Düren: Kein Abitur mehr am Berufskolleg für Technik?

Düren : Kein Abitur mehr am Berufskolleg für Technik?

Die Zahlen sprechen für sich: Bisher haben sich nur zwölf junge Leute für das berufliche Gymnasium am Berufskolleg für Technik, einer Schule in Trägerschaft des Kreises, in Düren angemeldet. Damit ist dieser Ausbildungsgang zumindest akut gefährdet.

„Die Anmeldezahlen nehmen seit Jahren ab, jetzt drohen sie, kritisch zu werden. Wir brauchen mindestens 20 Anmeldungen, um diesen Bildungsgang weiter anbieten zu können“, sagt Schulleiter Erhard Kusch.

Das Berufskolleg für Technik an der Nideggener Straße in Düren gibt es seit 1986. Rund 1500 Schüler werden hier unterrichtet. Der weitaus größte Teil, nämlich rund 1200, sind Berufsschüler, die eine duale Ausbildung machen. Die anderen besuchen die schuleigene Fachoberschule, die Fachschule für Technik oder eben das berufliche Gymnasium.

Besondere Vorbereitung

„Bei uns kann man ganz normal die allgemeine Hochschulreife machen“, sagt Kusch. „Allerdings werden unsere Schüler besonders gut auf Ingenieur-Studiengänge vorbereitet.“ Oberstufenschüler des Berufskollegs für Technik müssen als Leistungskurse Maschinenbautechnik und Mathematik wählen, das schreibt das Schulministerium so vor.

Kusch: „An unserer Schule wird kein Kunst und kein Musik unterrichtet, dafür legen wir sehr viel Wert auf Fächer wie Informatik, Physik und Chemie.“ Die meisten Abiturienten seiner Schule würden ein Ingenieur-Studium anstreben. „Unseren Schülern stehen aber alle Wege offen. Sie legen bei uns das Zentralabitur ab und können jedes Fach studieren.“

Dass die Anmeldezahlen so stark rückläufig sind, erklärt Kusch folgendermaßen: Zum einen seien in den vergangenen Jahren einige Realschulen im Kreis Düren, zum Beispiel in Hürtgenwald, Nideggen und Kreuzau, geschlossen worden. „Schüler, die statt zur Realschule jetzt auf die Gesamtschule gehen, wechseln aber in der Regel nicht nach der zehnten Klasse. Die Gesamtschulen möchten die Jugendlichen, die eine Qualifikation für die Oberstufe haben, auch halten — verständlicherweise.“

Darüber hinaus seien technische Fächer als schwierig verschrien. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass es schick ist, damit zu kokettieren, nicht gut Mathematik zu können. Das ist aber natürlich Unsinn.“ Es würden dringend Ingenieure in Deutschland gesucht, ergänzt der Schulleiter. „Deswegen ist dieser Bildungsgang so enorm wichtig. Außerdem ist er ein wichtiges Angebot für Jugendliche, deren Stärken nicht bei den Sprachen liegen.“

Noch drei Wochen nach den Osterferien können Schüler sich für das berufliche Gymnasium am Berufskolleg für Technik anmelden. „Bekommen wir keine 20 Anmeldungen“, sagt Kusch, „würde dieser Bildungsgang vakant bleiben. Wir würden ihn aber für das nächste Schuljahr wieder anbieten.“ Auf die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer, ergänzt Kusch, würde die Schließung des beruflichen Gymnasiums zunächst keine Auswirkungen haben. „Wir sind eine Schule für die Sekundarstufe II. Und alle unsere Lehrer dürfen auch aufgrund ihrer Ausbildung in der Sekundarstufe II unterrichten. Wir haben nicht zu viele Pädagogen — auch nicht, wenn wir das einzügige berufliche Gymnasium für ein Jahr schließen müssten.“

Auch Sybille Haußmann, Leiterin des Schulamtes des Kreises Düren, hält die Möglichkeit, am Berufskolleg für Technik auch das Abitur machen zu können, wichtig für die Bildungslandschaft im Kreis Düren. „Es wäre sehr schade, wenn dieser Bildungsweg wegfallen würde“, betont Haußmann. „Gerade auch vor dem Hintergrund des großen Fachkräftemangels, den wir derzeit in Deutschland haben.“

Bessere Zahlen an den anderen Berufskollegs

Die Anmeldezahlen an den anderen Berufskollegs sind nicht so stark gesunken. An der Nelly-Pütz-Schule haben sich bisher 48 Leute für das berufliche Gymnasium mit Schwerpunkt Erzieher und 44 für das berufliche Gymnasium mit Schwerpunkt Freizeitsportleiter angemeldet. Das sind etwa 40 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Am Berufskolleg Kaufmännische Schulen waren die Anmeldezahlen für das Schuljahr 2017/18 zurückgegangen, so dass damals nur noch zwei Klassen für das berufliche Gymnasium dort angeboten werden konnten. „Im nächsten Schuljahr“, sagt Schulleiterin Elvira Pürling, „können wir wieder dreizügig arbeiten.“ Sie würde sich grundsätzlich eine bessere Information der Schüler der Sekundarstufe I über die Möglichkeiten der gymnasialen Oberstufe im Kreis Düren wünschen.

Informationen zum Berufskolleg für Technik unter Telefon 02421/95400.

(kin)
Mehr von Aachener Nachrichten