Niederau: Kanalschaden: Bahnverkehr wohl noch zwei Wochen lahmgelegt

Niederau : Kanalschaden: Bahnverkehr wohl noch zwei Wochen lahmgelegt

Der Schaden an dem weggebrochenen Hauptabwasserkanal unter der Renkerstraße ist offenbar noch größer als angenommen. Der zuständige Wasserverband Eifel-Rur (WVER) geht nun davon aus, dass der Kanal auch unterhalb des angrenzenden Bahndamms der Rurtalbahn so marode ist, dass er dort ebenfalls erneuert werden muss.

Die ursprüngliche Idee, das neue Kanalstück unter dem Bahndamm mit einer Manschette an das bestehende anzuschließen, wurde daher wieder verworfen.

Arbeiter begannen am Montag damit, den Bahndamm der Rurtalbahn-strecke freizulegen, damit ein Leerrohr aus Stahl verlegt werden kann. Foto: Abels

Am Montag begannen Bauarbeiter damit, den Bahndamm samt Gleiskörper abzutragen. Bis wieder Züge auf der Rurtalbahnstrecke fahren können, wird es dauern. WVER-Sprecher Marcus Seiler sagte nach Abstimmung mit den hauseigenen Ingenieuren „noch mindestens zwei Wochen“. Solange müssen die Fahrgäste auf Busse umsteigen. Wann die Renkerstraße zumindest teilweise wieder für den Verkehr freigegeben werden kann, war am Montag noch völlig unklar. Da derzeit auch die Schneidhausener Rurbrücke bei Kreuzau aufgrund von Bauarbeiten gesperrt ist, muss der Verkehr weiträumig umgeleitet werden.

Seit die infolge des Kanalschadens unterspülte Fahrbandecke am Freitagabend eingebrochen ist, überbrückt das Technische Hilfswerk mit Hochleistungspumpen und Hunderten Metern Schlauchverbindung die Einsturzstelle und sorgt dafür, dass das Abwasser von 18.000 Einwohnern und zahlreichen Industriebetrieben Richtung Kläranlage Merkener Busch fließen kann. Anwohner beklagen nicht nur, dass die Schläuche zum Teil direkt vor ihren Türen liegen, sondern auch die Geruchsbelästigung und nachts den Lärm der Pumpen.

Da dies alles kein Dauerzustand ist, will der WVER nun so schnell wie möglich eine sogenannte Heberleitung errichten, kündigte Seiler an. Mit oberirdisch auf Stützen verlegten Rohren soll die Einsturzstelle solange überbrückt werden, bis das defekte Kanalstück saniert ist. Seiler geht von einer Bauzeit von mehreren Monaten aus.

Damit die Rurtalbahn so schnell wie möglich wieder fahren kann, wird der WVER unter dem Bahndamm ein Leerrohr aus Stahl einziehen, durch das dann später der neue Abwasserkanal geschoben werden kann, kündigte Seiler an. Danach könne der Bahndamm wieder aufgeschüttet und die Gleise wieder verlegt werden.

Baubeginn verzögert sich

Dass der in den frühen 70er Jahren errichtete Hauptwasserkanal, der von Untermaubach bis zur Kläranlage Düren führt, an vielen Stellen sanierungsbedürftig ist, war seit längerem bekannt. Die Pläne zum Bau eines neuen Kanals, der parallel zum bisherigen verläuft, liegen seit langem in der Schublade. Der ursprünglich für 2018 geplante Baubeginn aber verzögert sich aufgrund von planungsrechtlichen Fragen bis 2021.

Ob bis dahin nun noch mit weiteren Einstürzen auf dem 12,5 Kilometer langen Kanalstück gerechnet werden muss, sei „Kaffeesatzleserei“, betonte Seiler. Dass der Kanal an vielen Stellen von den schwefelhaltigen Abwässern der Industrie angegriffen ist, sei bekannt. Es könne aber durchaus auch sein, dass die permanenten Vibrationen des Zugverkehrs im Fall Renkerstraße mitverantwortlich für den Kanaleinsturz waren. Während Abwasserkanäle normalerweise regelmäßig mit Kameras befahren werden, um Schäden frühzeitig zu erkennen, ist dies im seit Jahren ausgelasteten Hauptabwasserkanal nicht möglich.

Dass es einmal zu einem Kanaleinsturz kommen könnte, muss der WVER aber bereits befürchtet haben, wurde doch gerade erst ein Notfallkonzept entwickelt, um bei Schäden wie jetzt in der Renker-straße auf eigene Pumpanlagen zurückgreifen zu können. Problem: Die benötigten Hochleistungspumpen haben eine lange Lieferzeit. „Der Schaden in der Renker-straße ist uns zuvorgekommen“, betonte Seiler.

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