich wirken die Oblaten des Heiligen Franz von Sales.

Die Zahl der Ordensleute hat sich seit 2008 mehr als halbiert, nämlich von 118 auf 52. „Orden wie unserer haben ein Nachwuchsproblem“, sagt Schwester Simona. „Warum das so ist, ist schwer zu sagen. Ich glaube einfach, dass unsere Lebensform für junge Frauen nicht mehr attraktiv ist.“

Früher haben bis zu 15 Ordensfrauen im Kinderheim St. Josef gelebt und gearbeitet. Jede Gruppe wurde von einer Schwester betreut. „Wir haben mit den Kindern gelebt, waren Tag und Nacht mit ihnen zusammen“, erinnert sich Schwester Simona. „Das war zwar manchmal anstrengend, hat aber natürlich dafür gesorgt, dass wir echte Bezugspersonen für die Kinder waren. Und viele kommen heute immer noch zu uns, wenn sie einen Rat brauchen, obwohl sie längst erwachen sind.“

Viele behinderte Kinder

Manchmal, ergänzt Schwester Stefanie, sei sie abends über die Straße gelaufen, weil Jugendliche nicht rechtzeitig nach Hause gekommen sind. „Genau so, wie eine Mutter das auch tun würde“, sagt die Ordensfrau. „Und die Kinder und jungen Leute haben diese Fürsorge wirklich honoriert.“ Schwester Gerharda, die ausgebildete Sozialpädagogin ist, hat sich vor allem um die vielen behinderten Kinder gekümmert, die im Kinderheim gelebt haben.

Zuletzt hat sie mit den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Haus St. Josef Deutsch gelernt. „Es ist einfach sehr schön, den Kindern und Jugendlichen etwas mit auf den Weg zu geben.“

Der Abschied aus Düren ist auch für die drei Schwestern ein Einschnitt. „Ich war 49 Jahre in Düren“, sagt Schwester Gerharda. „Diese Stadt und das Kinderheim waren mein Zuhause. Das zu verlassen fällt nicht leicht.“ Schwester Simona ist überzeugt, dass es vor allem die Kinder sind, die sie vermissen wird. „Wir gehen in die Senioreneinrichtung unseres Klosters“, sagt sie. „Und das ist auch richtig, weil wir helfen können, unsere Mitschwestern, denen es nicht mehr so gut geht, zu unterstützen. Trotzdem werde ich die Kinder und ihr Geschrei sicherlich sehr vermissen.“

Zum Glück ist Trier ja nicht aus der Welt. „Die Kollegen haben schon angekündigt, uns zu jedem Fest im Kinderheim und zu den Betriebsausflügen abzuholen“, sagt Schwester Simona und lächelt. „Und die Kinder haben schon gefragt, wo sie uns besuchen kommen können.“