Karnevalszug Düren: Nur die KG "Südinsulaner" hat einen Motivwagen

Orchideensonntagszug : Warum der Dürener Zug so unpolitisch ist

Bunt und voller Musik ja, abwechslungsreich, politisch oder zumindest ein bisschen frech allerdings nicht – der Dürener Karnevalszug am Orchideensonntag präsentiert sich seit vielen Jahren im gleichen Gewand.

Es gibt immer die selben Komiteewagen der verschiedenen Karnevalsgesellschaften, nur die KG „Südinsulaner“ versucht mit ihrem Motivwagen, lokalpolitische Dürener Themen aufs Korn zu nehmen. Aber warum ist der mit Abstand größte Karnevalszug im Dürener Land eigentlich so unpolitisch?

Bunt und voller Musik ja, abwechslungsreich, politisch oder zumindest ein bisschen frech allerdings nicht – der Dürener Karnevalszug am Orchideensonntag präsentiert sich seit vielen Jahren im gleichen Gewand. Es gibt immer die selben Komiteewagen der verschiedenen Karnevalsgesellschaften, nur die KG „Südinsulaner“ versucht mit ihrem Motivwagen, lokalpolitische Dürener Themen aufs Korn zu nehmen. Aber warum ist der mit Abstand größte Karnevalszug im Dürener Land eigentlich so unpolitisch?

Dass die „Südinsulaner“ sich jedes Jahr etwas Neues einfallen lassen, hat eine lange Tradition. „Es war eigentlich schon immer so“, sagt Axel Steiger, erster Vorsitzender der Gesellschaft. Bis heute, erklärt er, würden sich viele Mitglieder der KG politisch engagieren – in unterschiedlichen Parteien. „Bei uns gibt es CDU-Kreustagsmitglieder und SPD-Stadträte. Das ist auch bei Vereinsversammlungen oder beim gemeinsamen Feiern überhaupt kein Thema. Und auch kein Problem. Wir diskutieren nicht ununterbrochen über Politik. Aber wir sind politisch und haben eine Meinung. Das wollen wir auch beim Zug zeigen. Sinn des Karnevals ist es auch, den Finger in die Wunde zu legen.“

Für den Wagenbau ist bei den „Südinsulanern“ seit 22 Jahren Jakob Simons zuständig. Er muss die Ideen seines Vorstandes für den Motivwagen umsetzen. In diesem Jahr geht es um die Klagewut bei der Dürener Annakirmes. Simons: „Wir haben uns schon mit dem Abriss der Stadthalle beschäftigt, die B 56 n in großen Särgen zu Grabe getragen und uns mit der politischen Eiszeit und Dürens chinesischer Partnerstadt Jinhua beschäftigt. Die Menschen erwarten das mittlerweile von uns.“

Das Grundgerüst des Wagens bleibt dabei immer gleich. „Das ist ein ganz normaler Anhänger“; sagt Simons, der von Beruf Landmaschinentechniker ist „Nur die Aufbauten variieren.“ Erste Ideen für den Wagenbau gibt es schon sehr früh, mit der Umsetzung wird so spät wie möglich begonnen. „Wir wollen ja möglichst aktuell sein“, sagt Simons. „Und wenn es geht, auch noch reagieren, wenn etwas Besonderes passiert. Aber das ist schwer.“ Was bisher auch bei den Südinsulanern nicht geklappt hat, ist das Modellieren großer Figuren aus Pappmaché, wie man sie aus dem Kölner und Düsseldorfer Rosenmontagszug kennt. Steiger: „Wir haben aber jetzt einen Maler, der sich bei uns im Verein engagiert. Der soll in diesem Jahr an einem Workshop des berühmten Düsseldorfer Wagenbauers Jacques Tilly teilnehmen.“

Warum die anderen KGs aus Düren keine Motivwagen für den Zug entwerfen, können Steiger und Simons nur schwer erklären. „Diese Auseinandersetzung mit lokalpolitischen Themen macht ja auch Spaß“; sagt Steiger. „Und es ist nicht wirklich teuer. Wir investieren jedes Jahr um die 600 Euro.“

Karnevalszug Düren: Liesel Koschorrek nach ihrer Wahlniederlage - ausgeknockt in einem Boxring. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Für Festkomitee-Präsident Peter Schmitz ist das Geld dagegen sehr wohl ein Argument. „Die Vereine müssen schon ihre Veranstaltungen finanzieren, das Wurfmaterial kaufen. Da kommt Einiges an Kosten zusammen.“ Natürlich, ergänzt Schmitz, sei es durchaus ein Manko, dass der Zug kaum Motivwagen habe. „Aber die Komiteewagen sind auch in Köln und Düsseldorf immer gleich.“ Für Professor Herbert Schmidt, Präsident der KG „Närrische Nord Dürener“ und durchaus ein kreativer Kopf, wenn es darum geht sich neue Veranstaltungsformen wie die „Närrische Akademie“ oder ein karnevalistisches Konzert zum 11.11. auszudenken, fehlt es an Handwerkern, um Motivwagen  zu bauen.

Schmidt: „Wir haben gute Handwerker, die sind aber nicht mehr die jüngsten, und mit Bühnenbau und unserem Komiteewagen ausgelastet. Mehr können wir ihnen nicht zumuten.“ Gleichwohl wünscht sich auch Schmidt mehr Abwechslung im Dürener Karnevalszug. „Vielleicht kann es gelingen, über die Kreishandwerkschaft junge Handwerker mit Interesse am karnevalistischen Wagenbau zu finden. Und vielleicht kann so ein Mottowwagen ja auch als Gesellenstück gelten“

Karnevalszug Düren: Dürens früherer Bürgermeister Jupp Vosen hat sein Fett weg bekommen. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Wino Ulhas, Präsident der KG „Löstige Ost-Dürener“ findet es grundsätzlich gut, dass Karneval und Politik im Dürener Karneval weitestgehend getrennt werden. „Wir konzentrieren uns im Zug auf die Gesellschaften. Und das ist für eine Stadt wie Düren auch richtig.“ Obwohl – eine Besonderheit haben die Ost-Dürener diesmal dann doch: Im Europawahljahr fährt die EU-Abgeordnete Sabine Verheyen auf dem Wagen der Gesellschaft mit. Im 60. Jahr der Städtefreundschaft ist darüber hinaus auch Dürenes französische Partnerstadt Valenciennes im Dürener Zug dabei – mit eigenem Karnevalswagen, extra für den Umzug gestaltetem Wurfmaterial und den berühmten „Binbins“. Das sind die für Valenciennes typischen Karnevalspuppen.

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