Düren: Kein Angler-Latein: Am Echtzer See leben einige Biber

Düren: Kein Angler-Latein: Am Echtzer See leben einige Biber

Der Angler an sich schätzt die Ruhe. Die Entspannung. Den Blick aufs Wasser, gerne auch in der Dämmerung, weil die Fische dann am besten beißen. Nachtaktiv ist auch der Biber. Wenn es dunkel ist, bewegt er sich die Böschung hinauf, wieder hinunter und interessiert sich besonders für Bäume.

Speziell für deren Rinde. Die schmeckt ihm, die frisst er. Am Echtzer See gibt es Biber — und Angler. Das ist grundsätzlich kein großes Problem, bemerkenswert ist aber schon, weil mit Bibern am Echtzer See nicht unbedingt zu rechnen war.

Die fleißigen Nager sind vor Jahren am Rurufer in der Eifel bei Schevenhütte ausgesetzt worden, seit dem leben sie dort und wandern über Bäche — manchmal, wie man sieht, bis zum Echter See. Dort am Ufer sitzt Norbert Bachem bei einem alkoholfreien Weizenbier.

Er macht einen entspannten Eindruck. Bachem, 55, ist der Vorsitzender der Anglerinteressengemeinschaft Echtzer See, und sitzt gerne am Ufer des ehemaligen Braunkohlelochs, um zu angeln. Bachem kennt die Biber. Er spricht von „zwei bis drei Pärchen“. Einige Tiere hat er nachts schon gesehen. „Wir müssen uns arrangieren“, sagt er und deutet auf die andere Seite des Sees.

Dort hinten hätten die Biber zig Bäume angefressen. Man hätte es gut sehen können. Deshalb hat der örtliche Angelverein reagiert und die Biologische Station des Kreises Düren eingeschaltet. Norbert Bachem hat mit einigen Angler-Kollegen das Team Biber gegründet und in zusammen 300 Arbeitsstunden dafür gesorgt, dass viele Bäume unten am Stamm mit speziellen Metallmatten umwickelt werden.

Der Biber kommt dann nicht mehr an die Rinde. „Es besteht ja immer die Gefahr, dass die Tiere einen Stamm so angeknabbert haben, dass der Baum fällt“, sagt Bachem. Er kann von Bäumen berichten, die gestürzt sind. „Das kann gefährlich werden, wenn man am Ufer sitzt und angelt.“

Deshalb wird sich der Verein im November auch wieder aufmachen, um Stämme und Wurzeln zu schützen. 150 bis 170 Bäume seien noch „schützenswert“, sagt Bachem. Ob künftig noch mehr Biber kommen oder ob die Nager weiterziehen, kann er nicht sagen. Dafür das: „Der Echtzer See ist ein guter Platz für Angler.“ 14 Hektar groß, bis zu 20 Meter tief. Es gibt Rotaugen, Karpfen, Hechte, Aale, Barsche. Der Echtzer Klub angle aber nicht auf Masse, sagt Bachem. Die Branche nennt solche Leute „Kochtopfangler“, „nein“, sagt er, „darum geht es nicht“.

Man könne ohnehin nie sagen, was komme. „Beim Angeln weiß man nie, was passiert.“ Manchmal gar nichts. Kein Fisch beißt an. Dann bleibt nur die Entspannung. Die Ruhe, der Blick aufs Wasser. Und in seltenen Fällen, sollte es dunkel sein, könnte ein Biber zu sehen sein. Davon könnte erzählt werden. Ganz ohne Angler-Latein.

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